Pest-Ausstellung in Langenfeld jetzt auch für Kinder aufbereitet

Langenfeld : Pest-Ausstellung jetzt auch speziell für Kinder

Der Arbeitskreis Geschichte hat ein Beiheft für Kinder zu der Sonderschau in der Wasserburg Haus Graven herausgegeben und bietet Führungen für Schulklassen an.

„Ich heiße Conrad Gumprecht von Velbrück und bin zehn Jahre alt. Im Jahre 1624, vor fast 400 Jahren, wurde ich hier auf der Wasserburg geboren.“ So beginnt das Beiheft für Kinder, das es jetzt neben dem Ausstellungskatalog für Erwachsene in einer Auflage von 500 Stück gibt. Conrad, erfahren die Kinder weiter, kennt sich rund um Haus Graven super aus und erzählt kindgerecht von der Zeit, als „Der schwarze Tod auf Haus Graven“ wütete. Es war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als Soldaten durch die Lande zogen und die Pest von einem Ort zum anderen trugen. 1634 erreichte die Seuche auch die Wasserburg. Conrads Eltern und acht seiner Geschwister starben daran. Übrig blieben nur seine Schwester Gisela und er.

„Wir werben in weiterführenden Schulen für die Ausstellung. Ich denke, sie ist für Kinder ab der vierten Klasse geeignet“, sagt Ilse Mundt, Mitglied des Langenfelder Arbeitskreises Geschichte. Sie will auch Führungen für junge Besucher anbieten.

Bei Erwachsenen kommt die Pest-Ausstellung gut an. „Obwohl wir nur sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr aufhaben, konnten wir Anfang September bereits die 1000. Besucherin begrüßen. Am Tag des Denkmals hatten wir 700 Gäste im Burghof“ berichtet Ilse Mundt stolz. Sie sagt aber auch: „Wir hatten Hochzeitsfeiern hier, da wollten die Gastgeber, dass wir den Pestarzt verhängen, weil der so gruselig aussehe.“ Der Schrecken, den die Seuche hervorruft, ist offenbar tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Redewendungen wie „Du stinkst wie die Pest“, „Sie verpesten die Luft“ oder „Das breitet sich aus wie die Pest“ zeugen davon.

Der Arbeitskreis Geschichte ist Teil des Vereins „Wasserburg Haus Graven“, der 2009 gegründet wurde. Vereinszweck ist „die Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalschutz durch den Betrieb des Anwesens Wasserburg Haus Graven“. Gemeinsam mit der Stadt Langenfeld macht der Verein seit Mai 2011 die kulturhistorisch bedeutende Wasserburg der Öffentlichkeit zugänglich, organisiert Ausstellungen, Konzerte und Lesungen.

Der Arbeitskreis Geschichte – etwa sechs bis sieben Aktive – hat sich der Aufarbeitung der Historie von Haus Graven verschrieben. Die Mitglieder haben bereits 2014 eine Dauerausstellung zur Geschichte der Wasserburg konzipiert. Deren Anfänge liegen vermutlich im 13. Jahrhundert. Die ursprüngliche Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und bis 1656 in der heutigen Form ohne Herrenhaus neu errichtet.

Seit Mai thematisieren die Hobby-Historiker die Pest in einer Ausstellung und beschränken sich dabei nicht nur auf Haus Graven. Sie erklären auch, wie sich Pestärzte vor Ansteckung zu schützen versuchten, wie sie sie bekämpfen wollten (Aderlässe), wie die Krankheit nach Europa kam und wie sie verbreitet wurde. In dem Beiheft für Kinder steht, dass Mongolen venezianische Kaufleute infizierten, indem sie „ihre Pestleichen mit Katapulten in die Festung des Gegners schossen.“ „Die Venezianer flohen daraufhin mit ihren Schiffen in ihren Heimathafen – die Pest an Bord.“ Und weiter heißt es: „Über die gut ausgebauten Handelswege trugen die Kaufleute die Krankheit in die großen Städte in ganz Europa bis nach England. In nur fünf Jahren war jeder dritte Einwohner gestorben.“ Kindgerecht aufgearbeitet ist auch, dass ein Bakterium die Pest auslöst und dass Antibiotika sie heilen können. Das Beiheft für Kinder ist kostenlos. Ilse Mundt hofft, möglichst viele Kinder durch die Ausstellung führen zu können.