Leverkusen: Schutz-Zelt gegen Giftstaub aus Deponie

Leverkusen: Schutz-Zelt gegen Giftstaub aus Deponie

A1-Brücke - in Kürze beginnt der Aushub für das Regenrückhaltebecken unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Wie ein höchst geräumiges Festzelt wirkt die 70 mal 20 Meter große und neun Meter hohe Einhausung. Drei Abluftschläuche, die Riesenschlangen gleichen, liegen auf dem Boden. Sie sind bereits angeschlossen und surren vor sich hin. Die Schläuche transportieren die Abluft zu sechs Containern mit Aktivkohlefiltern außerhalb des Zeltes. Mit ihrer Hilfe wird die Luft in der Einhausung acht mal pro Stunde komplett ausgetauscht. Das könnte auch nötig werden. Denn unter dem Boden des Zeltes befindet sich Giftmüll mit krebserregenden Stoffen, die nicht ins Freie geraten dürfen. Wie das gelingen soll, zeigten die Autobahnbehörde Straßen.NRW und die beteiligten Fachfirmen jetzt bei einem Baustellentermin an der A 1-Brücke.

Foto: Bernd Bussang

Die Einhausung befindet sich am Rheinufer nördlich der Leverkusener Brücke, unmittelbar an der Autobahnabfahrt der A 59, und somit noch auf dem Gelände der alten Giftmülldeponie Dhünnaue. Dort soll im Zuge des Neubaus der Rheinbrücke ein Regenrückhaltebecken entstehen. Dessen Größe ist deutlich erkennbar: Die Spundwände sind bereits eingeschlagen, die Asphaltschicht der früheren Autobahnabfahrt abgetragen.

Foto: Miserius Uwe

Unter dem hohen Dach des Zeltes steht ein Bagger in Position. Auf was er stoßen wird, wenn er die erste, rund drei Meter dicke Dammschicht weggeräumt hat, ist laut Ingrid Obernosterer keine Überraschung. Nach Auskunft der Fachbauleiterin enthält der Boden Chrom VI, eine Chromverbindung, die schon in geringen Mengen für den Menschen schädlich ist und Krebs erzeugen kann (siehe Info). Genauere Hinweise zum Bodenmaterial hatten die Bauplaner durch engmaschige Probebohrungen erhalten, indem sie Sonden im Abstand von 1,7 bis 0,7 Metern ins Erdreich einbrachten.

Messgeräte sollen sicherstellen, dass Grenzwerte nicht überschritten werden. Foto: Miserius Uwe
  • Brückenbaustelle an der A1 : Zelt soll gegen Giftstaub aus Deponie schützen

Als festes, "bodenähnliches Material" liege der Giftmüll im Erdreich, erklärt Ingrid Obernosterer. Gefahr drohe, wenn sich Staub löse und verflüchtige. Damit genau das nicht passiert, haben die Sicherheitsfachleute umfangreiche Vorkehrungen getroffen. Dazu gehören nach Angaben der Fachbauleiterin und Bauleiter Hans Spirk neben der Einhausung und der mehrstufigen Abluftruftreinigungsanlage auch Nebelkanonen, die an Messinstrumente angeschlossen sind und sofort Feuchtigkeit spenden, sobald der Boden zu trocken wird.

Die Mitarbeiter im Zelt sind mit Schutzanzügen und Atemschutzgeräten ausgerüstet. Eine aufwändige Messtechnik mit Gas- und Feinstaubanzeigern schlage sofort Alarm, sobald Grenzwerte überschritten würden. 500 verschiedene giftige Gase könnten identifiziert werden. Zugang und Zufahrt der provisorischen Bauhalle sind zudem mit Schleusen gesichert. In der Zufahrtsschleuse werden die Transporter an einem Waschplatz bei der Abfahrt aufwenig gereinigt, inklusive Reifen und Unterboden, versteht sich. Besonders belasteter Aushub wird unter dem Zeltdach in luftdichte Spezialcontainer verladen und abtransportiert. Der Giftmüll wird nur wenige hundert Meter entfernt in der Deponie von Currenta fachgerecht entsorgt oder bei Bedarf verbrannt. Der Gesamtaushub beträgt nach Angaben von Straßen.NRW 5050 Tonnen, davon 2700 Tonnen höher belastetes Material.

Die gesamte Anlage ist aus Sicherheitsgründen rund um die Uhr videoüberwacht, Polizeifahrzeuge patrouillieren regelmäßig. Mit den Arbeiten wird laut Bauleitungjetzt begonnen. Zunächst wird die nicht belastete Dammschicht abgetragen, bevor die Arbeiter voraussichtlich am Freitag auf vergifteten Boden stoßen. Der Aushub dauert rund vier Wochen, Ende Juni soll das Regenrückhaltebecken fertig sein.

(bu)