Langenfeld: Rumänisch lernen, tanzen und essen

Langenfeld : Rumänisch lernen, tanzen und essen

Gar nicht so schwierig finden die Teilnehmer den VHS-Sprachkursus "Rumänisch – Einsteigerseminar für den Urlaub". Die Leiterin legt dabei Wert auf den Blick über die Sprache hinaus: "Rumänien bedeutet Farbe!"

Gar nicht so schwierig finden die Teilnehmer den VHS-Sprachkursus "Rumänisch — Einsteigerseminar für den Urlaub". Die Leiterin legt dabei Wert auf den Blick über die Sprache hinaus: "Rumänien bedeutet Farbe!"

Samstagmorgen im Kulturzentrum: Gerade geht die vierte von insgesamt zwölf Veranstaltungen zu Ende. "Nächste Woche machen wir Personalpronomen", sagt Adriana Löffler-Rus. Die 13 Teilnehmer ihres Rumänisch-Kurses klauben da schon die vor ihnen ausgebreiteten Zettel in Mappen zusammen. Eine Bücherliste macht die Runde, Löffler-Rus legt zum Ausklang rumänischen Pop auf. Petra Aldea schnippt mit. Die Mutter von zwei Kindern ist mit einem Rumänen verheiratet. Da wolle sie die Sprache lernen: "Wir fahren schließlich jedes Jahr dorthin."

Aldea ist nicht die Einzige, die über die Liebe zur rumänischen Sprache gekommen ist. Auch Matthias Berns ist es leid, nichts zu verstehen. Er ist mit Löffler-Rus liiert. Kürzlich seien sie gemeinsam in einem rumänischen Lokal gewesen: "Ein toller Abend. Ich habe halt nur nicht viel verstanden."

Neben der Partnerschaft können etwa der Beruf oder auch soziales Engagement eine Triebfeder für den Willen, Rumänisch zu lernen, sein. Wobei Löffler-Rus sich nicht allein auf die Sprache konzentriert, sondern ihre Aufgabe durchaus breitgefächerter begreift. Als Rumänin wolle sie natürlich auch Kultur und Mentalität ihrer Heimat vermitteln, sagt sie.

"Wir werden tanzen und essen und trinken — Rumänien, das bedeutet Farbe und Lebensfreude!" Mit ihrem Kursus hat die charismatische blonde Frau eine echte Lücke gefüllt. Peter Vander, der sich sozial in Rumänien engagiert, hat jahrzehntelang nach einer Möglichkeit gesucht, die Sprache zu erlernen. Allein: Es habe keine entsprechenden Angebote gegeben. Auch Gerald Jaster, der regelmäßig rumänische Zeitarbeiter bei sich daheim aufnimmt, ist dankbar für die Handreichungen, die er bekommt. "Ziel ist, dass ich am Ende Konversation betreiben kann."

Darüber hinaus, so Löffler-Rus, wolle sie das Interesse an Land und Leuten wecken. Was ihr ziemlich gut zu gelingen scheint. Jedenfalls zeichnet sich der Kursus durch Einsatz und eine herzliche Atmosphäre aus. "Heute haben wir beschlossen, uns zu duzen", erzählt die Leiterin. Eine kurseigene Online-Lernplattform ist bereits abrufbar. "Wir sind halt fortschrittlich", sagt Berns lachend. Seine Lebensgefährtin hat derweil schon die nächste Nische im Blick. Sie verstehe nicht, weshalb im Grunde allen Einwandererkindern muttersprachlicher Unterricht geboten werde — außer den rumänischen. Deshalb will sie künftig auch einen Kinderkursus anbieten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass rumänischen Eltern daran nicht gelegen ist."

Ihre eigene Tochter Alyssa (12), so Löffler-Rus weiter, spreche selbstverständlich Rumänisch. "Und sie trägt mit Stolz die traditionellen Kleider." Aldea findet, es sei an der Zeit, dass das Stichwort Rumänien andere Assoziationen als Securitate und Zigeuner auslöse. Dass an die landschaftliche Vielfalt von Gebirge bis Küste, an die kulturelle und intellektuelle DNA, wie sie etwa Herta Müller repräsentiere, gedacht werde. "Und daran", setzt Berns hinzu, "dass Steaua Bukarest kürzlich Chelsea geputzt hat."

(maxl)
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