Langenfeld: Neu eintauchen in die Stadtgeschichte

Langenfeld : Neu eintauchen in die Stadtgeschichte

Nach anderthalbjährigem Umbau wird heute Abend die modernisierte Ausstellung im Freiherr-vom-Stein-Haus eröffnet.

Jetzt, da sie nicht mehr da ist, kann man's ja aussprechen: "Sie war schon recht langweilig", sagt Bürgermeister Frank Schneider und meint die Mitte 2012 geschlossene Dauerausstellung zur Langenfelder Stadtgeschichte. Wenn sie heute Abend an gleicher Stelle im ersten Stock des Freiherr-vom-Stein-Hauses feierlich eröffnet wird, dann bekommen die Besucher deutlich mehr geboten: Wissenschaftlich aufbereitete Informationen werden mit Spezialeffekten unterhaltsam zur Schau gestellt. Wer möchte, kann an einem von vier Computerterminals noch tiefer in die jeweilige Thematik einsteigen. Vor allem aber ist nunmehr eine Geschichtslücke geschlossen. Denn das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus mit der Judenverfolgung war in der vormaligen Ausstellung quasi ausgeklammert.

Museumsleiterin Dr. Hella-Sabrina Lange mit zwei der Figurinen, die Menschen verschiedener Zeitepochen veranschaulichen. Foto: RALPH MATZERATH

Die RP machte sich gestern bei einem Rundgang mit Museumschefin Dr. Hella-Sabrina Lange und weiteren am Umbau Beteiligten ein Bild.

Die Räume Chronologisch durchläuft der Besucher die Vergangenheit. Im Raum 1 geht es um die Anfänge der Siedlungsgeschichte mit Fundstücken aus Langenfeld: etwa urzeitlichen Feuerstein-Beilen oder einer Merkur-Statuette aus der Römerzeit. Auch die Kirchengeschichte hat dort ihren Platz. Weiter geht es zur Postgeschichte (Raum 2), Eisenbahn/Industrialisierung/Krankenhäuser/Schwimmbäder/Erster Weltkrieg und Weimarer Republik (3), Kino (4) sowie Nationalsozialismus und Stadtentwicklung ab 1945. Hinzu kommt der bereits eröffnete Raum mit einer Nachbildung des "genagelten Schädels".

Die Technik Die freiberuflichen Designer Ralph Gellwitzki, Susanne Wittelsbürger und Désirée Astor haben das 295 000 Euro teure Konzept entworfen und gemeinsam mit dem Team des Stadtarchivs umgesetzt. Lange: "An den vier Computerterminals können Besucher selber agieren und auf den Bildschirmen zu einzelnen Epochen oder Themen in die Tiefe gehende Informationen abrufen." Auf einem größeren Terminal im Eingangsbereich erscheinen per Knopfdruck nacheinander 13 Landkarten und Stadtpläne, auf denen Langenfeld und seine Ortsteile in verschiedenen Epochen zu erkennen sind; die älteste Karte zeigt die Besiedlung um 800. Ein Bildschirm mit dreidimensionaler Animation in Überblendtechnik führt in einem virtuellen Spaziergang vor Augen, wie sich Marktplatz, Berliner Platz und Richrather Ortsmitte verändert haben. "Wir haben das in mühevoller Kleinarbeit zusammengebastelt", sagt Gellwitzki. Gleiches gelte für einen weiteren virtuellen Spaziergang durch das Gelände der Rheinischen Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen im Jahr 1903. Und durch einen Sehschlitz guckt der Besucher ins alte Langenfelder Hallenbad der 1920er-Jahre, taucht durch eine dreidimensional eingespiegelte Projektion von Badegästen quasi ins Geschehen ein.

Die Hingucker Weil die Ursprünge Langenfelds an wichtigen überregionalen Straßen liegen, lautet das Motto "Am Anfang war der Weg". Entsprechend der Epochen sind in den Räumen ein steinzeitlicher Knüppelpfad, ein Schlagbaum mit Steinboden und Kutschenspuren, ein Eisenbahngleis sowie Kopfsteinpflaster zu sehen. Dazu stehen in den Räumen passend gekleidete Figurinen oder Schaustücke wie ein elektrisches Gesichtsdampfgerät von 1920. Aus alten Telefonhörern erklingen Berichte von Zeitzeugen. Auf Acrylwänden und Fensterrollos stehen Texte etwa zum Wenzelnberg-Massaker. Zudem animiert ein Hamster namens "Ham vom Langen Feld" Kinder zu einer Rallye mit Fragen zur Stadtgeschichte.

(RP)
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