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Langenfeld: Perlenmacherin arbeitet mit 1000 Grad

Langenfeld : Perlenmacherin arbeitet mit 1000 Grad

Die Werkstatt ist nach eigenem Bekunden ein Lebenselixier für sie. "Sitze ich mal eine Woche nicht an meinem Brenner, dann überkommt mich schon die Sehnsucht danach", sagt Karin Höflich, Glaskünstlerin aus Reusrath.

Ihr Arbeitsplatz ist fast 1000 Grad heiß. Wenn Karin Höflich arbeitet, dann fliegen bei ihr auch schon mal kleine Glasscherben. Gerade in den ersten Jahren gab es immer mal ein Brandblase und auch die Arbeitskleidung hatte so manches Loch. Mittlerweile sind diese Zwischenfälle aber überschaubar geworden. Karin Höflichs Materialien sind Quarzsand, Pottasche und verschiedene Metalle, die Sie als bunte Glasstäbe von verschiedenen Glashütten wie Moretti, Reichenbach oder Lauscha bezieht. Daraus macht die 44-jährige Glaskunsthandwerkerin mit einem Brenner in ihrem kleinen Atelier in Reusrath längliche Glasperlen als Griffe für Vorlege- und Essbesteck und bunte Kugeln für Schmuck.

"Ich überlege mir ganz genau, was ich brennen will, deshalb nimmt das Designen und Zusammenstellen der Bestecke mindestens ein Drittel meiner Zeit ein", sagt Höflich. Für ihre Bestecke ist sie mittlerweile in der Glaskunsthandwerkszene sowie bei vielen Kunden bekannt. "Ich mache das aus großer Leidenschaft", betont sie. Dem Werkstoff Glas begegnete sie zum ersten mal mit 14 in einem VHS-Kursus. Das Arbeiten mit Glas wollte sie einfach mal als junge Frau ausprobieren und ist seitdem dabei geblieben. "Ich wusste sofort, dass Glas einfach mein Material ist."

Karin Höflich lebt und arbeitet in einem alten Gesindehaus der Dückeburg in Reusrath. Das liegt idyllisch inmitten eines großen, etwas verwilderten Gartens. Dort findet man auch ihre beiden Windhunde "Orpheus" und "Herr Hoppenstedt". "Die beiden passen hier in der Einsamkeit auf dem Land gut auf mich auf. Sie sind meine Beschützer." Das angrenzende, kleine Fachwerkhaus ist ihre Werkstatt. Hier gibt es ihren Arbeitsplatz und zwei Schulungsplätze für etwaige Kurse.

Die Glasperlenkunst ist ein komplizierter, handwerklicher Prozess. "Jedes Metall steht für eine Farbe. Es gibt 300 verschiedene Farben. Aus Kupfer wird zum Beispiel grün oder türkis und aus Schwefel die Farbe Gelb", erklärt die Kunsthandwerkerin. Auch über das Material Glas muss sie Bescheid wissen. "Es gibt verschiedene Härtegrade, die man nur in einem bestimmtem Verhältnis miteinander mischen kann, sonst können Spannungen entstehen und das Glas bricht. Um das zu verhindern, werden alle Perlen nach der Herstellung über Nacht in einem Temperofen langsam abgekühlt".

Die Reusratherin arbeitet gerne mit Reichenbach- oder Morettiglas, das ist die bekannteste Glashütte auf der Insel Morano in Italien. Mit einer Freundin probierte sie jahrelang verschiedene Farben und Formen aus, bis sie bei ihrer eigenen Kunst landete. Höflich liebt ihr Handwerk, doch alleine leben kann sie davon noch nicht. Deshalb arbeitet sie noch drei Tage pro Woche in ihrem gelernten Job als Ökotrophologin und Altentherapeutin in Leverkusen. Dort leitet sie den Bereich für haushaltsnahe Dienstleistungen in der Sozialstation des gemeinnützigen Vereins Wurzelwerk. "Um nicht sieben Tage alleine in meiner Werkstatt zu sitzen, wollte ich unbedingt noch etwas anderes machen. Das ist die perfekte Mischung für mich", sagt sie. Bekannt wurde die "Rheinische Perlenmacherin", wie sie mit Spitznamen heißt, auch mit ihrer Leidenschaft für gutes Essen. Im letzten Jahr nahm sie sogar an einer Staffel der WDR-Reihe "Land und lecker - wer kocht das beste Landmenü?" teil und teilte sich den 2. Platz mit einer Wirtin aus Brochterbeck.

(vg)