Monheim: Piratenpartei peilt Rathaus an

Monheim : Piratenpartei peilt Rathaus an

Zehn Mitglieder haben die in der Politik segelnden Internet-Aktivisten in Langenfeld und Monheim. Eines von ihnen ist Volker John. Der Baumberger will mit seiner Partei bei der Kommunalwahl 2014 ein Ratsmandat erringen.

Eine Latzhose trägt Volker John nicht, und er wirkt auch nicht wie ein computerbesessener Sonderling, für den die Welt aus ein paar Quadratzentimetern Touch-screen bestünde. "Wir können ohne Internet, aber wir genießen es mit", sagt der Baumberger. Smartphone und i-Pad sind seine ständigen Begleiter, zu Hause hat er einen Mac Mini mit zwei Bildschirmen.

"Ich unterhalte mich aber auch gern bei einem Bier unter Leuten". "Wir im Internet", damit meint der Mittdreißiger die Piratenpartei, die nach dem Paukenschlag bei der Berlin-Wahl (8,9 Prozent) nun auch im Rheinland zum Entern von Bürgervertretungen trommelt.

"Eintrittswelle nach Berlin"

Zehn Mitglieder zählt die Partei nach eigenen Angaben in Langenfeld und Monheim, "wegen der Eintrittswelle nach Berlin dürften es aber bald mehr werden", frohlockt John. Männlich, 34, "netzaffin", (noch) kinderlos, politisch interessiert, aber kein Stammwähler-Typ — der Chemielaborant von Bayer passt ziemlich genau ins Bild vom bundesdeutschen Durchschnitts-Piraten. Lediglich seine aktive Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr Baumberg fällt aus dem Rahmen der Vorurteile.

Seine Position im politischen Spektrum verortet John bei "linksliberal". Die Grünen, denen er nach eigenem Bekunden noch am ehesten hätte beitreten können, sind ihm "zu grün", andere Parteien nie wirklich für ihn in Frage gekommen. Aber auch gesteigerte Abneigung ist ihm fremd: "Viele meiner Freunde sind CDU-Anhänger — das gibt dann immer lebhafte Diskussionen in der Kneipe."

Eingetreten in die Piratenpartei ist der Baumberger 2009, drei Jahre nach deren Gründung. Damals lief die "Zensursula"-Kampagne der sogenannten Web-Community gegen Pläne der Bundesfamilienministerin von der Leyen, den Zugang zu Kinderpornografie im Internet zu sperren. "Solche Seiten lassen sich binnen Stunden löschen, das ist der bessere Weg", erklärt John die Position von Online-Gemeinde und Piratenpartei: "Wenn der Staat erst mal eine Infrastruktur zur Kontrolle des Internets aufgebaut hat, dann wird er diese auch für etwas anderes nutzen als zum Sperren von Kinderpornos. Dagegen wehren wir uns! Da geht es ums Grundsätzliche!"

John peilt mit seiner Piratenpartei den in seinen Augen entgegengesetzten Kurs an: Der unkomplizierte Zugang zu Informationen, den das Internet bietet, soll politische Entscheidungsprozesse transparenter machen — und damit demokratischer, weil sich die Bürger leichter unmittelbar beteiligen könnten. "Wenn die Leute einfacher Einsicht in Ratsunterlagen nehmen können, dann werden sie sich politisch auch mehr engagieren", glaubt der Baumberger.

Die Piratenpartei selbst sieht sich als Vorbild in Sachen Transparenz und Basisdemokratie. Für den Dilettantismus, der dabei mitunter zutage tritt, erntet sie viel Spott. "Da müssen wir durch", sagt John. "Man muss ja nicht gleich jede Gruppensitzung live übertragen. Die Beratungsergebnisse aber sollten für alle Interessierten möglichst schnell und leicht zugänglich sein."

Rund 300 Monheimer wählten die Piratenpartei zuletzt, bei der Landtagswahl vor anderthalb Jahren. Für einen Sitz im Stadtrat würden diese 1,7 Prozent nicht reichen. John ist jedoch zuversichtlich, dass es 2014, bei ihrer ersten Kommunalwahl, mehr Stimmen sein werden. Sein Ziel sind drei Prozent.

Und was würden die Piraten dann mit diesem einen Mandat anstellen? Wofür stehen sie kommunalpolitisch, außer für mehr internetgestützte Bürgerbeteiligung, für ein "bedingungsloses" Grundeinkommen und Kuriositäten wie Rauschmittelunterricht oder Abschaffung des Zwangs zu geschlechtseindeutigen Vornamen?

"Die Stadt Monheim müsste endlich ernsthaft sparen", antwortet John. Wo? "Überall." Zum Beispiel? "Die Schulen sollten Gratis-Software statt teurer Microsoft-Produkte einsetzen. Das brächte nicht ganz so viel, aber Kleinvieh macht auch Mist." Und das Mona Mare — müsste es auch mitsparen? "Nein, das sollte man sogar noch ausbauen und den früheren Freibad-Bereich mit dem Sprungturm wiederbeleben. Dann hätte das ganze Bad einen höheren Mehrwert."

Mehr zur Piratenpartei unter

www.rp-online.de/langenfeld

(RP)