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Langenfeld/Mettmann: Polizei sucht 900 Vermisste pro Jahr

Langenfeld/Mettmann : Polizei sucht 900 Vermisste pro Jahr

Zu den Personen, die vorübergehend verschwunden sind, gehören viele Demenzkranke, die verwirrt umherirren.

Rund 900 Menschen werden im Jahr im Kreis Mettmann als vermisst gemeldet. "Meistens tauchen sie nach ein paar Stunden wieder auf", sagt Polizeioberrat Reiner Schiffer, zuständig bei der Kreispolizeibehörde für diese Fälle. Oft melden sich Angehörige oder Mitarbeiter von Altenheimen und Krankenhäusern per Notruf bei der Polizei. Allerdings nicht immer schnell genug. Es kann wertvolle Zeit vergehen.

"Wir unterscheiden, ob ein Kind, ein Jugendlicher, ein Erwachsener, ein kranker oder dementer Mensch als vermisst gemeldet wird", sagt Schiffer. "Bei Kindern wird die Lage als ,hoch' eingestuft". Was in der Polizeisprache soviel bedeutet wie: Das große Besteck wird ausgepackt. Zunächst fahren die Polizisten zur Wohnung des vermissten Kindes. "Wir durchsuchen das gesamte Haus. Ich habe schon einmal erlebt, dass sich das Kind im Küchenschrank versteckt hatte", sagt Schiffer. Gleichzeitig ermitteln die Beamten intensiv im Wohnumfeld und fragen nach Orten , wo sich das Kind gerne aufhält (beispielsweise Spielplätzen) oder nach Freuden, mit denen es spielt. Regionale Fahndungen laufen parallel.

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"Wenn der Verdacht einer Straftat besteht, dann werden in wenigen Minuten starke Kräfte alarmiert, die sich auf die Suche machen", sagt der Polizeioberrat. Auch der Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera kommt zum Einsatz. Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DRK und andere Rettungsorganisationen werden je nach Lage alarmiert. "Wir haben eigene Spürhunde, so genannte Mantrailer, die die Fährte aufnehmen. Aber auch Hunde, die bei Erdbeben Verschüttete suchen, können wir dazu holen." Ein Fall, an den sich Schiffer erinnert, war die Suche nach einem Mädchen in Neviges, das der Täter misshandelt und schwer verletzt in einen Kanalschacht geworfen hatte. Ein Hund fand das Kind; es wurde gerettet.

Bei Suizid-Absichten wird die Polizei ebenfalls sehr schnell tätig. "Wenn ein Abschiedsbrief vorliegt, müssen wir sofort handeln." Nicht immer schafft es die Polizei, den verzweifelten Menschen zu retten. So erhängte sich ein 13-jähriger Junge in Velbert. Die Polizei fand ihn erst Stunden später. Zugenommen haben die Fälle von vermissten Menschen, die an Demenz leiden. Ein Hubschrauber der Polizei kreiste im Mai 2008 über der Langenfelder City. Die Besatzung suchte eine an Alzheimer erkrankte Seniorin (81), die von ihren Angehörigen in Langfort als vermisst gemeldet worden war. Die orientierungslose Frau wurde bald darauf von einer Streife an der Karlstraße entdeckt. "Bei Demenzkranken muss man immer von einer erhöhten Gefährdung und Gefahr für Leib und Leben ausgehen", sagt der Beamte.

Bei Jugendlichen, die als vermisst gemeldet werden, untersucht die Polizei das soziale Umfeld. Gab es Streit in der Familie, Stress mit der Freundin oder Probleme in der Schule? In Langenfeld suchte die Polizei 2009 nach einer damals 16-Jährigen. Sie war nicht nach Hause gekommen, so dass ihre Eltern sie zur Fahndung ausschreiben ließen. Die Polizei griff die Jugendliche zwei Wochen später auf. "Bei Erwachsenen sind wir defensiver", sagt Schiffer. Da gibt es den Ehemann, der drei Tage einfach mal abtaucht und sich entspannt. Oder der einen Kurzurlaub macht und seine Frau nicht davon unterrichtet hat.

(RP/ac)