Baumberg: Prinz zieht erstmals auf Wagen mit

Baumberg : Prinz zieht erstmals auf Wagen mit

Am Sonntag zogen die Baumberger Narren durch den alten Ortskern: Hexen, Vampire und Schnecken konnten endlich ihre Kostüme präsentieren – und auf einen Preis hoffen. Prinz Jörn I. mischte sich nicht, wie seine Vorgänger, unters Volk, sondern erklomm den neuen Prinzenwagen.

Am Sonntag zogen die Baumberger Narren durch den alten Ortskern: Hexen, Vampire und Schnecken konnten endlich ihre Kostüme präsentieren — und auf einen Preis hoffen. Prinz Jörn I. mischte sich nicht, wie seine Vorgänger, unters Volk, sondern erklomm den neuen Prinzenwagen.

"Die Sonne scheint, wie es sich für Baumberg gehört", freut sich Zugführer Peter Spiekermann, erster Vorsitzender des Arbeitskreises Baumberger Karneval (ABK), der am Tulpensonntag traditionell den Boomberger Veedelszoch ausrichtet. Tatsächlich ist bei den fast frühlingshaften Temperaturen die Zugroute gesäumt von Tieren, Cowboys, Clowns und was die Kostümausstatter sonst für die Baumberger Jecken bereithalten. Musik schallt an jeder Ecke aus großen Boxen und die Kostümierten singen mit oder üben ihre "Helau"-Rufe.

Um 11.11 Uhr stehen alle parat, um die fünfte Jahreszeit zu feiern. Als die ersten Wagen anrollen, drängen sich die Kinder nach vorne an die Bordsteinkanten und halten ihre Taschen hoch, um damit das süße Wurfmaterial zu fangen. Blutwurst als Wurfmaterial Ab jetzt sind also Fangfertigkeit und Schnelligkeit gefragt, sonst schnappt sich ein anderer die fliegenden Bonbons. "Kamelle", schallt es aus der Menge und die ersten Bällchen, Pralinen und "Strüssje" fliegen von den Wagen und Fußgruppen in Richtung der ausgestreckten Hände.

Wer besonderes oder auch zweifelhaftes Glück hat, fängt eine "Flönz", die für das Rheinland so typische Blutwurst. Bei 48 Gruppen aus Baumberg, Monheim und Langenfeld, mit Säcken voller Kamelle, dürfte keine Tasche leer bleiben. In wochenlanger Handarbeit haben die Garden, Vereine und Schulen ihre Kostüme präpariert. Sogar bis spät am Samstagabend werden letzte Stiche genäht oder Blumen, Sterne und andere Attribute angesteckt.

Am Karnevalssonntag zieren dann riesige Schneckenhäuser die Rücken der "Ahl Prummeköpp" oder schwingen die Hexen und Zauberer der "Unternehmungslustigen" ihre Zauberstäbe und Besen. Ihren schaurigen Eindruck büßen die Vampire und Dämonen, die eine Burg aus Pappmaché mit vier Türmen bevölkern, nur dadurch ein, dass sie fröhlich Kamelle in die engen Gassen werfen.

Von seinem Podest aus, an der Ecke Humboldtstraße und Hauptstraße, kann Manfred Bertrams das karnevalistische Treiben überblicken. Seine Aufzeichnungen mit der Videokamera sind die Grundlage zur Prämierung der schönsten Kostüme und Wagen im März. "Alle Gruppen engagieren sich stark und das bei einem unheimlichen Kostenaufwand", sagt er. Allein das Wurfmaterial koste circa 1000 Euro und die Beschaffung der Wagen sei in einem kleinen Ort wie Baumberg schwierig. Nur dank Spenden, Sponsoren und dem Einsatz der Mitglieder sei das Spektakel überhaupt in diesem Maße realisierbar.

Besonders stolz sei man daher, einen Prinzenwagen präsentieren zu können, von dem aus das Prinzenpaar in vollem Ornat bewundert werden könne. In Hitdorf habe man sich auf Anfrage des ABK bereiterklärt, den Wagen zu stellen. Dieser Aufwand wäre in den vergangenen Jahren allerdings umsonst gewesen, da das Prinzenpaar am Karnevalssonntag traditionell die Mundartmesse in der St.-Gereon-Kirche besuchte und daher nicht am Zug teilnehmen konnte.

Während der Zug in vollem Gange war, mischte sich das Paar — sehr volksnah — unter die feiernden Narren, traditionell "An d'r Schlupps Hött". Da der diesjährige Prinz aber ein waschechter Baumberger Jong sei, wollte er unbedingt auf dem neuen Prinzenwagen mitfahren und die Jecken von dort begrüßen. Probleme oder Schlägereien habe es bisher nie gegeben, betont Bertrams. "Hier kennt fast jeder jeden. Man passt aufeinander auf", so der Baumberger.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gut gelaunte Jecken beim Zug in Baumberg

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