Langenfeld: Pleiten: 130 Millionen Euro Schaden

Langenfeld : Pleiten: 130 Millionen Euro Schaden

Die negative Tendenz bei der Gründung neuer Unternehmen setzt sich fort. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht in ihrem Bericht für das bergische Städtedreieck davon aus, dass es bis zum Jahresende in Solingen lediglich 1400 neue Selbstständige gibt, auf der anderen Seite werden 1480 aufgeben. Das entspricht einem Minussaldo von 80, im Jahr 2012 war bereits mit minus 123 ein deutlicher Rückgang an wirtschaftsaktiven Unternehmen festzustellen. "Das Gründungsgeschehen ist eher verhalten", sagt Ole Kirschner, Prokurist bei Creditreform. Das liege besonders auch daran, dass Fachkräfte in "Lohn und Brot stehen und der Arbeitsmarkt noch relativ gut aufgestellt ist".

Neugründungen und Pleiten in der Region Solingen, Remscheid, Leverkusen, aber auch in den Städten Langenfeld, Monheim, Wermelskirchen, Burscheid, Haan, Leichlingen, Hückeswagen und Radevormwald hat Creditreform im ersten Halbjahr unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass es am Jahresende nur 160 Gewerbebetriebe mehr gibt als vor Jahresfrist. Mehr Abmeldungen als neu angemeldete Firmen gibt es neben Solingen noch in Remscheid und Hückeswagen. Dagegen übersteigt die Zahl der Neugründer in den anderen Städten noch die Zahl derjenigen Firmen, die ihr Gewerbe einstellen. In Leverkusen ist beispielsweise ein positiver Saldo von 20 zu verzeichnen, in Wermelskirchen gar von 90.

Während bundesweit vor allem neue Dienstleister wie Pilze aus dem Boden schießen — der Anteil der Neugründungen liegt 67 Prozent — , ist in der Region nur knapp jedes zweite neue Unternehmen ein Dienstleister (48 Prozent). Der Handel (24), das Baugewerbe (15) und die Industrie (13) folgen. Größere Firmenpleiten blieben laut Creditreform-Chef Achim Kirschner im ersten Halbjahr aus. Gleichwohl war gegenüber dem Vorjahreszeitraum insgesamt eine Zunahme zu verzeichnen — um 17 Prozent auf 164. Zusätzlich gab es 659 (Vorjahr 582) sogenannte stille Pleiten. "Hochgerechnet auf das Jahr erwarten wir etwa 1800 Insolvenzen, das ist eine Steigerung von 13 Prozent", sagt Achim Kirschner.

Vor allem kleinere Gewerbebetriebe sind von Pleiten betroffen, besonders in den ersten zwei Jahren nach der Gründung. "Managementfehler, aber auch eine zu dünne Kapitaldecke sind die häufigsten Ursachen dafür, dass es bei einem Betrieb nicht mehr weitergeht", erklärt der Creditreform-Geschäftsführer. Erst nach dem zehnten Jahr der Gründung würden sich die Überlebenschancen deutlich verbessern. Rund 900 Arbeitsplätze sind durch Unternehmenspleiten in der Region im ersten Halbjahr verloren gegangen, auf rund 130 Millionen Euro summieren sich die finanziellen Schäden durch Insolvenzen. Kirschner: "Der größte Teil davon muss sicher ausgebucht werden." Da die Creditreform im weiteren Verlauf des Jahres von weiteren Insolvenzen ausgeht, werden neu gegründete Firmen den Arbeitsplatzverlust wohl unterm Strich nicht ausgleichen können.

(RP)