Politiker in Monheim beschließen Gratis-Nahverkehr

Monheim : Rat gibt grünes Licht für Gratis-Nahverkehr

Monheims Politiker beschließen die kostenfreie Busnutzung im VRR-Gebiet 73. Die Entscheidung fällt einstimmig und ohne größere Diskussion.

Monheim hat am Mittwochabend im Stadtrat als eine der wenigen Kommunen in Deutschland einen Gratis-Nahverkehr beschlossen. Die Entscheidung fiel einstimmig. Ab April 2020 wird Busfahren für die Bürger damit kostenfrei. Zur Umsetzung fehlt aber noch die Zustimmung des Verkehrsverbundes.

Werner Goller (SPD) merkte an, ein Antrag auf kostenlose ÖPNV-Nutzung sei von seiner Fraktion bereits im vergangen Jahr im Rahmen der Haushaltsplanberatungen gestellt worden. Und Markus Gronauer (CDU) sagte, die Aktion an sich sei gut, doch glaube er nicht, dass demnächst 1000 Leute mehr in die Busse stiegen als bisher. Um das zu erreichen, müssten die Fahrpläne der Bahnen der Stadt Monheim (BSM) insgesamt mit den S-Bahnen nach Köln und Düsseldorf sowie den anderen Gesellschaften wie Rheinbahn und Wupsi besser abgestimmt werden und flexibler sein.

  Bürgermeister Daniel Zimmermann hofft, dass die Fahrgastzahlen in Monheim nach oben gehen, ist aber vorsichtig. Die kostenfreie Nutzung könne sicher dabei helfen, mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr  zu bewegen.

Monheims Flotte umfasst 47 Busse, die Stadt hat 44.000 Einwohner - damit wäre es das größte Gratis-Konzept in Deutschland. Auch für Fahrten in das benachbarte Langenfeld ist kein Ticket nötig. Der Preis von Tickets nach Düsseldorf halbiert sich.

Die Bürger können den kostenlosen Nahverkehr über den Monheim-Pass und eine noch zu entwickelnde Smartphone-App nutzen, informierte Bürgermeister Zimmermann.  Darauf werde künftig ein elektronisches Ticket für die Preisstufe A1 (61,95 Euro) angeboten. Dieses Ticket besitze alle Eigenschaften des heutigen „Tickets 1000“ Insgesamt bestelle die Stadtverwaltung  45.000 Chipkarten und versende diese im 1. Quartal 2020. Die Karte könne auch für weitere Dienstleistungen verwendet werden.

Derzeit legen die Monheimer einer Umfrage zufolge 55 Prozent ihrer Wegstrecke in Autos, Mopeds oder Motorrädern zurück und nur zehn Prozent fahren mit dem Bus – der Rest geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad. Ob und wie sich das kostenlose Ticket auswirkt, soll wissenschaftlich begleitet werden. Man habe bereits Gespräche mit der RWTH Aachen geführt und wolle in der nächsten Zeit beobachten,  wie sich der öffentliche Nahverkehr im Vergleich zum Auto oder Fahrrad entwickele.

Ob Monheim eine Vorbildfunktion für andere Kommunen hat, ist fraglich. Die Stadt hat eine Sonderrolle: Sie gilt als Steueroase, nirgendwo sonst im Bundesland zahlen Konzerne weniger Gewerbesteuern als hier. Einen Jahresüberschuss von knapp 30 Millionen Euro erwirtschaftete die Stadt zuletzt – bei einem Gesamthaushalt von 400 Millionen Euro.

Etwa 2,5 bis 3,0 Millionen Euro wird Monheim pro Jahr an sein Nahverkehrsunternehmen, die Bahnen der Stadt Monheim (BSM),  zuschießen müssen, um die Einnahmenausfälle zu begleichen. Das wäre  ein Zehntel des jüngsten Jahresüberschusses.

Bereits im März hatte die Stadt Kleinbusse vorgestellt, die ohne Fahrer selbständig fahren können.  Noch in diesem Jahr soll das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Projekt der drei „autonom“ fahrenden und elektrisch betriebenen Busse zwischen Busbahnhof und Kapellenstraße an den Start gehen. Vier Haltestellen wird es dafür in der Monheimer Innenstadt geben. Die Busse fahren mit einem Tempo zwischen 20 und 30 Kilometer pro Stunde und können 12 bis 15 Personen transportieren.

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