Kreis Mettmann: Ohne Ausbildung zum Facharbeiter

Kreis Mettmann : Ohne Ausbildung zum Facharbeiter

Die "Weiterbildungsinitiative Bergisches Land" qualifiziert Hilfsarbeiter zu Gesellen.

Patrick Scali ist 33 Jahre alt und hat zehn Jahre lang als Hilfskraft gearbeitet. Seit Ende April ist er endlich geprüfter Dachdecker-Geselle, obwohl er nie eine reguläre Ausbildung absolviert hat. Möglich gemacht hat das die "Weiterbildungsinitiative Bergisches Land". Unter dem Motto "Weiterbilden - Weiterkommen!" fördert der Zusammenschluss der Arbeitsagenturen Bergisch Gladbach, Mettmann und Solingen-Wuppertal die Qualifizierung und Prüfung von erfahrenen Hilfsarbeitern. Bei insgesamt rund 630.000 Beschäftigen arbeiten im Bergischen Land über 100.000 Menschen ohne Ausbildung auf Helferniveau (Agenturbezirk Mettmann: 26.758). Obwohl sie oft erfahrene und zuverlässige Kräfte sind, sind sie die ersten, die bei Stellenabbau ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Doch auf der anderen Seite wäre eine höhere Qualifizierung gewünscht.

Der Wirtschaftsstandort Bergisches Land kann nur zukunfts- und wettbewerbsfähig sein, wenn genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Arbeitsagentur spricht außerdem von den Anforderungen einer "Arbeitswelt 4.0", in der durch Automatisierung und Digitalisierung viele Arbeitsplätze in Gefahr seien. Der Fachkräftemangel ergibt sich unter anderem aus der demografischen Entwicklung. In den nächsten zehn Jahren werden von den 630.000 Beschäftigten rund 120.000 aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, während gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger sinken wird. Obwohl immer mehr Jugendliche die Schule mit dem Abitur verlassen, genügen sie immer weniger den Anforderungen der ausbildenden Betriebe. Viele beginnen ein Studium, ohne es beenden zu können, Personal, das dem Handwerk verlorengeht. Deshalb ist die Weiterbildung eine Win-win-Situation für beide Seiten.

"Wir bieten diese Weiterbildung für viele Berufe an", sagt Marcus Kowalczyk, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mettmann. "Die Handwerkskammer hat maßgeschneiderte Angebote und wir stellen dieses Jahr zehn Millionen Euro an Fördermitteln bereit."

(RP)