Langenfeld/Monheim: Passanten schimpfen über Schneematsch

Langenfeld/Monheim : Passanten schimpfen über Schneematsch

Gäbe es nicht "so viele nette Leute, die schieben helfen" – Annemarie Backeshoff von der Langenfelder Hauptstraße wäre gestern mit ihrem Rollstuhl auf öffentlichen Wegen steckengeblieben. "

Gäbe es nicht "so viele nette Leute, die schieben helfen" — Annemarie Backeshoff von der Langenfelder Hauptstraße wäre gestern mit ihrem Rollstuhl auf öffentlichen Wegen steckengeblieben. "

In dem fiesen Schneematsch ging es manchmal weder vor noch zurück", ärgert sich die 63-Jährige. Schuld sind in ihren Augen die gar nicht so netten Leute, die ihre Räumpflicht vor der eigenen Haustür vernachlässigen. Und die Stadt Langenfeld: "Richtung Stadthallen-Vorplatz ist die ja wohl zuständig, aber auch da war kein Weiterkommen!"

Nicht einmal die Kaiserstraße

Rolli-Fahrerin Backeshoff steht nicht allein mit ihrer Klage. "Die Stadt Langenfeld baut zwar schöne Brunnen, aber Schnee räumen, das kann sie nicht", meinte etwa gestern Morgen ein älterer Herr, der mit seiner Begleiterin die Karlstraße entlang watete. Und Karl-Heinz Jakobs aus Richrath bemängelte, dass nicht mal die viel passierte Kaiserstraße geräumt war. In der Stadtmitte, wundert er sich, hielten es manche Geschäftsleute nicht für nötig, vor ihrem Laden zu kehren — und würden offenbar auch behördlicherseits nicht dazu angehalten.

"Wir haben mit Mühe und Not die wichtigsten Strecken sowie Krankenhaus und Bushaltestellen freischaufeln können. Sollen wir etwa auch noch von Haus zu Haus gehen und die Eigentümer zum Schüppen auffordern?!", verteidigt Willi Koch vom städtischen Betriebshof die Arbeit seiner Kollegen. Im übrigen seien die Anwohner von Nebenstraßen nach der vor vier Jahren reformierten Straßenreinigungssatzung ("Kehrpflicht gegen Wegfall der Straßenreinigungsgebühr") verpflichtet, neben dem Bürgersteig auch die Fahrbahn vor ihrem Haus schnee- und eisfrei zu halten.

Gleichwohl kritisieren viele Langenfelder, die Stadt sei seit dem brachialen Wintereinbruch am Sonntag ihrer Verkehrssicherungspflicht nur ungenügend nachgekommen. Liegt es vielleicht an zu wenig Personal und Gerät? 50 Mann waren laut Koch an den vergangenen Tagen im Winter-Einsatz, mit Kehr- und Streugefährten, aber nur einem Brummi mit Räumschild für ein rund 300 Kilometer langes Straßennetz. Zum Vergleich: Das etwa nur halb so große Monheim hat nach Angaben von Betriebshof-Chef Gerhard Müchler knapp 40 Leute an der Schneefront — denen unter anderem drei große Räumschild-Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

"So selten wie im Rheinland Schnee fällt, wäre ein weiterer Wagen mit Räumschild betriebswirtschaftlich unsinnig — der rostet sich hier zu Tode", sagt dazu Kollege Koch aus der schuldenfreien Nachbarstadt. "Außerdem: Ungeräumte Wege und Straßen finden Sie diesmal überall." Werner Schmidt aus Monheim kann dies zumindest für die Gänseliesel-Stadt bestätigen: "Selbst Bushaltestellen sind nicht geräumt." So habe eine Haltebucht an der Baumberger Chaussee noch gestern Vormittag nicht richtig angefahren werden können. Ohne seine Hilfe, seufzt Schmidt, hätte eine alte Frau mit Rollator nicht einsteigen können.

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(RP)