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Langenfeld/Monheim: Polizei: Offensive gegen Fahrraddiebstahl

Langenfeld/Monheim : Polizei: Offensive gegen Fahrraddiebstahl

Vor Bädern und Schulen haben Langfinger "Hochsaison". In Langenfeld und Monheim wird besonders viel gestohlen.

Aufstellung der Viertklässler zur Generalprobe für die Radfahrprüfung auf dem Schulhof der Grundschule Götscher Weg: Hier ist das Schutzblech locker, dort fehlt ein Speichenreflektor, da wiederum ist der Dynamo nicht richtig angebracht. Polizeihauptkommissar Diethelm Kuger schaut genau hin. "Insgesamt kann man mit der Quote hier aber zufrieden sein", sagt der Bezirksbeamte: "Bei der Mehrheit der Fahrräder gibt es nichts zu beanstanden." Mindestens genauso zufrieden macht Kuger an diesem Vormittag im Richrather Norden, dass auch seine Kollegen von der Kriminalprävention nebenan gut zu tun haben: Mehrere Stunden lang gravieren sie in ein Fahrrad nach dem anderen eine Identifikationsnummer ein. Sogar etliche Eltern nehmen die Gelegenheit wahr, ihr Fahrrad zur Abschreckung von Langfingern "codieren" zu lassen. Schulhof-Aktionen wie diese sind ein Baustein im Programm der Kreispolizei, mit dem sie die Zahl der Fahrraddiebstähle eindämmen will.

Ein anderer Baustein ist die Überprüfung abgestellter Fahrräder. Wie sind sie abgeschlossen? Ist das Schloss für geübte Diebe eine Lachnummer oder Herausforderung? Räder, die bei dem Sichttest der Polizei durchfallen, erhalten einen Anhänger, der den Eigentümer auf seine Nachlässigkeit hinweist. Dass die Beamten sich bei derlei Aktionen überwiegend auf den Südkreis konzentrieren, ist kein Zufall: Die Flachlandtiroler vom "Neanderland" fahren - topografiebedingt - nun mal mehr Rad, entsprechend wird mehr gestohlen als im Niederbergischen. "In Velbert zum Beispiel haben viele Leute erst gar kein Fahrrad", weiß Uwe Kohfeldt , Leiter der Abteilung Kriminalprävention. So wurden in der 83 000-Einwohner-Stadt voriges Jahr gerade mal 73 Fahrraddiebstähle angezeigt. In Monheim, etwa halb so groß wie die Nordstadt, waren es 246. Mehr wurden lediglich in - die große Ausnahme im Nordkreis - Ratingen (301), Hilden (392) und Langenfeld (393) registriert.

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Und auch der Trend veranlasst die Polizei, besonders in Langenfeld und Monheim mehr gegen den Fahrradklau zu tun. Während die Fallzahl in den anderen beiden Delikt-Hochburgen gegenüber 2012 sank (Hilden minus 12,3 Prozent, Ratingen minus 5,0), stagnierte sie in Langenfeld auf hohem Niveau (plus 0,5 Prozent). Monheim verzeichnet sogar eine satte Zunahme um 28,8 Prozent.

Bei den Tätern sind laut Kohfeldt zwei Hauptgruppen zu unterscheiden: Diejenigen, die "keinen Bock haben zu laufen" und deshalb aufs nächstbeste Fahrrad mit leicht zu knackendem Schloss umsteigen, und die Profis. "Die laufen mit dem Bolzenschneider herum oder kommen gleich mit dem Kleintransporter, um die Beute einzuladen." Erst Anfang Juni wurde gegen solche einen Raddieb vor dem Langenfelder Amtsgericht verhandelt. Dass es sich in der Regel um Auftragsdiebstahl handelt, zeigt der Fall eines Rumänen aus Monheim: Der 36-Jährige hatte mehrere nachweislich gestohlene Fahrräder für jeweils 15 bis maximal 60 Euro gekauft. Ihr tatsächlicher Einzelwert: 500 bis 1500 Euro. Vom Amtsgericht Düsseldorf wurde der Mann wegen gemeinschaftlicher Hehlerei zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt - ein Urteil, das das Landgericht kürzlich bestätigte.

Hilft die Codierung gegen solche Täter? "Sie hindert den Dieb nicht an der Tat, aber die Gravur mit Aufkleber wirkt abschreckend. Wie ein Auto-Kennzeichen erlaubt die Ziffernfolge, ein Fahrrad dem Eigentümer zuzuordnen. Ein Dieb kann bei Kontrolle überführt werden", sagt Kohfeldt. Um so mehr erfreut ihn die Resonanz auf die Codieraktionen an Grundschulen: "An einer Hildener Schule haben wir unlängst gut 150 Fahrräder codiert. Entscheidend ist wohl, dass auch die Eltern dahinterstehen." An weiterführenden Schulen lasse der Zulauf hingegen oft zu wünschen übrig: "Dabei werden deutlich mehr Jugendliche als Kinder Opfer von Raddiebstählen." Nämlich besonders an Schwimmbädern, S- und Busbahnhöfen sowie den Schulen selbst.

Doch auch die Grundschulen sind nicht vor Langfingern gefeit. "Ja, sogar Tretroller wurden hier schon mal gestohlen", erklärt Lehrerin Kathrin Jaron, warum etliche dieser Zweiräder an einem Schulhofzaun der Grundschule Götscher Weg angeschlossen sind. Außerdem lernen Nina, Tim und die anderen Viertklässler wie auch ihre jüngeren Mitschüler auf diese Weise noch vor dem Umstieg aufs Fahrrad: Immer gründlich abschließen!

(RP)