Monheim: Profis beraten Jugendliche in der Moschee

Monheim : Profis beraten Jugendliche in der Moschee

Zwei Institutionen gehen in Monheim gemeinsam auf junge Leute zu und helfen ihnen, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen zu finden.

Jugendliche mit Tagesfreizeit, ohne Job, ohne Ausbildung? An ihnen mag der SPD-Landtagsabgeordnete Jens Geyer nicht mehr achtlos vorübergehen. Deshalb hat er das Projekt "Eine Chance für die Zukunft junger Menschen gestartet". Das fängt mit dem Kennenlernen an. Auf der einen Seite: Das "Beratungstandem"; das sind die Mitarbeiter der Arbeitsagentur und die Sozialpädagogen des Jugendamtes und der Jugendberatung. Auf der anderen Seite: die Jugendlichen, ihre Freunde, Geschwister und Eltern. "Wir wollen nicht länger darauf warten, dass sie zu uns kommen", sagt der Chef der Mettmanner Arbeitsagentur, Marcus Kowalczyk. Seine Stimme hallt ungewohnt. Denn die Lautsprecheranlage ist bereits für das Freitagsgebet eingestellt.

Kowalczyk steht auf dem Gebetsteppich der Osman Gazi Moschee in der Niederstraße. Wie der Sportverein "Inter Monheim" soll die Moschee ein "Bindeglied" sein. "Es geht darum, die Jugendlichen mit unseren Angeboten zu erreichen, sie für eine Ausbildung oder einen weiterführenden Schulabschluss zu gewinnen." Die Moschee fungiert dabei außerhalb aller Amtsstuben als ein Treffpunkt, an dem man erste Informationen austauschen kann.

Das funktioniert zum Beispiel bei Sami Ay und Mustafa Bayran. Die beiden jungen Männer sind 16 Jahre alt und lernen derzeit in Hilden für ihr Fachabitur. "Danach möchte ich etwas Kaufmännisches machen", sagt Sami. Genauer weiß er es noch nicht. Beraterin Sanaz Lodin von der Mettmanner Arbeitsagentur gibt ihm und seinem Freund einen ersten Überblick über mögliche Ausbildungsberufe und lädt sie zum Abschluss zu einem ersten Gespräch ein: "Dann können wir tiefer einsteigen und schauen, was für Euch in Frage kommt." Namen und Telefonnummern werden ausgetauscht.

Der Anfang ist gemacht. Und genau darum geht es. "Wir gehen davon aus, dass es eine unbekannte Zahl von Jugendlichen aller Nationalitäten gibt, die einfach aus dem Blickwinkel der Institutionen verschwinden", erläutert Arbeitsagentur-Chef Kowalczyk. Das könne selbst dann passieren, wenn die Schule mit guten Noten abgeschlossen wurde. "Manchmal besteht einfach der Traum, dass man leicht und schnell viel Geld verdient." Das Projekt will helfen, solche Irrwege entweder zu vermeiden oder zu korrigieren. Wenn es sein muss, kann dies auch nach Jahren des Herumhängens gelingen. Insgeheim sei dabei ohnehin die Einsicht gereift - einzig ein Anknüpfungspunkt fehlt.

So wie gestern in der Osman Gazi Moschee. Im nächsten Gespräch antwortet Beraterin Lodin einem Vater. Sein Sohn sei 13 Jahre alt, sagt er, und besuche eine Gesamtschule. "Wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich um die Zukunft zu kümmern?" Die klare Antwort der Expertin: "Spätestens im nächsten Jahr solltet ihr mit der Orientierung über die möglichen Berufe beginnen."

Derweil hat sich Ibrahim Tunca (17) beim Kollegen von Lodin gemeldet. Er träumt davon, bei der Polizei zu beginnen und möchte wissen, was bei der Aufnahmeprüfung auf ihn zukommt. Diese Prüfung heißt mittlerweile "Assessment-Center". Nach einem Überblick darüber, fragt der Berater: "Hast Du mal überlegt, was Du machst, wenn das nicht klappen sollte?" Ibrahim schüttelt den Kopf - und wird eingeladen zu einem Beratungsgespräch. Solche kleine Schritte werden dieses Projekt groß machen.

(dne)
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