Monheim: Schüler schreiben krebskrankem Bradley

Monheim : Schüler schreiben krebskrankem Bradley

Das Bild von dem kleinen Jungen, der einen Elfmeter schießt, berührt weltweit. Auch aus Monheim bekommt er Post.

Sophie (11) hat im Februar um ihren Uropa getrauert. "Er war schon 94, aber als er starb, kam das trotzdem überraschend", erzählt die Schülerin des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG). Normalerweise haben sie und ihre Klassenkameraden aus der 6 b zum Glück jedoch selten mit dem Thema Sterben und Tod zu tun. Um so mehr berührt sie das Foto vom fünfjährigen Bradley aus England. Das Bild, das um die Welt ging und am vorigen Freitag auch in der RP erschien, zeigt einen krebskranken, von Chemotherapien gezeichneten kleinen Jungen. Im Trikot des AFC Sunderland tritt er gegen einen Fußball. Bradley hat nur noch wenige Monate zu leben. Sein letzter Wunsch: Zu Weihnachten möchte er so viele Wunschkarten wie möglich erhalten. Jetzt haben ihm auch die Kinder aus der 6 b des OHG geschrieben.

"You are a strong person", schrieben ihm die Monheimer Sechstklässler, "keep on fighting" oder auch: "You are a superhero". "Wir wissen, dass er Superhelden wie Spiderman mag", erklärt Nabil (11), dass sich seine Klasse richtig Gedanken gemacht habe. Mit "You did a great job" nahmen die Schüler auch Bezug auch auf den Elfmeterschuss von Bradley. Der AFC Sunderland ließ den Jungen vor dem Erstligaspiel gegen den FC Chelsea dieses Tor schießen und trug so zu der weltweiten Aufmerksamkeit bei, die Bradleys Weihnachtskarten-Wunsch fand. Inzwischen haben ihm mehr als 200.000 Menschen geschrieben.

Aus der 6 b des OHG war es Leonard, der seine Mitschüler auf die Idee brachte, Bradleys Wunsch zu erfüllen. Wie viele Jungen in seinem Alter interessiert sich der Elfjährige vor allem für den Sportteil der Zeitung. "Das Foto in der RP ist mir am Frühstückstisch sofort aufgefallen. Meine Schwester (18) hat gesagt: Mach' doch etwas mit deiner Klasse. Und da habe ich das dann vorgeschlagen."

Leonards Englisch-Lehrerin Malena Straßer fand die Idee prima. Zusammen mit Referendarin Anne Schäfer machte sie gleich ein Stundenthema daraus: "Chistmas greeting". Esna (12), Nyke (11) und die anderen aus der 6 b lernten verbindliche Weihnachtsgrüße zu schreiben wie: "May your Christmas be filled wih lots of happiness, peace and love as well as lots of presents." Mehr als einfach nur "Merry Christmas". Im Mittelpunkt aber stand die Post an Bradley. "Jeder hat eine Grußkarte gebastelt oder bemalt und etwas geschrieben", erzählt Nyke. Sie selbst habe zum Beispiel einen Tannenbaum draufgemalt und Geschenke. Fast so viele Karten wie die 6 b Schüler hat - nämlich 28 - , kamen so zusammen. "Die Karten", sagt Leonard, "haben wir dann in einen großen Umschlag gesteckt" - und ab ging die Post. An: Bradley Lowery, 5 Attlee Avenue, Blackhall Rocks, Hartlepool TS27 4BY, England.

Das mit dem Schreiben klingt leichter, als es ist. Denn ein paar Zeilen an einen Jungen zu richten, von dem man weiß, dass er in ein paar Monaten, vielleicht auch schon in wenigen Wochen sterben wird, dürfte den meisten richtig schwerfallen. Auch Cameron (12) hat nach eigenen Worten "viel darüber nachgedacht". Aber er finde es gut, "dass wir Bradley eine Freude bereiten können". Julia (11) nickt zustimmend: "Wichtig ist, dass wir ihm diesen Wunsch erfüllen." Und für Nabil ist der kleine Engländer ein Held: "Er ist so krank und schafft es trotzdem noch, Fußball zu spielen. Das ist wirklich stark."

(gut)