Langenfeld: Schnäppchenjagd im Regen

Langenfeld : Schnäppchenjagd im Regen

Wegen des bislang miesen Sommerwetters liegt noch viel Saisonware auf den Tischen des Einzelhandels. Deshalb purzeln fast überall die Preise – unabhängig vom Sommerschlussverkauf, der erst nächste Woche beginnt.

Wegen des bislang miesen Sommerwetters liegt noch viel Saisonware auf den Tischen des Einzelhandels. Deshalb purzeln fast überall die Preise — unabhängig vom Sommerschlussverkauf, der erst nächste Woche beginnt.

Langenfeld-Mitte Monika Voigt (64) ist fündig geworden. "Das könnte ihr stehen", sagt die H & M-Kundin und hält das blaue Trägerkleidchen mit den Sternstickereien hoch. "Für meine Enkeltochter Tora. Wir feiern am Wochenende ein Familienfest", erzählt die Richratherin.

Um so günstiger, dass sie das Kleid für die Hälfte bekommt. Denn wie die meisten Textiliengeschäfte in der Stadtmitte, so hat auch die schwedische Handelskette die Preise für Sommerware bereits fast durchgehend runtergesetzt — auch wenn der Sommerschlussverkauf (SSV) deutschlandweit erst am Montag eingeläutet wird.

Abräumtage und Rabatte

"Abräumtage — nochmals minus 30 Prozent auf jeden reduzierten Artikel", heißt es hier auf dem Schaufenster, dort verheißen dicke rote Punkte Rabatte von 30 und 50 Prozent, und ein Laden wirbt gar mit: "Einzelteile bis zu 70 Prozent". Weil der Sommer 2012 bislang ein Rohrkrepierer war, hat der Handel noch jede Menge T-Shirts und Bermudas, Flip-Flops und Badehosen auf Lager. Und die muss er loswerden, um Platz zu machen für Herbstware. Niedriger Luftdruck = hoher Lagerdruck = purzelnde Preise — so etwa lautet die Wirkungsformel.

Im "New Yorker" im Marktkarree knubbeln sich die Bikinis trotz fast halbiertem Preis unter der Kleiderstange — kein Wunder bei dem Nieselregen, der einem draußen ins Gesicht weht. "Dafür haben wir mehr Nachfrage nach Übergangsjacken", berichtet die junge Verkäuferin an der Kasse. Ein paar Schritte weiter, bei "Jack & Jones", ist ebenfalls eher "Ganzjahresware" gefragt als luftig leichte. Doch anders als die große Mehrheit der Konkurrenz geht der Shop überaus sparsam mit Prozentzeichen um.

"Wir haben kein Sale", erklärt der Filialleiter. Ladenhüter gingen vielmehr an die großen Zweigstellen der Kette. "Warenverschiebung" heißt die Methode. Danach sollen die Produkte möglichst dort angeboten werden, wo die Nachfrage am größten ist. Außerdem haben große Läden mehr Möglichkeiten, Rabattware anzubieten, ohne dass die nicht-reduzierten Artikel im Dickicht der Sonderangebote verschwinden.

Wie üblich nicht ganz so üppig wie bei Textilien fallen die Preissenkungen bei Schuhen aus. Eine 46-jährige Immigratherin, die sich bei "Viva la moda" in der Schoppengasse umschaut, findet 10 statt 15 Euro für Leder-Flip-Flops dennoch verlockend genug. "Wenn es mit dem Sommer nichts mehr wird, zieh' ich sie eben nächstes Jahr an", meint die schön Gebräunte, die gerade zwei Wochen Sizilien bei bis zu 42 Grad im Schatten hinter sich hat. Aushilfe Zumia, die von der Sonneninsel stammt ("Da weiß man gar nicht, wie Regen geschrieben wird"), hat im Juli bereits etliche Paar Herbst-Stiefeletten an die Frau gebracht. "Die schwarzen hier sind sogar schon ausverkauft."

Gibt es sonst noch Ware, für deren Absatz Schlechtwetter förderlich ist? Regenschirme, klar. Auch Wohnaccessoires? "Leider nein", sagt Kirsten Kleindienst vom "Depot" im Sass am Markt: "Wir leben ja auch von der Laufkundschaft. Und davon gibt's bei Regen weniger." Auch hier stehen viele rote Prozentwürfel herum. Gartenmöbel gibt's für die Hälfte, Strandlaken für rund zwei Drittel des Originalpreises.

Mehr Kundschaft als normalerweise im Hochsommer hat hingegen Bernd Teitscheid von "Tee Gschwendner" gegenüber. "Zurzeit greifen auch Gelegenheits-Teetrinker zum Tee, für die das sonst in die dunkle Jahreszeit gehört", vermutet der Tee-Experte. Saisonale Mischungen wie der "Sommernachtstraum" gingen ebenso wie der klassische Friesentee. "Bei diesem ungemütlichen Wetter würden wir vermutlich sogar unseren ,Herbsttee Karl-Heinz' verkaufen. Aber den gibt's traditionell erst ab September."

(RP/rl)