Langenfeld: Senioren stehen Schlange für Ausflüge

Langenfeld : Senioren stehen Schlange für Ausflüge

"Die stehen hier bei uns bis in die Blumenbeete", sagt Ilka Gaßmann über den Andrang, den das von ihr organisierte Monatsprogramm hervorruft. Das ist nicht übertrieben.

Man könnte meinen, es gäbe was umsonst. Dabei ist das, wofür Langenfelds Senioren einmal im Monat Schlange stehen, sowieso unbezahlbar: Freude, Geselligkeit, Miteinander. Wenn Ilka Gaßmann und Jutta Hilterscheid die monatlichen Anmeldungen zu den Veranstaltungen der "Langenfelder Initiative für Bürger mit Bürgern" entgegennehmen, dann strömen die Leute von überall her zusammen. Margit Rettig war diesmal die Erste am Freiherr-vom-Stein-Haus. Die betagte Dame steht seit halb neun vor der Tür, obwohl die "Sprechstunde" offiziell erst um zehn beginnt. "Ich mach es immer wieder", schwärmt sie: "Ich wechsle mich mit meiner Freundin ab: Einen Monat kommt sie, den nächsten ich."

Helga Funke hat an diesem Morgen extra ihr Nordic Walking ausfallen lassen, um zur "Für Bürger mit Bürgern"-Anmeldung kommen zu können: "Man hat keine Chance, wenn man nicht rechtzeitig hier ist." Trotz der Kälte ist die Stimmung gut: Man begrüßt sich mit einem fröhlichen "Hallo, guten Morgen! Geht's gut?" Helga Ehlert freut sich über die gut vorbereiteten Fahrten der Initiative: "Es ist sehr bequem." Auch die Preise der ehrenamtlich organisierten Angebote seien gut. Und Elke Herlt fügt hinzu: "Man lernt Leute kennen. Man fühlt sich wohl in dem Verein. Ich bin mindestens schon sieben Jahre dabei."

Christiane Saerberg hat sich aus dem aktuellen Monatsprogramm "Barockmusik in der Kölner Philharmonie" und ein Neujahrskonzert in der Düsseldorfer Tonhalle herausgesucht. Sie ist mit dem Fahrrad aus Reusrath gekommen und hat etwa eine Stunde Schlange gestanden, zuletzt im Warmen, denn Gaßmann und Hilterscheid sind schon gegen halb zehn gekommen und haben die Türen für die Wartenden geöffnet. "Ich mache bestimmt schon zehn Jahre mit", erzählt Saerberg. Sie interessiert sich besonders für die kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen und Musik. "Ich bin auch im Literaturkreis."

Wolfgang Sieke ist einer der wenigen Männer unter den Wartenden an diesem Morgen. "Ich bin durch Bekannte hier reingekommen", sagt er. Er schätzt vor allem die geselligen Spiele, die der Verein anbietet: Samstags spielt er Kanaster, montags und mittwochs Boule sowie zweimal im Monat Doppelkopf.

Sechs Minuten vor zehn, der Verkauf läuft seit einer guten Viertelstunde, da heißt es: "Roncalli ist voll!" Enttäuschung in den Gesichtern einiger Wartender, die nicht früh genug da waren. "Ich kann versuchen, noch Karten zu bekommen", schiebt Gaßmann hinterher. Geduldig erklärt sie immer wieder den Treffpunkt für die Fahrten, ab wann die Anmeldung für eine Reise verbindlich ist und wo noch Plätze frei sind. Die 75-Jährige hat den Verein 1987 mit Irene Großmann gegründet. Sie stellt das Programm zusammen, liest Theaterkritiken, besorgt im Voraus die Karten. Das ist mit einem gewissen Risiko verbunden, denn die bestellten Karten muss der Verein abnehmen - unabhängig davon, wie viele Interessenten sich anmelden. Also muss Gaßmann das Interesse abschätzen - und notfalls eine Warteliste anlegen, falls jemand "abspringt". Bezahlt wird bei der Anmeldung. "Das Ganze ist ein ehrenamtlicher Fulltime-Job", sagt Gaßmann. Trotz intensiver Suche ist es nicht leicht, eine Nachfolge zu finden.

Am Bedarf besteht indes kein Zweifel: Wenn das neue Programm für den kommenden Monat verteilt ist, "wird es am darauffolgenden Anmeldetag immer heftig", sagt Gaßmann. Erst gegen Viertel nach zehn, eine gute halbe Stunde nach dem vorzeitigen Beginn der Anmeldungen, lässt der Andrang nach.

(dgn)
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