Senioren machen sich in Langenfeld für Wohnprojekte stark

Langenfeld : Langenfelder planen Haus fürs Alter

Zwei Projektgruppen haben sich zusammengetan und arbeiten an einem Mehrgenerationenhaus.

Kaum jemand kann sich vorstellen, im Alter in einem Pflegeheim zu leben. Doch wer als älterer Mensch möglichst selbst bestimmt,  aber nicht einsam wohnen möchte, sollte sich frühzeitig darüber Gedanken machen, rät Mona Ende, die in Langenfeld für die Quartiersarbeit zuständig ist. Und das tun auch viele Bürger in der Stadt. Eine Gruppe plant ein Mehrgenerationenhaus.

Anfang 2018 gründete sich in der Awo-Begegnungsstätte an der Langforter Straße die erste Projektgruppe zum Thema „Wohnen im Alter“. Direkt von Anfang an waren 42 Mitglieder dabei. Die Gruppengröße blieb konstant, berichtet Sabine Labudda, Leiterin der Begegnungsstätte. Und aus der Bürgerwerkstatt für Menschen ab 55+ in Langenfeld-Mitte entwickelte sich im vergangenen Jahr bereits eine zweite Gruppe. „Wohnen war für die 50 Teilnehmer das dringlichste Thema“, sagt Mona Ende. Beide Einheiten haben sich zum Jahresende 2019 zusammen geschlossen. Rund 80 Langenfelder zwischen 50 und 80 Jahren machten engagiert mit. Von den rund 60.700 Bürgern in Langenfeld seien fast die Hälfte (47,6 Prozent) über 50 Jahre alt (Stand 2019). Sie nähmen bereits jetzt schon eine großen Anteil an der Gesamtbevölkerung ein.

Mona Ende ist bei der Stadtverwaltung für die Quartiersarbeit zuständig. Foto: RP/Petra Czyperek

Die Menschen treibe beispielsweise um, dass die Mieten immer teurer würden; viele Senioren könnten die mit ihrer Rente nicht mehr bezahlen, wollten aber im angestammten Stadtteil wohnen bleiben. Möglich sei es natürlich, die Wohnung oder das eigene Haus barrierefrei umzubauen. Eventuell könne eine Pflegekraft einziehen. Wer nicht über Eigentum verfüge, müsse jedoch anders planen.

Über die Stadt verteilt gibt es in Langenfeld fünf Pflegeheime. Und sowohl die Arbeiterwohlfahrt (Awo), als auch Caritas (CBT) und St. Martinus in Richrath bieten betreutes Wohnen beziehungsweise Wohnungen mit Serviceleistungen an. Doch bis dort etwas frei wird, müssen die Anwärter viel Geduld mitbringen. Die Warteliste beispielsweise für die 62 kleinen Wohnungen der Arbeiterwohlfahrt an der Langforter Straße reichen bis in die nächsten vier Jahre, sagt Sabine Labudda. Das Seniorenzentrum St. Martinus hält 74 Wohnungen als selbständiges Wohnen mit buchbaren Serviceleistungen wie Essen und Ausflügen vor. Das CBT-Wohnhaus St. Franziskus im Stadtteil Mitte bietet insgesamt 37 Wohnungen mit Service an.

Viele Langenfelder wünschen sich, selbstbestimmt alt zu werden, etwa in einer Wohngemeinschaft oder in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt. „Den Leuten ist es außerdem wichtig, selber etwas auf den Weg zu bringen“, erlebt die Leiterin der Awo-Begegnungsstätte. Jeder einzelne brauche aber Zeit, um zu überlegen, was er möchte. „Es ist schließlich eine große Lebensentscheidung“, findet Mona Ende.“

Zusammen ein Mehrgenerationenhaus auf den Weg zu bringen, sei das erklärte Ziel einiger Teilnehmer. der Projektgruppe „Dafür“, fügt sie hinzu, „gibt es aber in Langenfeld bisher noch kein Grundstück und noch keinen Investor. Es wird noch Jahre dauern, bis es Realität werden kann.“ Doch davon lässt sich die Projektgruppe keinesfalls entmutigen. Ein 58-jähriger Teilnehmer, der jetzt  in einer Eigentumswohnung in der dritten Etage ohne Aufzug wohnt, sagt: „Ich möchte nicht in einem Pflegeheim enden. Dennoch hätte ich gerne bis zum Schluss eine Betreuung.“ Deshalb möchte der Richrather sich für ein solches Wohnprojekt einsetzen, wie er bekräftigt.

Mona Ende und Sabine Labudda koordinieren die Treffen, laden Referenten zu Vorträgen ein oder organisieren Besichtigungen. So unternahmen die Teilnehmer bereits eine erste Exkursion zu einem Mehrgenerationenwohnprojekt in Bochum. Und es fanden Vorträge zum altersgerechten Umbau der eigenen Wohnung und über betreutes Wohnen statt. Ein weiteres Referat befasst sich im Februar mit gemeinschaftlichen Wohnprojekten. 40 Teilnehmer haben sich dafür bei Sabine Labudda schon angemeldet.

„Wenn wir uns einen Überblick über die verschiedenen Varianten verschafft haben, dann wird es wirklich interessant, wie es in Langenfeld weitergeht“, sagt Mona Ende.