Langenfeld: Realschule zwischen Hit und Auslaufmodell

Langenfeld: Realschule zwischen Hit und Auslaufmodell

Die Schullandschaft ist im Wandel. Noch scheint der Fortbestand der Realschule gesichert. "Wenn diese fällt, sind auch die Gymnasien gefährdet", sagt Real-Schulleiter Frank Theis.

Hauptschule, Realschule, Gymnasium — drei Schulformen bildeten ursprünglich das deutsche Bildungssystem. Doch das ändert sich. Mit dem Ende der Felix-Metzmacher-Hauptschule und der schon seit Jahren auslaufenden Käthe-Kollwitz-Schule gibt es in Langenfeld keine Hauptschule mehr. Auch die Johann-Gutenberg-Realschule wird nicht fortgeführt. Stattdessen ist neben der etablierten Bettine-von-Arnim-Gesamtschule bereits seit Sommer dieses Jahres die neue städtische sogenannte "Prisma-Schule" angelaufen. "Die Tendenz geht zur Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems", sagt Frank Theis (49). Der Leiter der Kopernikus-Realschule hat mit den Veränderungen der Schullandschaft zu kämpfen.

"Grundsätzlich", sagt er, "hat die Dreigliedrigkeit viele Vorteile. Wir begreifen uns ein bisschen als gallisches Dorf. Und unser Zaubertrank heißt Realschule." Grundsätzlich stehen Frank Theis und "seine" Schule blendend da. Erst in diesem Jahr wurden die eigentlich dreizügigen Eingangsklassen um einen vierten Zug erweitert, die Plätze der begehrten Bläserklasse mussten aufgrund der Nachfrage gelost wer-den. Das Problem sei eher die öf-fentliche Wahrnehmung, sagt Theis.

"Viele glauben, für ihr Kind gebe es nur das Abitur. Das ist natürlich ein fataler Trugschluss." Auch die Zahlen der Schulministerin Sylvia Löhrmann seien irreführend. "Natürlich gehen weniger Kinder auf Haupt- und Realschulen. Aber nur deshalb, weil die alle geschlossen werden." Trotzdem gehen auch an der Kopernikus-Schule 95 Prozent der Schüler nach dem Realschulabschluss ins Abitur oder Fachabitur. Etwa 65 Prozent der Abgänger bekämen den Vermerk für die Oberstufe, 30 Prozent machten Fachabitur. "Abitur steht zwar bei uns nicht dran", fährt der Schulleiter fort, "aber die Mehrzahl unserer Schüler geht dahin. Genau genommen machen wir sogar G9."

  • Wesel : Realschule sieht Gesamtschule in der Pflicht

Die Vorteile einer reinen Realschule gegenüber der neuen "Konkurrenz" lägen auf der Hand, glaubt Theis. "Wir bieten homogene Leistungsgruppen an." Gerade in der Pubertät böten die "Sonderprogramme" der Gesamtschulen für leistungsstärkere Schüler wenig Anreiz. "Die machen dann natürlich lieber die einfachen Sachen." Grundsätzlich sei die Idee des starken, der dem schwachen Schüler hilft, gut. "In der Praxis funktioniert das nur nicht. Das Konzept scheitert, wie die meisten Bildungswege, an der Pubertät." Dazu komme die fast familiäre Atmosphäre an der mit etwa 520 Schülern eher kleinen Realschule. Was viele Eltern nicht wüssten, so Theis, sei, dass die Langenfelder Gesamtschulen alle Grundschüler mit Hauptschulempfehlung aufnehmen müssen. "Wir dagegen sagen klar: Wir wollen keine Hauptschüler."

Obwohl die Stadt den Fortbestand der Kopernikus-Realschule für die "nächsten Jahrzehnte" zugesagt habe, sieht der ehemalige Realschüler Theis eine Grundskepsis gegenüber dem etablierten Schulsystem. "Es geht nicht mehr darum: was ist das Beste fürs Kind, sondern darum: was möchte ich für mein Kind." Auch die Entwicklung hin zur Komplettbetreuung der Jugendlichen sei politisch gewollt. "Es kann nicht sein, dass die Schüler nur zum Essen und Schlafen nach Hause kommen. Deswegen bieten wir möglichst viel Freizeit."

Die Vorteile der Realschule sieht auch Schülersprecher David Felsner (17). Das Konrad-Adenauer-Gymnasium hat er wegen nicht ausreichender Leistung verlassen, jetzt haben sich seine Noten deutlich verbessert. "Hier geht es wirklich persönlich zu." Die Stellung der Realschule sieht Theis (noch) nicht gefährdet. Gute Realschulen würden sich auf kurz oder lang immer durchsetzen, sagt er. "Aber: Wenn die Realschule einmal fällt, ist auch das Gymnasium nicht mehr sicher."

(jim)