Langenfeld: Postalia: Hausverbot für Traditionspaar

Langenfeld : Postalia: Hausverbot für Traditionspaar

Vereinschef Jochen Roeder untersagte Claudia und Norbert Graffweg den Zugang zur Prunksitzung, weil sie sich in in ihrer Uniform öffentlich an die Seite der Bürgerbegehren-Initiative "Rettet die Felix-Metzmacher-Schule" gestellt hatten.

"Trari, trara, Postalia..." — so klang es gestern Abend fröhlich bei der närrischen Prunksitzung des gleichnamigen Heimatvereins im Carl-Becker-Saal. Doch abseits der Heiterkeit brodelt es hinter den Kulissen. Postalia-Chef Jochen Roeder hatte nämlich dem Langenfelder Traditionspaar Hausverbot erteilt, weil es sich in seiner historischen Postuniform öffentlich an die Seite der Bürgerbegehren-Initiative "Rettet die Felix-Metzmacher-Schule" (RdF) gestellt hatte.

Dieses Verhalten verstoße "gegen jeglichen Anstand" und sei eine "grobe Vereinsschädigung", wetterte Roeder in einem an mehrere Adressaten gerichteten Schreiben, das der RP vorliegt. Die als Langenfelder Traditionsfiguren Postillion und Christel von der Post amtierenden Eheleute Claudia und Norbert Graffweg hätten "die Postalia in großen Misskredit gebracht". Auf Anfrage der RP gab sich Roeder wortkarg: Er wolle "nicht ins Fettnäpfchen treten" und daher den Vorgang "nicht an die große Glocke hängen".

Stein des Anstoßes war dem Vernehmen nach ein Foto in der Neuen Rhein-Zeitung, auf dem die Graffwegs in Uniform am RdF-Stand vermeintlich die Liste gegen den Abriss des 100 Jahre alten Metzmacher-Schulhauses unterschreiben. "Dabei war dem gar nicht so", sagte Norbert Graffweg gestern der RP. Er habe mit seiner Frau am vergangenen Samstag etwas in der Stadtgalerie erledigt und sei zufällig am RdF-Stand vorbeigekommen. "Da war gerade der Pressefotograf dort und bat uns, für ein Bild so zu tun, als ob wir unterschreiben. Ich habe nicht groß nachgedacht und das auf dem Foto dann so angedeutet — was sicherlich eine Dummheit von mir war." Doch mit der Wucht der Reaktion hatte das ehrenamtlich die Stadt Langenfeld repräsentierende Traditionspaar nicht gerechnet. "Ich finde es sehr bedauerlich, dass der Postalia-Vorsitzende so reagiert."

Das befand auf Anfrage der RP auch RdF-Mitinitiator und Altbürgermeister Friedhelm Görgens. "Ich kann das kaum glauben. Was ist denn daran verwerflich, dass sich ein Traditionspaar für den Erhalt eines Traditionsgebäudes einsetzt? Es macht mich fassungslos, dass so etwas sanktioniert wird." Görgens hat den Eindruck, dass aus dem Rathaus heraus Druck ausgeübt wird, um das Bürgerbegehren gegen den Abriss des Metzmacher-Schulhauses scheitern zu lassen. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass Gastwirte und Einzelhändler bedrängt worden seien, die RdF-Listen nicht bei sich auszulegen.

Das Hausverbot für den Carl-Becker-Saal hat nur Roeder unterzeichnet. Indes verwahrte sich der Vereinsvorsitzende gegen den Eindruck, eigenmächtig gehandelt zu haben. "Das haben wir intern vereinbart", sprach er gegenüber der RP im Plural, ohne weitere Entscheidungsträger zu benennen. Nicht weiter führte gestern ein Anruf bei Postalia-Präsident Jochen Buff, der im Langenfelder Rathaus das Standesamt leitet: "Kein Kommentar! Ich halte mich da raus." In seinem Schreiben wies Roeder darauf hin, dass der Heimatverein "keinerlei politische Interessen verfolgt" und dass er deshalb durch das Verhalten des Traditionspaars "stark beschädigt" sei.

Altbürgermeister Görgens schüttelt den Kopf: "Dieses Bürgerbegehren ist doch keine politische Positionierung, sondern eine freie Meinungsäußerung." Anders als in früheren Zeiten muss das Traditionspaar übrigens nicht unbedingt der Postalia angehören. Das tun auch die Graffwegs nicht — oder besser: nicht mehr. Sie traten im vergangenen Jahr aus dem Heimatverein aus; so wie 18 weitere Mitglieder.

(RP/rl)