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Nach zwei Jahren: Langenfelderin findet ihren Lebensretter

Langenfeld : Langenfelderin findet ihren Lebensretter

Eine junge Frau wollte sich 2016 in den Tod stürzen, ein Fremder hielt sie davon ab. Jetzt hat er sich gemeldet, nach einem Suchaufruf in der RP.

VON ILKA PLATZEK

Mission geglückt, der Retter einer jungen Frau, die sich vor zwei Jahren in Langenfeld von einer Autobahnbrücke in den Tod stürzen wollte, ist gefunden: Maxim Sawtschuk (26), ein in Düsseldorf wohnender gebürtige Kasache. Beide haben sich jetzt getroffen und wollen auch weiterhin in Kontakt bleiben. Das ist die Kurzfassung einer Geschichte, die nach dem Suchaufruf in unserer Zeitung am 30. November viele Leser bewegt hat. „Ich bin überwältigt davon, wie viele Leute meine bei RP Online veröffentlichte Geschichte auf Facebook geteilt und verbreitet haben“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Kurz nach unserem Bericht hatte sich der damalige Retter bei uns in der Langenfelder RP-Redaktion gemeldet und wir haben seine Kontaktdaten an die Frau weitergeleitet. Am Tag darauf schickte sie Sawtschuk eine Textnachricht.

Der Hintergrund: Die Langenfelderin, die seit bald 20 Jahren an einer bipolaren Störung leidet, also zwischen Depression und Manie hin und her schwankt, hatte ihre Krankheit jahrelang gut unter Kontrolle. Dann warf sie ein neues Medikament aus der Bahn, sie bekam eine schwere Depression und hatte Suizidgedanken. Am 20. Oktober 2016 lief sie aus der LVR-Klinik weg, in die sie sich selbst hatte einweisen lassen, und wollte sich von einer Brücke auf die A542 stürzen. Doch ein ihr unbekannter Mann hielt sie damals vom Sprung in den Tod ab. Und dafür ist sie ihm unendlich dankbar. „Mein Leben war in den letzten zwei Jahren schwierig“, schrieb sie uns. „Deshalb fange ich erst jetzt an, nach meinem Retter zu suchen, denn ich möchte mich bei ihm bedanken.“ Denn nach dem verhinderten Sprung in den Tod hat sie neuen Lebensmut geschöpft.

Jetzt wissen wir, dass sie von Maxim Sawtschuk gerettet worden ist. Der 26-jährige Vater dreier Kinder hielt damals seinen silbernen Transporter auf der Brücke an, eilte zu der Frau und überredete sie ungeachtet des Hupkonzerts, nicht zu springen. „Sie stand schon auf der anderen Seite des Brückengeländers und ich habe ihr immer wieder gesagt, „das ist keine Lösung, tun sie das nicht‘“, erinnert sich der junge Mann. Zig Leute seien ungerührt vorbeigefahren, erst Minuten später hätten auf der Gegenfahrbahn zwei junge Frauen gestoppt, seien auch ausgestiegen und hätten die Polizei alarmiert. Irgendwann kletterte die Frau zurück auf die Brücke. „Ich habe ihr meine Jacke umgehängt und sie in meinen Transporter gesetzt bis die Polizei kam.“

Die verhinderte Selbstmörderin kann sich an diese Details nicht erinnern. „Ich habe da einen richtigen Filmriss. Heute bin ich nur froh, dass Maxim nicht weggeschaut, sondern beherzt eingegriffen hat, denn ich bin froh, dass ich lebe.“

Der in Düsseldorf-Hubbelrath wohnende Sawtschuk war von Verwandten auf den Artikel aufmerksam gemacht worden. Nach der von uns vermittelten Kontaktaufnahme wollte die junge Frau erst ein paar Kontrollfragen stellen. „Um sicherzugehen, dass sich wirklich mein Retter gemeldet hat“, erzählt sie. „Aber als ich zum ersten Mal mit ihm telefonierte und er gleich sagte, er habe sich immer wieder gefragt, wie es mir geht und ob ich noch lebe. Da war mir klar, dass er es ist.“

Inzwischen hat sie mit ihrem Lebensgefährten Maxim Sawtschuk und dessen Familie besucht. „Wir haben den Kindern Spielzeug mitgebracht, seine nette Frau kennengelernt und beschlossen, den Kontakt aufrecht zu erhalten“, erzählt die verhinderte Selbstmörderin. Bei dem Treffen entstand auch das Foto. Sawtschuk ist froh, dass es der von ihm geretteten Frau heute wieder gut geht. „Ich kann nur nicht verstehen, dass damals so viele Leute einfach vorbeigefahren sind“, sagt er. Und: „Ich konnte das nicht, denn ich bin so erzogen worden, dass man hilfsbereit sein muss und nicht einfach wegschauen darf.“