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Senior fühlt sich von Pflegedienst in Langenfeld betrogen

Langenfeld : Pflegedienst: Rentner fühlt sich betrogen

Es seien Unterschriften gefälscht und Leistungen abgerechnet worden, die nicht erbracht wurden. Jetzt hat Karl-Heinz Hermanns Anzeige erstattet.

Karl-Heinz Hermanns (87) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Pflegedienst, der sich rund ein Jahr lang – bis kurz vor Weihnachten 2019 – um seine 79-jährige Frau Margret und ihn gekümmert hat. Der Anbieter aus Berghausen, der sowohl niederschwellige Pflege als auch Demenzbetreuung und Hilfen im Haushalt anbietet, soll laut Hermanns falsch abgerechnet, seine Unterschrift gefälscht und Versicherungsbetrug begangen haben. Es sei ein Schaden von mehreren tausend Euro entstanden. Hermanns hat den Dienstleister deshalb Ende Januar angezeigt. Bearbeitet wird der Fall derzeit von der Kripo. Pressesprecher Daniel Uebber, Kreispolizei Mettmann, bestätigt die Anzeige. „Wir überprüfen die Vorwürfe.“ Ob es zum Prozess kommt, werde die Staatsanwaltschaft entscheiden.

Auch der Pflegeförderung des Kreises Mettmann, die für die Anbieter zuständig ist, ist der Fall bekannt. „Bisher ist uns dieser Pflegedienst aber nicht negativ aufgefallen“, berichtet Pressesprecherin Daniela Hitzemann. Die Inhaberin des Pflegedienstes (Name ist der Redaktion bekannt), wies die Vorwürfe zurück: „Das stimmt nicht. Das ist eine Lüge. Ich habe korrekt abgerechnet.“

Karl-Heinz Hermanns, der mit seiner an Parkinson erkrankten Ehefrau in einem Haus für betreutes Wohnen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Langfort lebt, hat selber Pflegestufe zwei, seine Frau die Stufe vier. „Ich habe Herzprobleme und kann nicht mehr so gut sehen.“ Die Inhaberin des Pflegedienstes habe ihm unmittelbar bei Beginn des Vertragsabschlusses vorgeschlagen, sie wolle alle Abrechnungen sowohl für den Senior als auch für dessen Frau „in eine Hand nehmen“, so Hermanns, „um mir Arbeit abzunehmen“. Im Laufe der Zeit sei ihm aufgefallen, dass zu viel abgerechnet wurde, unter anderem auch Leistungen, die nicht erbracht worden seien, „Sie hat Geld, das die Pflegekasse bezahlt, einbehalten und mich als Demenzkranken geführt, um eine höhere Summe abrechnen zu können.“ Mindestens 500 bis 700 Euro monatlich seien das insgesamt gewesen, sagt der 87-Jährige. Dafür habe die Inhaberin seine „Unterschrift rund 30 Mal gefälscht“. Das sei ein Leichtes gewesen, „weil wir bei Vertragsbeginn ein Schreiben unterzeichnet haben“. Schon kurz nach Beginn des Pflegeverhältnisses habe der Betrug dann begonnen. Hermanns wurde im Laufe der Monate aufgrund von Unregelmäßigkeiten auf seinem Konto aufmerksam. Die Barmer-Krankenversicherung überweise monatlich rund 300 Euro unter anderem für Windeln und eine Einkaufshilfe, über die er selber individuell verfügen könne. Davon habe häufig ein größerer Betrag gefehlt. Hermanns, der früher ein Dachdeckerunternehmen hatte, begann mit der Recherche, ließ sich Kopien der Rechnungen von der Versicherung schicken. Die Barmer gab auf telefonische Anfrage der RP keine Stellungnahme ab, aus „datenschutzrechtlichen Gründen“, wie die Sprecherin sagte.

Unterstützung erhält der Senior von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Pflegedienstes, die dort im Sommer 2019 gekündigt hat. Sie möchte namentlich nicht genannt werden und sagt, die Patienten hätten Rechnungen bekommen, die sie nicht zuordnen konnten. „Darauf standen Tage und Stunden, an denen ich nicht gearbeitet habe.“ Karl-Heinz-Hermanns geht davon aus, dass weitere Senioren betroffen sind. Der Pflegedienst betreue rund neun Familien im Awo-Haus, in Langenfeld seien es an die 50.