Monheim: Seit Jahren kein Wachstum

Monheim : Seit Jahren kein Wachstum

Weil die Kirchensteuer nicht mehr so sprudelt wie in den Jahren zuvor, sind Einschnitte notwendig. Bei den gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben will die Evangelische Kirche jedoch nicht sparen.

Martin Luther soll – so ist es überliefert – am Tag vor Allerheiligen seine Thesen zu Ablass und Buße an die Türe der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Damit leitete der Mönch und Theologieprofessor die Reformation ein. Er verneinte, dass die durchaus gängige Praxis, die Erlösung von der Sünde durch eine Geldzahlung (Ablass) möglich sei. Denn dafür sei schon Jesus am Kreuz gestorben. Die historisch nicht einwandfrei nachzuweisenden Ereignisse am 31. Oktober 1517 gelten als Geburtsstunde der evangelischen Kirche. Protestanten aus beiden Städten nutzen das Datum, um sich auf die Inhalte der Bibel zu besinnen. "Für mich bietet der Reformationstag die Gelegenheit zur Selbstreflexion", sagt die Reusrather Pfarrerin Annegret Duffe. "Es ist der Tag, an dem evangelischen Christen darüber nachdenken, was ihre Kirche ausmacht. Das ist ein sehr wichtiges Datum."

Rückläufige Mitgliederzahlen

Ein Blick auf die Gemeinden in Langenfeld und Monheim macht deutlich, dass die Protestanten vor ähnlichen Herausforderungen wie die Katholiken stehen. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, Gottesdienste sind nicht mehr so gut besucht, und Verwaltungsstrukturen müssen an einigen Stellen modernisiert werden. "Die Zahlen sind noch nicht dramatisch", meint Duffe. "Die Gemeinde ist insgesamt lebendig. Richtig ist aber auch, dass es seit Jahren kein Wachstum mehr gibt. Daher sollten wir unsere Häuser immer offen halten, interessierte Menschen einladen und ihnen die Möglichkeit geben, mitzuwirken." Das Interesse für geistliche Fragen sei jedoch definitiv vorhanden – vor allem bei besonders tiefgreifenden Ereignissen im Leben. "Wer aus der Kirche austritt, sollte sich jedoch darüber klar sein, dass die Kirchensteuer eine Vielzahl unserer Angebote trägt." Der Mitgliederschwund hat laut Erich Jacobi, seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender des Presbyteriums in Langenfeld, viele Ursachen. Der demographische Wandel, Austritte aus finanziellen Gründen und häufigere Wohnortswechsel bedingt durch den Job, sind seiner Einschätzung nach die Ursachen. "Es ist klar, dass die Kirchensteuer nicht mehr in dem Maße sprudelt, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war", betont Jacobi. "Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen."

Das führt zu Einschnitten innerhalb der Gemeinde. Es gibt weniger Pfarrstellen, und auch die Zahl der Mitarbeiter wurde bereits an einigen Stellen reduziert. "Derzeit stehen zudem Gebäude, Gemeindezentren und Personalwesen mit Blick auf eine Senkung der Kosten auf dem Prüfstand." Es gibt aber auch Bereiche, in denen laut Jacobi finanzielle Einschnitte "absolut kein Thema" sind: Die sozialen Angebote. Ambulante Pflege durch die Diakonie-Sozialstation, Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und die Kindertagesstätte "Unterm Regenbogen" sind nur einige Beispiele für die gesellschaftliche Bedeutung der Kirchengemeinde, die rund 16 000 Mitglieder im Stadtgebiet hat. "Hier zu sparen, wäre der falsche Ansatz", meint Jacobi. Deswegen investieren wir lieber gezielt in diesem Bereich." Die Kita soll mit Landesmitteln zu einem Familienzentrum entwickelt werden. Das Gemeindezentrum an der Stettiner Straße wird renoviert und ausgebaut. "Außerdem verknüpfen wir die Zentren besser miteinander. Es ist zwar nicht mehr überall möglich, alles anzubieten, aber die Grundversorgung bleibt erhalten."

(dora)
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