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Neuer Second-Hand-Laden in Baumberg

Second Hand : Spielzeug und Verrücktes von damals

Jörg Lewin lädt in seinem Second-Hand-Laden „Nichts Neues“ zu Zeitreise und Kauf ein.

Wenn Jörg Lewin seinen Laden im Baumberger Einkaufszentrum betritt, dann taucht der 59-Jährige in die Welt seiner Eltern und Großeltern ein: Dort gibt es Sammeltassen, 1960er-Jahre Goldrand-Services, Kristallkronleuchter, Schleiflackkommoden und Melitta-Kaffeefilter aus Porzellan. Ein paar Meter weiter empfängt ihn seine Kindheit mit Schlumpf-Parade, Lego-Welt, Brettspielen und Matchbox-Autos, ehe er in seiner Jugend-Ecke landet mit Bananenkisten voller Vinyl-Schallplatten von den Lords, den Beatles oder Stones. „Manche sind richtig wertvoll, Sonderpressungen“, sagt er, für die der Sammler bis zu 70 Euro nimmt. „Ich habe alles – Rock, Metal, Country und Klassik.“ Sein Laden am Holzweg 95 heißt absolut passend „Nichts Neues“. 150 Quadratmeter Verkaufsfläche sind voll mit Gestrigem. Zum Erkunden sollte man sich Zeit nehmen. „Der Grundbestand stammt von mir“, sagt Lewin. „Das Übrige bekomme ich von allen Seiten gespendet. Böse Zungen behaupten, ich habe mir den Laden nur angeschafft, um meine eigenen Sachen unterzubringen“, erklärt er grinsend. Ganz falsch sei das nicht. Zu Hause habe man ihm die rote Karte gezeigt. „Da darf nix mehr hin.“

Seit sechs Jahren verkauft Jörg Lewin Lampen, Vasen, Kuchenplatten von anno dazumal, Umhängetaschen, Silber- und Modeschmuck aus den letzten 50 bis 100 Jahren zu Dumping-Preisen. Darüber hinaus CDs, Musikkassetten, LPs, Reise-Bügeleisen, Kaffeemaschinen, Arztromane und Taschenbücher von der Spiegelbestseller-Liste, Comic-Figuren, Weingläser und Bierhumpen und ganz viel gut erhaltenes Kinderspielzeug. Teddys und andere Plüschtiere sowie eine Sigikid-Auswahl stapeln sich in Körben und anderen Behältnissen , alles sehr sauber. „Schrott nehme ich nicht“, versichert der Händler von Gebrauchtwaren. Eine tolle Sammlung aller Lego-Star-Wars-Figuren steht gut geschützt in Plexiglas-Würfeln zur Auswahl. Playmobil-Männchen in allen erdenklichen Varianten und unzählige Schleichtiere füllen die Auslagen. Daneben lockt ein über drei Meter langes Regal voller Brettspiele. „Die sind wieder im Kommen“, sagt der Mann, der den grauen Bart zum Zöpfchen geflochten hat und eine bunte Brille auf der Nase trägt, die fast aus dem Lego-Kasten stammen könnte.

Er kennt sein Angebot, was angesichts der Unmengen Ware fast unmöglich scheint. Nur Klamotten und Möbel nimmt er nicht. Mit einer zauberhaften Ausnahme: Eine 80-jährige Dame strickt ohne Unterlass Jäckchen für Kleinkinder. Hunderte hat Jörg Lewin auf Lager. Wirklich schade, denn 7,50 Euro für diese handgestrickten Wunderwerke sind nahezu nichts. Aller Erlös, sagt der ehemalige Bodenverleger, gehe an das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland in Düsseldorf. „Ich brauche das Geld nicht“, erklärt er fröhlich. Das Leben zwischen den Dingen, an denen so viele Erinnerungen haften, ist ihm genug. Die Kunden auf ihrer Zeitreise durch seinen Second-Hand-Laden zu begleiten, ist ihm eine große Freude.

Lewin ist ein Spielkind im Seniorenalter. Er macht keinen Hehl daraus, dass er zu Hause jeden Tag mit Lego-Steinen baut. „40 Bananen-Kartons voll davon habe ich“, sagt er. Alle Puzzles, die er anbietet, seien kontrolliert, jedes Teilchen durchgezählt, alle vollständig, versichert er. In einem kleinen Reparaturlager bringt er auf Vordermann, was er anbietet.  Es gibt wunderbare Dinge zu entdecken wie eine Märklin-Eisenbahn H0 aus den 1960ern im Originalkarton mit Schienen und fahrfähig, sagt Lewin. Ein Spielzeug-Riesenrad aus Holz steht im Fenster. Es ist unverkäuflich und stammt aus den Auslagen des ehemaligen Spielwaren-Ladens Lütgenau an der Kö in Düsseldorf. Das  Geschäft gibt es schon lange nicht mehr. Das  nostalgische Requisit schon. Stolz weist Lewin auch auf einen prächtigen Hubschrauber hin komplett aus Legosteinen gebaut. „Da nehme ich dann schon 70 Euro für“, sagt der Mann, der sonst nur sehr kleinpreisig verkauft, fast schon verlegen. „Ich habe Dinge, die es sonst nirgends mehr gibt“, erklärt er: „Alte Sturmhauben aus dem Ersten Weltkrieg, die heute allerdings nur noch auf Kinderköpfe passen, weil die Menschen heute zu große Köpfe haben“, erklärt der Trödel-Händler. Er holt eine uralte Krämer-Waage mit Tütenhalter und original Keramik-Auflagen hervor. Dann hält er plötzlich ein eiserenes dunkles Gerät mit drei Haken und einem Teller an einer Kette in der Hand, ein abschließbarer Kleiderhaken mit Uhrablage aus dem Bergbau. So könnte man noch stundelang schauen, staunen und wiedererkennen. Ein Besuch, der sich lohnt.