Langenfeld: Schulnamen sagen Schülern manchmal wenig

Langenfeld : Schulnamen sagen Schülern manchmal wenig

Ob Emil Barth, Bettine von Arnim oder Dietrich Bonhoeffer - in vielen Schulen ist der Namenspatron ein mehr oder weniger unbekanntes Wesen.

Vor dem Hildener Schulzentrum sitzen mehrere Jugendliche. Auf die Frage, wer denn wohl Dietrich Bonhoeffer war, sagt der 16-jährige Jan sofort: "Ein kath olischer Priester im Zweiten Weltkrieg. Einer der letzten, der noch hingerichtet wurde. Und ein Schulgründer?" Er ist sich nicht sicher. Mo, eine 13-Jährige, stimmt ihm zu. "Aber Schulgründer war der nicht." Matthias, 15, erinnert sich, dass man da mal im Religionsunterricht drüber gesprochen habe. Alle drei sind - Realschüler. Ihre Schule teilt sich mit dem evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und der neuen Gesamtschule den Standort an der Gerresheimer Straße in Hilden.

Bernd Scheer, kommissarischer stellvertretender Leiter des Gymnasiums, das von vielen einfach nur "Bonni" genannt wird, ist positiv überrascht davon, dass die Realschüler Bonhoeffer zumindest einordnen konnten. Die Gymnasiasten, glaubt er, werden es etwas besser wissen. "Es wird regelmäßig an Bonhoeffer erinnert: an seinem Todestag, mit einer Ausstellung, in der Schulandacht. ,Von guten Mächten wundervoll geborgen'" zitiert er aus dem Stegreif. "In der Oberstufe werden auch seine Briefe gelesen. Außerdem steht seine Büste im Altbau. Und da bleibt sie auch." - Erst kürzlich sollte ein Wasserspender in unmittelbarer Nähe der Büste aufgestellt werden. "Das geht gar nicht", sagt er fast entrüstet. Nach einer Abstimmung steht fest: Bonhoeffer bleibt, wo er ist. Für den Wasserspender muss ein anderer Platz gefunden werden.

An der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule in Langenfeld sucht man Spuren der Dichterin vergeblich: keine Büste, keine Gedenktafel und Schüler aller Jahrgangsstufen, die bestenfalls wissen, dass von Arnim "irgendetwas mit Literatur zu tun hat", so Jacqueline (18) und mehrere Mitschülerinnen aus dem Abiturjahrgang. Eine Honorarkraft, die Selbstbehauptung und Rollenverhalten in den siebten Klassen unterrichtet, hat gegoogelt: "Dichterin, adelig, 1700 Fragezeichen", sagt sie spontan. Die 12-jährige Jule hat "neulich mal eine Postkarte mit einem Gedicht von ihr gesehen."

Peter Gathen, seit dreieinhalb Jahren Schulleiter, macht keinen Hehl daraus, dass er über die Namenswahl für die Gesamtschule nicht glücklich ist: "Der Name spielt hier keine Rolle. Die Namensgeberin ist zu weit weg von uns." Wer von der Schule rede, kürze sie lässig mit "BVA" ab. "Das 25-jährige Bestehen steht nächstes Jahr an. Uns ist bewusst, dass wir uns mit dem Namen stärker beschäftigen müssen", räumt Gathen ein. In seinem Regal steht ein schmales grünes Bändchen über Bettine von Arnim: "Zeitgenossin Goethes, verwandt mit Clemens von Brentano, Lyrikerin, ist alt geworden. Auch Frauenrechtlerin, ja."

Ortswechsel. Die Emil-Barth-Realschule in Haan. Anderer Name, ähnliche Probleme. Schulleiter Reinold Mertens weiß, wer Emil Barth war. "Einer der ersten Schüler unserer Vorgängerschule und später einer der berühmtesten Söhne der Stadt." Noch dazu ein Schriftsteller, der über seine Schulerfahrungen in Haan etwas geschrieben hat. Die Erinnerung an ihn wird dadurch wachgehalten, dass alle Schüler der 9. Klassen ein Porträt von ihm malen müssen. Die hängen überall im Gebäude und zieren den Briefkopf der Schule. Gelesen wird Barth in der Schule aber nicht. "Unser Deutschlehrer hat gesagt, die Texte seien schwer verdaulich , verworren und für Schüler nicht geeignet", sagt der Schulleiter. Die Vitrine aus der Eingangshalle, die mit Fotos und Büchern an Haans berühmten Sohn erinnern soll, ist nicht vorhanden. "Wegen Umzugs. Wir haben doch gerade die ganze Eingangshalle neu gestaltet. Meine Lieblingsbücher sind zurzeit in Kartons verpackt," bedauert Mertens augenzwinkernd.

Wer bestimmt eigentlich, wie eine Schule heißen soll? "Das ist in jeder Stadt anders geregelt", sagt Hildens Schuldezernent Reinhard Gatzke. "Bei uns entscheidet der Schul- und Sportausschuss, in anderen Städten der Rat. Die Vorschläge kommen oft von den Schulen und wir müssen sie oft nur noch genehmigen oder ablehnen." Eine Ablehnung habe es in Hilden in den vergangenen 20 Jahren nicht gegeben.

(RP)