Langenfeld: Sammler fachsimpeln über Spielzeug

Langenfeld: Sammler fachsimpeln über Spielzeug

Zum heutigen Weltspieletag ein Blick in die Liebhaber-Szene: In der Langenfelder Stadthalle wird regelmäßig gehandelt.

In erwachsenen Männern steckt oft ein kleiner Junge, und der wird an Orten wie dem Adler-Spielzeugmarkt wieder lebendig. Der Markt findet regelmäßig in der Langenfelder Stadthalle statt. Zum letzten kamen 21 Händler von nah und fern gekommen, aus Langenfeld und Monheim, aber auch aus Dortmund und sogar aus Süddeutschland, um an langen Tischreihen ihre Waren anzubieten. Das Angebot reichte von Plastikautos für die Modelleisenbahn für einen Euro das Stück bis zu wertvollen Sammlerobjekten, die mehrere tausend Euro kosten, von Blechspielzeug aus dem Kaiserreich bis zu fast neuem Modellbahnzubehör von 2014.

Norbert Wierzoch aus Langenfeld bietet Modellbahn-Artikel, Modellautos und Plastikbausätze für Gebäude an, "alles für Spur H0". Seine Modelle sind seit Ende der 1970er Jahre gefertigt worden. Einen kleinen, dunkelgrünen Werkstattwagen der Bundesbahn gibt es schon für 15 Euro, die großen Waggons kosten 30 oder 37 Euro, und die Drehscheibe ist für 245 Euro zu haben, der Bausatz einer Tankstelle mit Autowaschanlage für 27 Euro.

Nicht jeder in der Stadthalle mag seinen Namen nennen. "Sie müssen das verstehen: Bei mir ist schon viermal eingebrochen worden", sagt ein Händler am Nachbarstand, der nicht einmal verraten will, aus welcher Region er kommt. Ebenso hält es der Anbieter gegenüber; bei ihm findet man unter anderem ein Modell der ersten Motorkutsche von Daimler, Maßstab 1:8, für 250 Euro sowie eine Holzvitrine mit vier Corgi-Modellen, etwa 1968 bis 1975 gefertigt für zusammen 100 Euro. Ein paar Meter weiter bietet ein Händler aus dem Rhein-Sieg-Kreis zwei Dampfmaschinen, um 1910 oder 1920 gefertigt, ein Bahnhofsgebäude aus Blech für 25 Euro, aber auch funktionstüchtige Blechloks mit großem Schlüssel zum Aufziehen eines Federwerks an. Die Waren sind gut erhalten, der Lack intakt, alles blank geputzt wie für die Vitrine.

Mitten drin stehen Besucher und fachsimpeln. Man trifft Bekannte: Sammler sind eine gut vernetzte Gemeinschaft, in der man sich gern austauscht und berät. Harald Nawroth aus Langenfeld sammelt seit etwa 1972. Sein Sammelgebiet umfasst Modelleisenbahnen der Spur N und Blechautos, aber auch Schiffsmodelle, die er selbst bastelt. Seit eineinhalb Jahren baut er aus Holz die HMS Victory (Nelsons Flaggschiff) nach, die allmählich fertig wird.

Zu den jüngeren Besuchern zählen Ralf Kuppa und sein 13-jähriger Sohn. Sie sind aus Krefeld gekommen und suchen etwas für die heimische Modelleisenbahn. Frauen sieht man an diesem Vormittag selten. Für Hans-Georg Fray ein Grund, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Als Vorsitzender und Jugendwart der 1959 gegründeten Modell-Eisenbahn Freunde (MEF) Wuppertal verkauft er an seinem Stand gespendete Modelle; der Erlös fließt in die Jugendarbeit. "Wir haben 14 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren im Verein, davon ein Mädchen", sagt er stolz und fügt hinzu: "Zwei der Jugendlichen können auch geschichtlich arbeiten." Heute träumen eben nicht mehr alle Jungen von einer Modelleisenbahn, aber eines wird auf dem Langenfelder Spielzeugmarkt klar: Modelle haben weiter ihre Fans.

(dgn)
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