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Monheim/Düsseldorf: Prozess: Schuss-Opfer schildert seinen Schmerz

Monheim/Düsseldorf : Prozess: Schuss-Opfer schildert seinen Schmerz

Der wegen versuchten Totschlags Angeklagte ist im feinen Anzug erschienen. Regelrecht sympathisch sieht der 47-Jährige aus, als er neben seinen Verteidigern und dem Dolmetscher auf der Anklagebank Platz nimmt. Er will zunächst nichts sagen, kündigt aber an, sich im Laufe des Prozesses vor dem Düsseldorfer Landgericht zu äußern.

Es geht um den 17. Juli 2013. An diesem Tag wurde in Baumberg ein 38-Jähriger durch Schüsse schwer verletzt. Wie der Schütze Mehmet K. so betrieb auch das Opfer einen Laden im Einkaufscenter an der Geschwister-Scholl-Straße, nämlich eine Pizzeria. Obgleich er dafür keine Genehmigung hatte, verkaufte der Pizzabäcker Getränke außer Haus. Seinem Konkurrenten Mehmet K. war dies seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Er befürchtete dadurch Umsatzverluste für seinen Kiosk. Mehrmals war dies bereits Mittelpunkt für Auseinandersetzungen gewesen. Am 17. Juli sollte eigentlich ein Schlichtungsgespräch stattfinden, und zwar vor Ort in der Wohnung des Zeugen M. und in Gegenwart des Zeugen S.

Die vier Männer nahmen an einem Tisch in der Wohnung von M. Platz. Sie redeten zunächst über den Verkauf der Getränke. Die Auseinandersetzung wurde lauter und heftiger. Plötzlich verfielen M. und das Opfer in ihre türkische Muttersprache. M. und S. konnten nicht verstehen, was gesprochen wurde und fragten nach dem Inhalt des Gesprächs. Mehmet K. sagte daraufhin, dass das spätere Opfer seine Mutter beleidigt habe. Der Angeklagte soll dann unvermittelt eine Schusswaffe gezogen und auf seinen Konkurrenten geschossen haben. Der erlitt einen Bauchdurchschuss, konnte sich aber dennoch vom Tisch erheben und über die Diele in die Küche der Wohnung fliehen. "In Tötungsabsicht", so der Staatsanwalt gestern, sei M. seinem Opfer gefolgt und habe weiter auf es geschossen. Eine Kugel traf den 38-Jährigen an der Hand. Schließlich gelang es dem Zeugen M., den Angeklagten von hinten festzuhalten und an weiteren Schüssen zu hindern. Er schob ihn zur Tür. Der Angeklagte verließ darauf die Wohnung und gab seiner Frau Bescheid, die Trinkhalle zu schließen. In seinem Auto floh Mehmet K. nach Bielefeld, um von dort in einen Bus umzusteigen und sich abzusetzen. Er wurde wenige Tage später an der serbisch-kroatischen Grenze gefasst.

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Sein Opfer, das nach der Tat lange im Krankenhaus zubringen musste, sagte zum Prozessauftakt als Zeuge aus. "Die Schmerzen hörten nicht auf", berichtete der 38-Jährige. Er klagt über ein Taubheitsgefühl im Daumen, außerdem habe er seit der Tat erhebliche Schlafstörungen. M.s Verteidiger bohrte in Details, die die Vernehmungen und die Akteneintragungen nach der Tat betrafen. Der Richter ordnete darauf an, dass das Opfer erstmal eine Pause haben und an einem der nächsten Prozesstage weiter aussagen soll. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

(RP)