Zwei Monheimer angeklagt Prozess gegen Darknet-Dealer gestartet

Düsseldorf/Monheim · Seit Dienstag stehen zwei Monheimer vor dem Düsseldorfer Landgericht, die im Internet mit Kokain gehandelt haben sollen. Ihnen wird zudem Geldwäsche vorgeworfen.

 Prozess am Landgericht: Zwei Monheimern wird BTM-Handel, Geldwäsche und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen.

Prozess am Landgericht: Zwei Monheimern wird BTM-Handel, Geldwäsche und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen.

Foto: Schmidt-Elmendorff, Dorothee

Bei dem seit Dienstag vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelten Verfahren gegen zwei mutmaßliche Monheimer Kokain-Dealer stellte schon die Anklageschrift alle Beteiligten vor große Herausforderungen: Ihre Verlesung dauerte allein eine Stunde, weil der Staatsanwalt alle 239 Transaktionen, die unter dem Tatvorwurf Geldwäsche subsumiert werden, einzeln vortrug. Für die Vorsitzende Richterin ist das Darknet „ein Buch mit sieben Siegeln“. Deshalb hatte sie als Zeugen den Leiter der Ermittlungskommission der Kreisbehörde Mettmann geladen, der das Gericht über die Ermittlungsschritte informierte, die am 18. März zum Zugriff führten.

Eine Verdachtsanzeige des BKA wegen Geldwäsche veranlasste die Ermittler zu einem Monitoring des Darknet. Ein Vendor (Verkäufer) namens „Cheech and Chong“ hatte Gold für Bitcoins angeboten. Die Ermittler richteten daraufhin eine Telefonüberwachung und die GPS-Überwachung des Audi A6 des 33-jährigen Angeklagten ein. Letztere offenbarte, dass dieser nahezu täglich drei Postfilialen aufsuchte. Anhand der E-Mail-Überwachung konnten die Ermittler zudem feststellen, dass der Monheimer in großen Mengen Verpackungsmaterial bestellte.

Im Darknet fanden die Ermittler 13 Plattformen, auf denen der Monheimer als „Cheech and Chong“ auftrat, wobei er durch seinen öffentlichen PGP-Schlüssel eindeutig identifizierbar war. Er wurde über die Betreiberplattform bitcoin.de identifiziert, bei der er mit Face-ID und Personalausweis ein Konto (Wallet) eingerichtet hatte. Weil der Kokainhandel über Kryptowährung lief, wurden die Bitcoins, die die Plattform-Betreiber treuhänderisch von seinen Kunden entgegennahmen, an seine registrierte Wallet ausgekehrt. Diese wiederum war mit einem Konto bei der Fidor Bank AG verknüpft, um die Kryptowährung in Euro übertragen zu können. Die Bank wandte sich im Herbst 2020 wegen des Verdachts der Geldwäsche an die Finanzaufsicht, weil dort innerhalb kurzer Zeit 100.000 Euro auf das Konto eingegangen waren.

Auch die Ermittlungen französischer Behörden und Europols zum Messanger Dienst EncroChat (verschlüsselte Kommunikation) führte die Mettmanner Behörde auf die Spur des Duos. Das BKA ermittelte bereits gegen eine Gruppe in Bremen, die regelmäßig mit einem Monheimer namens „Ray“ kommunizierte, und stellte den Mettmanner Ermittlern den verschriftlichen Chatverlauf zur Verfügung.

Da die Inhalte auf einen BTM-Handel hindeuten, nahmen die Ermittler die Telefon- und GPS- und Innenraum-Überwachung auf und konnten drei Fahrten des 33-Jährigen nach Bremen nachweisen. Bei abgehörten Gesprächen ging es etwa um den Gestank, der das Abkochen des Kokain mit Ammoniak verursacht, so der Beamte. Einen Tag nach der ersten Bremen-Fahrt am 8. November 2020 wurde auf einer der Plattformen die neue Kokain-Lieferung und ihr hoher Reinheitsgrad angekündigt. Nach der dritten Fahrt gab es Kundenbeschwerden: 37 Sendungen waren liegengeblieben, weil die Post nicht hinterherkam, entnahmen die Ermittler den Gesprächen. Der coronabedingt starke Onlinehandel vor Weihnachten lähmte auch die illegalen Geschäfte.

Für die Auflösung dieses „riesigen Puzzles“, so die Richterin, sind noch viele Verhandlungstage angesetzt.