Vor 75 Jahren: Osterpredigt bringt Pfarrer ins KZ

Vor 75 Jahren : Osterpredigt bringt Pfarrer ins KZ

Vor 75 Jahren kritisiert Priester Franz Boehm in St. Gereon die NS-Diktatur. Im Konzentrationslager Dachau stirbt er.

75 Jahre sind seit der Ostersonntagspredigt des in der Nazidiktatur unbeugsamen Pfarrers Franz Boehm vergangen. In der Kirche St. Gereon prangert der katholische Geistliche bei einer Erstkommunionfeier im April 1944 NS-Propagandafilme an, die gleich nebenan im Monheimer Lichtspieltheater laufen. Das „moderne Kino“, hadert der Geistliche in seiner Predigt, sei „Schweinefutter für die Seelen der Menschen“. Danach wird der von den Nationalsozialisten um den damaligen Bürgermeister Josef Grütering schon lange als Widerständler eingestufte 64-Jährige verhaftet und verhört. Nach mehreren Wochen im Wuppertaler Polizeigefängnis wird er im August ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Mit der eintätowierten Häftlingsnummer 91577 stirbt er dort am 13. Februar 1945 ausgezehrt an den Folgen einer Gesichtsrose.

Die Osterpredigt war indes nur noch der Auslöser für Boehms Verhaftung nach langer Verfolgung, sagt der pensionierte Gymnasiallehrer und Kirchenarchivar Peter Buter. Der 1934 geborene Monheimer hatte von Boehm einst die erste Heilige Kommunion empfangen und ist Autor zahlreicher Beiträge über das Leben des Priesters – unter anderem einer gemeinsam mit Rudolf Pohlmann 2005 veröffentlichten Monographie. Vor allem mit seiner Christkönigspredigt vom Oktober 1942 habe der Monheimer Pfarrer die braunen Machthaber regelrecht provoziert, sagt Buter. Während die Schlacht um Stalingrad tobte, zitierte Boehm aus christenfeindlichen Propagandaschriften der Nationalsozialisten. Etwa so: „Christus hat seine Königsmacht behauptet gegen alle Verfolgungen, die im Laufe der Jahrhunderte gegen ihn angestiftet wurden. Er wird auch über die Verfolgungen des 20. Jahrhunderts siegen.“ Gemeint waren nach Buters Worten „natürlich die stalinistische und die nationalsozialistische Barbarei“.

1938 hatte Boehm seine Stelle als Pfarrer in Monheim angetreten. Zuvor war er als Pfarrer in Sieglar mehrfach sanktioniert und schließlich aus dem Regierungsbezirk Köln ausgewiesen worden. Auch an St. Gereon fügte er sich den Machthabern nicht. Von Nazi-Spitzeln in den Sonntagsmessen habe sich Boehm nicht einschüchtern lassen, betont der heutige Monheimer Pfarrer Burkhard Hoffmann. „Mit seinem Mut hat er ein Zeichen der Hoffnung gesetzt.“

Vor fünf Jahren wurde in der früheren Taufkapelle von St. Gereon eine Gedenkstätte eröffnet. Und ein kürzlich vom Monheimer Stadtrat einstimmig beschlossenes Denkmal zu Ehren Boehms soll laut Bürgermeister Daniel Zimmermann spätestens in einem Jahr auf dem Kirchplatz stehen.

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