Langenfeld: Reusrather zeigen viel Einsatz für den Bürgertreff

Langenfeld : Reusrather zeigen viel Einsatz für den Bürgertreff

Ein Förderverein betreibt seit zehn Jahren das Gemeindehaus. Es sollte 2003 wegen Geldmangels geschlossen werden.

Oben schwirren die Mosquito-Girls - Mädchen zwischen sieben und elf, im Keller tagt die Pfadfindergruppe Flippers und beide zusammen übergeben an die Squaredancer im großen Saal. Nebenan läuten zur vollen Stunde die Glocken der Johanneskirche. Ein ganz normaler Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus Reusrath? Nicht ganz. Denn was da in der Dunkelheit eines nasskalten Winterabends aus allen Fenstern hell leuchtet, sollte bereits vor zehn Jahren wegen Geldmangels geschlossen werden. Seither betreibt ein Förderverein das Gemeindehaus an der Trompeterstraße, das längst zu einem Bürgerhaus für den Stadtteil geworden ist. Ein Erfolgsmodell in Zeiten klammer Kirchenkassen?

Es ehrt Pfarrer Christof Bleckmann und den Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Peter Porschewski, dass sie nicht gleich "Ja!" rufen. Sondern sich erst einmal anschauen. "Wir hatten hier in Reusrath eine besondere Konstellation - im Jahr 2003", sagt Bleckmann. "Es waren genug Menschen da, die mitmachen wollten", ergänzt Porschewski, der sein Amt von Werner Hoffmanns übernommen hat. In den vergangen zehn Förderverein-Jahren sind mehr als 350 000 Euro investiert worden in das Haus, das Reusrath so dringend braucht. Im großen Saal des Erdgeschosses gibt es jetzt eine Trennwand, ein neues Parkett, die Rollstuhlrampe runter zum Jugendkeller. Daneben sind die ganz normalen Betriebskosten zu zahlen. Gas, Strom, Wasser für 8000 bis 10 000 Euro pro Jahr, die auch erst einmal zusammenkommen müssen. So ein 50 Jahre altes Gemeindehaus ist kein Objekt für Naiv-Spontanbegeisterte.

Erhalten haben die Reusrather ihr Gemeindehaus mit einem Dreiklang. 380 Mitglieder bilden den Förderverein. Im Schnitt zahlen sie 36 Euro pro Jahr an Mitgliedsbeitrag. Macht in der Theorie 13 680 Euro, wenn tatsächlich alle pünktlich überweisen - also gerade mal kaum mehr als die nackten Betriebskosten. Hinzu kommen Spenden. Und: An annähernd 20 Tagen pro Jahr ist das Gemeindehaus vermietet. Für einen Geburtstag, eine goldene Hochzeit, das Fest der Bosnier oder eine türkische Verlobungsfeier. Denkverbote oder Ressentiments gibt es dabei nicht, sondern Offenheit.

Hinzu gekommen ist im Jahr 2014 der eine oder andere Betrag von alten Reusratherinnen, die auf Kränze bei ihrer Beerdigung zu Gunsten einer Spende an den Förderverein verzichtet haben. Kein Thema, das man nach vorne stellt, aber auch diese Beträge helfen. Und es bedeutet gleichzeitig eine der Herausforderungen für das Gemeindehaus, das sich seit zehn Jahren selber trägt.

"Wir müssen den Generationenwechsel hinbekommen", sagt Pfarrer Bleckmann. Für die alten Reusrather ist das Gemeindehaus mit seinem Jahresprogramm aus "Reusrath lacht" (vier Mal), Kinderkleiderbörse (zwei Mal), Kunstweihnachtsmarkt (einmal) und all den vielen Gruppenaktivitäten ein Lebensmittelpunkt. Die neu Hinzugezogenen, die jungen Familien müssen erst einmal darauf gebracht werden. Eine Werbekampagne ist in Arbeit. Denn all die Arbeit am Gebäude macht nur Sinn, wenn das Haus mit Leben gefüllt wird. Und deshalb kommen Pfarrer Bleckmann und der Fördervereinsvorsitzende Porschewski mit ihrem Hinweis, man müsse offen und flexibel sein, zum Kern des Reusrather Erfolgs. Natürlich ist das alles kein märchenhaft-konfliktfreier Raum. Aber wenn es Ärger gibt, reden die Beteiligten darüber, haben so bisher noch immer eine Lösung gefunden.

(dne)