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Kreis Mettmann: Neuer Glanz für alte Hallen

Kreis Mettmann : Neuer Glanz für alte Hallen

Ob Abfüllanlage, Maschinenfabrik oder eine Schule aus den 70er-Jahren: Verlassene Gebäude finden immer wieder Liebhaber, die sie neuen Zwecken zuführen. Drei Beispiele für nachhaltigen Umgang mit Bauwerken.

Der Erkrather Hauptausschuss hat jetzt den Weg freigemacht für ein ungewöhnliches Bauprojekt, hinter dem nicht große Investoren, sondern ein Erkrather Architekt und weitere kompetente Mitstreiter stehen. Sie haben sich ausgerechnet in ein an der Schmiedestraße vor sich hin dümpelndes Schulgebäude aus den 70er-Jahren verliebt, das sie bis auf die Grundmauern entkernen lassen wollen, um Senioren dort barrierefreies Wohnen zu ermöglichen.

Geplant ist Wohnungsbau auf Genossenschaftsebene mit zwölf großzügigen Einheiten - auf dem aktuellen Stand der Technik, umweltverträglich, energieeffizient, so das Credo der Gruppe "Dependance Hochdahl" um den Architekten Wolfgang Teiwes. Abreißen kann jeder - sich eine neue Nutzung zu überlegen, ist eine Herausforderung, die Wissen, Kreativität und Kontakte erfordert. Im Erkrather Fall hat sie ein prominentes Vorbild: Wie das "Ulmer Stadtregal", eine preisgekrönte Wohn- und Geschäftsanlage in einer ehemaligen Produktionshalle, soll die Schule Schmiedestraße mit Wohneinheiten gefüllt werden. Die einen, etwa die CDU-Vertreter im Erkrather Hauptausschuss, sehen das skeptisch; die anderen freuen sich auf ein Projekt, das sich wohltuend vom Einerlei modernen Mehrfamilien-Wohnungsbaus abheben will und ohne weitere Freiflächen-Versiegelung auskommt.

 Wolfgang Teiwes und Joachim Niehus vor der Erkrather Schule, die ein Wohnhaus werden soll.
Wolfgang Teiwes und Joachim Niehus vor der Erkrather Schule, die ein Wohnhaus werden soll. Foto: dj
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In Monheim soll die alte Abfüllanlage der Firma Shell für 28 Millionen Euro zur Stadthalle umgebaut werden. Die Lage direkt am Rhein und der Charme des Denkmals sind gute Argumente dafür. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Die Fassabfüllhalle wurde 1913 gebaut, als Royal Dutch in Monheim die Schmieröl-Raffinerie "Mineralölwerke Rhenania GmbH" gründete. Sie verarbeiteten Rohöl aus Venezuela und Petroleumrückstände aus Rumänien zu Schmieröl. Die verkaufsfertigen Öle wurden über die Abfüllanlage auf Schiffe, Eisenbahnwaggons, später auf Lkw verladen. Ende 1987 wurde das Werk stillgelegt, aus denkmalpflegerischer Sicht erhaltenswert erschienen damals nur das Verwaltungsgebäude (Eigentümer heute: Mega) ) und die Abfüllhalle (Eigentum der Stadt). "Als Stahlbetonskelettbau war die Halle zu ihrer Bauzeit etwas sehr modernes im Gewerbebau am Niederrhein", sagt Dorothee Heinzelmann vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege. Als Industriegebäude sei die sechsschiffige Halle herausragend. Die bisherige Nutzung als Lagerhalle werde dem Gebäude deshalb nicht gerecht. Bei der Stadt läuft derzeit das Prüfverfahren für den Umbau. Wann dieser beginnen kann, ist offen. "Ich bis selbst gespannt", sagt Michael Lobe, Chef des Gebäudemanagements.

Einkaufen in einer Maschinenfabrik? In Ratingen wird das bald möglich sein. Die ehemalige Ratinger Maschinenfabrik von 1899 an der Homberger Straße wird aber trotz der neuen Nutzung komplett erhalten bleiben. Die Fassade zur Homberger Straße sowie das Dach werden aufwändig saniert. Zwar müssen die Glasfenster im Dach erneuert werden, doch werde das schöne Licht nicht den Supermarkt erhellen, so der Bauherr und Supermarkt-Betreiber Felix Kels.

 Die alte Shell-Abfüllhalle an der Rheinpromenade in Monheim soll zur Stadthalle werden.
Die alte Shell-Abfüllhalle an der Rheinpromenade in Monheim soll zur Stadthalle werden. Foto: Verkehrsbetriebe Monheim

Man verfolge ein Haus-in-Haus-Konzept: Ein komplett neues Fundament wurde verlegt, die Decke wird abgehängt, die Isolierwände in Fertigbauweise eingezogen. An die ehemalige Funktion der alten Fabrik wird später noch eine uralte "Laufkatze" mit manuellem Kran erinnern - eine der Auflagen des Denkmalschutzes. Früher gab es etwa acht bis neun Kräne in der Halle.

Für den Denkmalschutz haben Arbeiter zwei Wochen lang "Steine gekloppt": Mit ihnen wurde ein Eingang zugemauert. Die roten Feldbrandsteine sind damals "handgebacken" worden und höchst unterschiedlich ausgefallen.

(RP)