Analyse: RRX-Halt - der Zug scheint abgefahren

Analyse : RRX-Halt - der Zug scheint abgefahren

Der Schnellzug soll nicht in Langenfeld halten. Die Vorentscheidung hierzu wurde an der Stadt vorbei getroffen.

Ab etwa 2025 soll der schnelle Regionalzug Rhein-Ruhr-Express (RRX) im 15-Minuten-Takt unter anderem die Großstädte Köln, Düsseldorf und Dortmund miteinander verbinden. Die geplante Strecke führt über Langenfelder Gebiet, doch ein Haltepunkt ist dort nicht vorgesehen. Vor dem morgigen Erörterungstermin in der Hubertushalle mit Bahnvertretern und 69 Langenfeldern, die schriftlich Kritik an den im vergangenen Jahr ausgelegten Plänen geübt hatten, greift Bürgermeister Frank Schneider die Deutsche Bahn AG an und wirft ihr eine "Verweigerungshaltung" vor.

Mit diesem Pauschalvorwurf macht Schneider seinem Ärger Luft, dass seine mit Bürgermeister-Briefkopf versehene Forderung nach einem künftigen RRX-Halt in Langenfeld offensichtlich nicht zum Zuge kommt. Weniger noch: Auf seine in der Vergangenheit an Bund, Land und Bahn gerichteten Schreiben hat Schneider nach eigenen Angaben teils keine Antwort, teils aus Textbausteinen zusammengesetzte Allgemeinplätze erhalten. Und das, obwohl der von städtischen Planern unterbreitete Vorschlag durchaus diskussionswürdig erscheint: nämlich jeweils eine Linie an den Bahnhöfen Langenfeld, Düsseldorf-Benrath, Leverkusen-Mitte und Köln-Mühlheim halten zu lassen, so dass Langenfeld und die anderen drei Bahnhöfe eine regionale Anbindung im Stundentakt erhielten.

Schon 2008 hatten die damaligen Bürgermeister von Langenfeld und Monheim, Magnus Staehler und Dr. Thomas Dünchheim, im Sinne der insgesamt rund 100 000 Einwohner beider Städte einen RRX-Halt gefordert. Bei zusammen mehr als 36 000 Arbeitsplätzen sowie einem sehr hohen Anteil täglicher Berufspendler sei dieser von zentraler Bedeutung. So argumentieren auch Schneider und sein Monheimer Amtskollege Daniel Zimmermann.

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Seinen gegen die Deutsche Bahn AG erhobenen Vorwurf einer Verweigerungshaltung begründet Schneider mit der jüngsten Abfuhr: Im für den Langenfelder Streckenabschnitt laufenden Planfeststellungsverfahren habe die Bahn den städtischen Vorschlag eines RRX-Halts "ohne weitere Prüfung" mit dem Hinweis abgebügelt, dass keine Möglichkeit für weitere Stationen im RRX-Konzept bestehe. Ansonsten wäre die Förderung des milliardenschweren Gesamtprojektes durch den Bund massiv gefährdet.

Dass sich die RRX-Verantwortlichen bei den angeblich abschließend festgezurrten Haltepunkten auf ein zur Bundesverkehrswegeplanung erstelltes Gutachten aus dem Jahr 2006 beziehen, erscheint zumindest fragwürdig. Nicht nur, weil manche Annahmen acht Jahre später so nicht mehr zutreffen. Sondern auch, weil jenes Gutachten seinerzeit ohne jegliche Beteiligung der Stadt Langenfeld erstellt worden war. Wenn schon nicht damals, dann wäre spätestens jetzt höchste Eisenbahn, auf die Anregungen angemessen einzugehen und sich nicht hinter Sachzwängen zu verstecken.

Daher unternimmt Schneider im Planfeststellungsverfahren für den Langenfelder Abschnitt des RRX, bei dem es vornehmlich um den Bau eines vierten Gleises in Richtung Leverkusen und einen verbesserten Lärmschutz geht, nun einen womöglich letzten Versuch, doch noch einen Haltepunkt herauszuholen. Andernfalls wäre der Zug in dieser Hinsicht wohl abgefahren. Der Bürgermeister verweist dabei auf eine im vergangenen Jahr auf Initiative der Stadt Düsseldorf von der Bahn erstellte Studie zur Machbarkeit eines RRX-Haltes in Benrath.

In dieser Studie aus 2013 seien zentrale Basisannahmen des genannten Bundesgutachtens von 2006 widerlegt worden, so dass ein Stopp in Benrath als baulich und betriebstechnisch möglich erscheine und wirtschaftlich geprüft werde. "Nichts anderes fordert die Stadt Langenfeld für den vorgeschlagenen RRX-Haltepunkt am Bahnhof Katzberg", meint Schneider und spricht von einem offensichtlichen "Messen nach zweierlei Maß seitens der Bahn". Falls nötig, müsse zur Prüfung auf Langenfelder Gebiet das Planfeststellungsverfahren eben unterbrochen werden.

Gesetzt den Fall, ein RRX-Halt in Langenfeld wäre möglich, müsste dazu an den für ihn vorgesehenen Ferngleisen ein Bahnsteig errichtet werden. Nach Ansicht des ehemaligen Langenfelder FDP-Stadtpolitikers Günter Striewe könnte sich bei diesem Thema ein Versäumnis der 1980er-Jahre rächen. "Langenfeld hat es damals verpasst, sich um eine dauerhafte Anbindung ans Fern-Bahnnetz zu bemühen. Man war zufrieden mit dem S-Bahn-Anschluss und hatte die Bedeutung des regionalen Bahnverkehrs über die Hauptgleise für Bürger aus Langenfeld und Umgebung nicht zur Kenntnis genommen."

(RP)