Langenfeld: Protest gegen Unterrichtsausfall

Langenfeld: Protest gegen Unterrichtsausfall

Die Immigrather Erich-Kästner-Grundschule wartet seit Wochen auf Ersatz für zunächst einen, dann sogar zwei dauerhaft erkrankte Lehrer. Die empörten Eltern sprechen von "unhaltbaren Zuständen".

Die Eltern der Erich-Kästner-Grundschule am Fahlerweg sind aufgebracht. Weil zwei der insgesamt zehn Lehrer langfristig erkrankt sind, fallen derzeit pro Klasse bis zu sechs Stunden regulärer Unterricht aus.

"Ein normaler Stundenplan ist nicht mehr gewährleistet", schreiben sie in einem offenen Brief an Schulministerin Barbara Sommer (CDU) über die "unhaltbaren Zustände". "Was ist mit den schönen Versprechen unserer Politiker, dass mehr für Bildung getan werden muss? Gilt das nicht für Grundschulen? Was ist mit dem Grundrecht auf Bildung?", fragen sie empört.

"Eine Kollegin ist seit dem 2. Februar krank, ein Kollege seit dem 2. März", beschreibt Schulleiterin Marie-Luise Münch-Rippel die missliche Lage. Durch den Ausfall der beiden Vollzeit-Kräfte fielen 56 Wochenstunden weg. 14 davon würden derzeit von Lehrern der benachbarten Christopherus-Schule übernommen.

"Aber das reicht natürlich lange nicht", seufzt die Rektorin und nennt weitere Maßnahmen, um den Unterrichtsausfall für die 160 Kästner-Schüler zumindest formal in Grenzen zu halten: "Wir können eine Klasse aufteilen und die Schüler auf zwei andere verteilen. Oder ein Lehrer unterrichtet zwei Klassen gleichzeitig." Aber beides sei nur bei kurzfristigen Lücken praktikabel. "Als ich 1973 anfing, hatte ich eine Klasse mit 38 Schülern. Doch das ist bei den heutigen Kindern nur noch ausnahmsweise möglich", sagt die Pädagogin.

Wie sich die Erkrankung von einem Fünftel des Lehrerkollegiums im Schulalltag auswirkt, schildert Julia Rettkowski, Mutter der zehnjährigen Lilly: "Sport fällt dauernd aus, Religion und Kunst immer wieder. Und bei den Hauptfächern weiß man nie, was als nächstes dran ist — es gibt zur Zeit praktisch keinen richtigen Stundenplan mehr. Dabei will Lilly im Sommer aufs Gymnasium. Hoffentlich gibt das kein böses Erwachen!" Zudem könne die Schule keine verlässliche Betreuung mehr bieten: "Mittwochs zum Beispiel fängt die Schule jetzt erst um 10 statt um 8 Uhr an. Für Eltern, die vormittags beide berufstätig sind, ist das ein echtes Problem!"

  • Kommentar : "Besonderer Engpass"

"Lehrer-Pool ist ausgeschöpft"

Und der sogenannte "Lehrer-Pool" mit Ersatzkräften — bietet der keine Abhilfe? "Normalerweise schon", winkt der zuständige Mettmanner Schulamtsdirektor Erhard Steinbrink ab: "Derzeit aber haben wir kreisweit einen Vertretungsbedarf, der unsere Möglichkeiten übersteigt". So viele Ausfälle wie aktuell habe er zuletzt in den 80er Jahren erlebt.

"Die Überhänge an den einzelnen Schulen, die vorübergehende Abordnungen an andere Einrichtungen ermöglichen, sind komplett abgebaut; sämtliche Pool-Kräfte sind langfristig gebucht; die Geldmittel 2010 für die Mehrarbeit von Teilzeitkräften sind jetzt schon fast alle ausgegeben", ächzt der Schulrat. Ausfallzahlen nennt er nicht, aber die Gründe: Neben ungewöhnlich vielen langfristigen Erkrankungen schlägt die Unvereinbarkeit von Schwangerschaft und Lehrerberuf ins Kontor, nämlich dann, wenn bestimmte Infektionskrankheiten wie Masern oder Schweinegrippe in einer Schule auftauchen und die schwangere Lehrerin deshalb zum Schutz des Ungeborenen zu Hause bleiben muss. "Da die Grundschule eine ,Frauenschule' ist und in den vergangenen Jahren viele junge Lehrerinnen eingestellt wurden, ist der mutterschaftlich bedingte Ausfall erheblich", betont Steinbrink.

Für die Eltern der Erich-Kästner-Schule sind solche Erklärungen kein Trost. Immerhin aber stellt der Schulrat eine Besserung für die Zeit nach den Osterferien in Aussicht: "Die Bezirksregierung hat am Montag 20 zusätzliche Lehrerstellen für den Kreis Mettmann freigegeben."

(RP)