Langenfeld: Nur Wenige wollen lernen, Leben zu retten

Langenfeld : Nur Wenige wollen lernen, Leben zu retten

Enttäuschung, aber keine Resignation gab es beim bundesweiten Aktionstag des DRK. Nach Langenfeld kamen nur wenige.

Heinz Jaeger kniet vor einem Torso aus Plastik. Die Übungspuppe besteht aus Kopf und Oberkörper. Der Langenfelder legt seine Hände über kreuz auf das Brustbein und drückt mehrmals hintereinander kräftig zu. "Der Druckpunkt stimmt noch nicht", meint Detlef Rahm nach einem Blick auf die Anzeige. Er ist Ausbilder in der Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und gibt seinem gegenüber Hinweise für die richtige Durchführung einer Herzdruckmassage.

Auch Beatmungstechniken und die Anwendung eines automatischen Defibrillators waren am Samstag Thema beim "Aktionstag Erste Hilfe" im DRK-Haus an der Jahnstraße. Die Resonanz war indes gering. Kaum ein Dutzend Besucher verzeichneten die Lebensretter. "Trotz der vielen Werbung im Vorfeld ist kaum jemand gekommen", meint der zweite Vorsitzende Kurt Uellendahl. "Das lässt natürlich zu wünschen übrig, aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen und werden weiterhin Angebote zur Auffrischung der Kenntnisse in erster Hilfe machen."

Immer noch gebe es zu viele unnötige Todesfälle, weil viele Menschen im Ernstfall nicht wissen, wie sie reagieren sollen. "Viele Autofahrer hatten die entsprechende Schulung als sie ihren Führerschein gemacht haben", sagt Uellendahl. Aber das sei oft Jahre oder gar Jahrzehnte her. "Daraus entwickelt sich unter Umständen eine Hemmschwelle. Die Angst, etwas bei der Reanimation falsch zu machen, wächst mit der Unsicherheit." Das beste Mittel dagegen seien praktische Übungen. In diesem Jahr feiert das DRK sein 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund beteiligten sich bundesweit Ortsvereine an dem Aktionstag. Hintergrund ist eine gemeinsame Studie von ADAC und DRK. Die Untersuchung ergab, dass von 100 Autofahrern nur zwölf anhielten, um an einer Unfallstelle Hilfe zu leisten – und davon wusste nur einer, was an lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu tun ist.

"Ein Erste-Hilfe-Kurs im Leben ist einfach zu wenig", betont auch DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters. "Das Gelernte ist in wenigen Jahren vergessen – und man steht im Notfall hilflos da." Zwar trauten sich rund 73 Prozent der Befragten zu, am Unfallort entsprechende Maßnahmen einleiten zu können, aber nur 33 Prozent von ihnen kannten die dafür notwendigen Handgriffe. "Jeder Mensch kann in die Situation geraten, Hilfe leisten zu müssen", unterstreicht Hartmut Schiffer aus der Langenfelder Sektion des DRK.

Das bestätigen auch die Erfahrungen von Heinz Jaeger, der sich unter anderem auch die Funktionsweise des automatischen Defibrillators erklären lässt. Das vor allem als Ausrüstung für Autofahrer gedachte Gerät kommt zum Einsatz, um den Herzmuskel bei Kammerflimmern wieder zum arbeiten zu bringen – und ist "idiotensicher", wie Rahm es umschreibt: "Wer den Anweisungen folgt, kann nichts verkehrt machen. Dazu erklärt das Gerät seine Anwendung selbst. Das ist fast wie bei einem Navigationssystem für Straßen."

Jaeger ist aktiv im Langenfelder Tennis-Club (LTC). Der Verein hat sich erst vor kurzem einen Defibrillator angeschafft, nachdem ein Mitglied beim Spiel einen Herzinfarkt erlitt und verstarb. "Der Fall verfolgt mich bis heute", sagt der 71-Jährige. Dass so wenige Menschen zu dem Aktionstag erschienen sind, kann er nicht verstehen. "Es sind einfache Handgriffe, die Leben retten können."

(dora)
Mehr von RP ONLINE