Langenfeld: Robin Hood muss Küssen lernen

Langenfeld : Robin Hood muss Küssen lernen

Etwa 60 Mitwirkende proben in Langenfeld für die Premiere des Musikschul-Musicals "Robin Hood".

Ein Lagerfeuer flackert auf der Bühne. Es duftet nach Holz, frisch aufgebrühtem Kaffee und Leim. Thomas Greiner als Robin Hood beugt sich zu seiner Lady Marian, gespielt von Bianca Muzyczka (26), hinunter und küsst sie. "Stopp, diese Szene bitte wiederholen. Der Kuss muss überzeugender rüberkommen", sagt Regisseur Sándor Pergel. Die übrigen Sänger und Schauspieler des Musicals sitzen in der Aula der Johann-Gutenberg-Realschule und schmunzeln.

"An dieser Stelle hängen wir irgendwie immer fest. Das Küssen müssen wir wirklich noch ein bisschen üben", sagt Hauptdarsteller Thomas Greiner (48). Der Sänger spielt zum zweiten Mal die Hauptrolle in einem Musical der Musikschule Langenfeld. Schon 2012 hatte der Düsseldorfer Tenor in "Atlantis" die Hauptrolle gesungen. Mit dabei sind wieder bekannte Gesichter aus der letzten Produktion. Heike Lammersen und Sylvia Hall singen und spielen die Königin Isabelle, Chris Platte gibt den Sheriff, und Anna-Maria Firiss und Bianca Muzyczka teilen sich die Rolle der Lady Marian. Aber es sind auch etliche neue Darsteller aus Langenfeld, Monheim, Hilden und Düsseldorf hinzugekommen, die noch nie auf einer großen Bühne standen.

Seit neun Monaten proben die Darsteller im Alter von zehn bis 70 fast jedes Wochenende. "Wir haben viele Rohdiamanten gefunden, und ich habe meine Traumbesetzung für Robin Hood. Jeder einzelne ist hier wichtig. Die Gemeinschaft und das große Engagement der Gruppe beeindrucken mich sehr", sagt Regisseur Sándor Pergel. Im August haben er und seine Kollegin, die Sängerin Britta von Anklang, die etwa 60 Mitwirkenden gecastet. Von Anklang ist Gesangslehrerin an der Musikschule Langenfeld und leitet als Vocalcoach, wie auch schon für "Atlantis", das Gesangstraining der Solisten und des Chors. "Beim Casting gab es wirklich die eine oder andere Überraschung. Ein Grundschulehepaar kam zu uns. Die beiden sind ein großer Gewinn, weil sie nicht nur toll singen und spielen, sondern auch großen Teamgeist zeigen", sagt von Anklang.

Die Monheimerin Sabrina Neff erfuhr durch Zufall von dem Musical und ging spontan mit ihrem Baby auf dem Arm zum Casting. "Ich habe früher mal in einer Band gesungen und es ohne Vorbereitung probiert. Ich dachte, die werden mir mit meiner Figur vielleicht eher die Rolle von Bruder Tuck geben", sagt die 32-Jährige lachend. Jetzt singt und spielt sie die Amme Amelia. Das Musical bietet auch jungen Menschen interessante Chancen. Juliane Kasel darf als Regieassistentin jeden Samstag ehrenamtlich mitmachen. Die 18-Jährige schreibt jede Änderung des Regisseurs mit und sagt Chor, Solisten und Tänzern, wann sie auf die Bühne gehen müssen. "Das ist eine tolle Chance, weil ich später in dem Bereich auch etwas machen möchte", sagt die Bettine-von-Arnim-Gesamtschülerin.

In der Zwischenzeit räumt Andreas Hall mit einem Kollegen das Lagerfeuer für die Massenszene von der Bühne. Der leidenschaftliche Bass-Bariton, der mit seiner Frau Sylvia Hall auch im Extrachor der Düsseldorfer Oper singt, ist als Bruder Tuck mit Leib und Seele dabei. Zuhause baute er in seiner Heimwerkstatt das täuschend echt wirkende Lagerfeuer. "Das Feuerholz stammt aus unserem Garten. Um es verarbeiten zu können, lag es wochenlang in unserer Sauna und im Wohnzimmer zum Trocknen", sagt der Sänger. Während die Räuber mit Regisseur Pergel ihre Kampfszene durchgehen, hört man lautes Gelächter hinter den Kulissen. Die beiden Marians, Anna-Maria Firiss und Bianca Muzyczka, üben mit Robin Hood noch mal die Kussszene. "Ich hätte nie gedacht, dass ich zum Knutschen noch Nachhilfe brauche", sagt Thomas Greiner.

(vg)
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