Langenfeld: Promoviert auchfür die Praxis

Langenfeld : Promoviert auchfür die Praxis

Stefan Heinemann, Pfarrer an der Lukaskirche in Richrath, hat gestern in Bonn den Doktortitel verliehen bekommen. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität bewertete seine Dissertation mit der Höchstnote "Summa cum laude". Mit dem 34-Jährigen sprach RP-Redakteur Thomas Gutmann.

Chapeau, Herr Doktor! Ihre Diss trägt den Titel "Interkulturalität. Überlegungen zu einer aktuellen Herausforderung kirchlichen und diakonischen Handelns". Was hat Sie veranlasst, sich sechs Jahre mit diesem Thema wissenschaftlich zu beschäftigen?

Heinemann Es ist gewissermaßen ein Lebensthema von mir. Ich beschäftige mich damit seit rund 15 Jahren intensiv, und dies nicht nur theoretisch. So habe ich nach dem Abitur ein Freiwilligenjahr für die Vereinte Evangelische Mission auf den Philippinen absolviert und dort unterschiedliche Konfessionskulturen und entsprechende interkulturelle Konflikte kennengelernt.

Konfessionskulturen?

Heinemann So nenne ich die Art, wie der – in diesem Fall – christliche Glaube gelebt wird, und die ist von Land zu Land oft sehr verschieden. Die kirchliche Glaubenskultur der evangelischen Kirche auf den Philippinen etwa ist stark von der Befreiungstheologie geprägt, von der Solidarität mit den Massen verarmter Menschen dort.

Klingt nach einem geografisch abseitigen Thema. Betrifft es auch uns in Deutschland?

Heinemann Stärker, als viele glauben. In der Einwanderungsdebatte geht es meistens um Muslime. Dabei wird oft übersehen, dass mehr als die Hälfte der Migranten Christen sind. Und die bringen ihre eigene Konfessionskultur mit nach Deutschland. Ob Orthodoxe, Koreaner oder Schwarzafrikaner – die Gläubigen der Migrationskirchen haben vielerorts ein lebendiges Gemeindeleben entwickelt.

Sie verhelfen uns da gerade zu einem Perspektivwechsel. Schlägt sich dieser auch in der Gemeindearbeit in Richrath nieder?

Heinemann Ja, und zwar ganz konkret im Rahmen eines "Süd-Nord-Programms": Ab nächsten März – so ist es geplant – wird ein internationaler Freiwilliger aus Asien oder Afrika für ein Jahr in unserer Gemeinde tätig sein und sicher manches aus der Konfessionskultur seiner Heimat mitbringen, das wir so nicht kennen, das aber unseren Gemeindealltag ungemein bereichern kann.

(RP)
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