Langenfeld: Sängerin mit Faible fürs Kabarett

Langenfeld : Sängerin mit Faible fürs Kabarett

Britta von Anklang wurde schon in jungen Jahren von ihrem Vater musikalisch gefördert.

Britta von Anklang steht an ihrem Flügel in ihrem Haus in Hitdorf und setzt zu dem Lied "Der kleine, grüne Kaktus" an. Mit dem Konzertpianisten Oliver Drechsel aus Monheim tritt die Mezzosopranistin seit Jahren in ganz Deutschland und auch im Ausland auf. "Britta ist ein Energiebündel und total unkompliziert. Die Pointen für ihre komischen Gesangspassagen müssen genau sitzen, deshalb lässt sie nicht locker", sagt Drechsel.

Britta von Anklang mag es weich, aber manchmal auch gerne etwas stachelig. Deshalb kombiniert die Künstlerin in ihrer derzeitigen Gesangsshow "Ich & mein kleiner, grüner Kaktus" Lieder, die zum Träumen einladen, zusammen mit bekanntem A-Capella-Gesang, den sie textlich verändert hat. "Ich liebe die Comedian Harmonists, aber mit meinem eigenen Text gefällt mir das Lied noch besser", sagt die 49-jährige Künstlerin.

Von Anklang liebt die Perfektion. Die Sängerin kann nicht ohne anspruchsvollen Gesang, das zeigt sie auch mit ihrem Künstlernamen. "Britta Kungney wurde nicht nur in der Presse immer wieder falsch geschrieben, deshalb musste ein anderer Name her", sagt sie. Ihr asiatischer Vater liebte die klassische Musik. Er erkannte schon früh das Talent seiner älteren Tochter Britta und förderte es. "Weil ich schon als Vierjährige die Kindergartentante in Grund und Boden geträllert habe, schickte mich mein Vater mit sechs Jahren in den Düsseldorfer Mädchenchor.

Die nahmen mich als jüngstes Mitglied auf." Fortan sang sie sich durch alle Opern, in denen Kinder mitsingen durften. Nach ihrem Austauschjahr in den USA mit 17 Jahren fasste sie den Entschluss, ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf zu machen. Die Amerikaner an der Highschool waren von der jungen, gesangsstarken Schülerin aus Germany angetan. "Deshalb förderten sie mein Talent", so von Anklang. Nach ihrem Abitur studierte sie Gesang und Klavier an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf.

Es folgten Engagements an Opernhäusern im In- und Ausland. "Bizets Carmen ist eine meiner Lieblingsrollen, sie passt prima zu mir". Weil sie ein Faible für das Unterrichten hat, absolvierte sie ergänzend ein Diplom in Gesangspädagogik. "Ich habe ein echtes Helfersyndrom: Wenn jemand etwas nicht versteht oder lernen möchte, dann bin ich in meinem Element", sagt die Sängerin mit den blitzenden, braunen Augen.

Ehrensache, dass sie sich jederzeit auch für ihre Gesangsschüler einsetzt. "Britta hat mir spontan bei meinem Lied geholfen, das ich für einen Wettbewerb brauchte. Das war wirklich sehr nett", sagt Lotta Dewenter. Auch während der Proben für das Musical Robin Hood, das die Musikschule der Stadt Langenfeld Anfang Juni aufführt, zeigt sie vollen Einsatz. Wenn es keine Probenräume gibt, dann übt sie die Songs mit den Solisten auch schon mal bis spätabends bei sich zu Hause ein.

Ihren Einsatz schätzt auch ihr Kollege, Regisseur Sándor Pergel. "Wir ergänzen uns sehr gut und haben großen Respekt voreinander, weil wir beide einen hohen professionellen Anspruch haben. Allerdings haben wir auch unsere eigenen Sichtweisen, und da können wir schon einmal etwas länger diskutieren. Das Endprodukt wird aber immer gut", bestätigt Sándor Pergel, der auch schon vor zwei Jahren mit der Sängerin das Musical "Atlantis" zusammen inszenierte.

"Ich arbeite mit Herz, Hirn und Humor, bin aber manchmal nicht vom diplomatischen Dienst", lacht Britta von Anklang. Manchmal ist sie auch "einfach mal weg". Dann verschwindet die Sängerin für mehrere Wochen auf ein Kreuzfahrtschiff. Dort chillt sie aber nicht nur auf dem Sonnendeck, sondern probt mit Oliver Drechsel das Abendprogramm. Und wenn die brünette, schlanke Mezzosopranistin mal nicht in der Musikschule oder in einem glitzernden Abendkleid auf der Bühne steht, dann arbeitet sie an ihrer Karriere als politische Kabarettistin.

"Man muss sich als freischaffende Künstlerin immer wieder neu erfinden. Kabarett ist ebenfalls meine Leidenschaft", erklärt sie. Zurzeit ist sie im Gespräch mit dem Kabarettisten Andreas Breiing aus Münster. "Da würde ein großer Wunsch in Erfüllung gehen", sagt von Anklang.

(vg)
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