Monheim: Pfarrer Hoffmann verlässt Monheim

Monheim : Pfarrer Hoffmann verlässt Monheim

Der 70-Jährige hat um seine Entpflichtung gebeten. Künftig wird er als Vikar in einer katholischen Gemeinde in Bonn tätig sein.

 Gestern feierte Pfarrer  Burkhard Hoffmann seinen 70. Geburtstag. Damit wird er auf eigenen Wunsch von seinem Amt als leitender Pfarrer der Gemeinde St. Gereon und St. Dionysius entpflichtet. „Aber ich würde gerne noch etwas tun“, betont er. Deshalb ist er bereits nach Bonn gezogen, wo er quasi in den Schoß der Familie zurückkehrt. In der Gemeinde St. Thomas Morus, wo eine seiner Schwägerinnen engagiert ist, wird er als Vikar tätig werden. „Auch da fehlt es an allen Ecken und Enden – wie überall.“ Am Sonntag wird er im Rahmen des Pfarrfestes verabschiedet. „Ich habe das so gelegt, damit nicht so viele Reden gehalten werden“, bemerkt er schmunzelnd.

Burkhard Hoffmann wuchs in Düsseldorf-Lierenfeld auf. Die Geschichte seiner Berufung ist eng mit einer komplexen Matheaufgabe verquickt. Nein, er hat nicht das Versprechen für ein erfolgreiches Stoßgebet eingelöst, denn Mathe war sein Lieblingsfach, er konnte sich durchaus vorstellen, Lehrer zu werden. Aber er fragte sich, ob er wirklich sein ganzes Leben mit Zahlen verbringen wollte, und nicht doch lieber mit Menschen? Und als er einmal verliebt war und sich auch vorstellen konnte zu heiraten, war für ihn der Weg frei. „Da wusste ich einfach, dass ich nicht krank bin“, sagt er rückblickend, sondern dem Leben und den Menschen zugewandt. Schon in seiner Jugend hat er sich der Integration von Zuwanderern verschrieben. In Lierenfeld gab er türkischen und italienischen Kindern Nachhilfe in Deutsch. Als Diakon in Wipperfürth engagierte er sich für spanische Zuwanderer, organisierte für die Messen Spanisch sprechende Priester. Auf seiner ersten Pfarrerstelle in Weilerswist musste er zwischen den Fremden gegenüber unerfahrenen Bürgern und Flüchtlingen aus dem Kosovo vermitteln. „Da kam sehr aggressive Stimmung auf.“ Kardinal Meissner habe ihm damals bei seiner Visitation den Rücken gestärkt, als  er im Gottesdienst betonte, dass das christliche Menschenbild über alle Nationalitäten hinweg gelte. Und er habe selber dazugelernt:  Durch den interreligiösen Dialog des Monheimer KKV habe er erfahren, wie viele Parallelen es zwischen Christentum und Islam gebe.

Als er vor 16 Jahren nach Monheim versetzt wurde, freute er sich vor allem auf ausgedehnte Spaziergänge am Rhein. Vor Ort fand er ein lebendiges Gemeindeleben vor, einen Kirchenvorstand und einen Pfarrgemeinderat, die sehr selbstständig und mit großer Fachkunde agierten. Dies habe ihn von den administrativen Aufgaben entlastet, so dass er sich mehr der Seelsorge widmen konnte. Sein Amtsantritt sei ausgerechnet mit dem großen Sparprogramm des Erzbistums „Zukunft heute“ zusammengefallen. „Wir mussten die Kindergartengruppen von 14 auf acht reduzieren und Versammlungsfläche zusammenstreichen“, so Hoffmann. Auch die Fusion beider Gemeinden sei aber reibungslos vonstattengegangen, er betrachte das Ergebnis als „Elipse mit zwei Brennpunkten“.

Das Schönste an seinem Beruf seien Trauungen und Taufen, als einen seiner schwersten Momente habe er empfunden, als er mit den überlebenden Geschwistern den Gottesdienst für einen Schüler der Lottenschule ausrichten musste, der bei einem Brand umgekommen war. Am spannendsten war wohl eine Hilfslieferung mit Nahrungsmitteln, die er Anfang der 80er als Sonderseelsorger im Collegium Marianum in Neuss nach Lublin begleitete, während in Polen das Kriegsrecht herrschte: Denn Wachposten bestechen, unzensierte Post und verbotene Literatur herausschmuggeln hatte bis dahin nicht zu seiner Arbeitsplatzbeschreibung gehört.

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