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Langenfeld: Nach Warnstreik: Awo streitet mit Verdi

Langenfeld : Nach Warnstreik: Awo streitet mit Verdi

Das Karl-Schröder-Haus gehörte zu den bestreikten Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt. Awo-Bezirkschef ist erzürnt.

Die betagten Heimbewohner sitzen nach dem Frühstück da. Einfach so. "Sie warten nur auf das Mittagessen, weil alle acht Betreuungskräfte fehlen." So schildert Gudrun Augustat, Pflegedienstleiterin im Karl-Schröder-Haus eine der Auswirkungen des Warnstreiks in Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo), zu dem die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen hatte.

Dazu sind gestern in dem Langenfelder Seniorenheim Reinigung und Wäscherei verwaist. "Wir arbeiten mit einem Notdienstplan. Die restlichen Mitarbeiter müssen sich auf das Wesentliche konzentrieren", sagt Augustat. Allerdings sei die medizinische Betreuung "uneingeschränkt sichergestellt".

Die Auswirkungen des von Verdi ausgerufenen zweitägigen Streiks spüren die betroffenen Heimbewohner, aber auch die Mitarbeiter. Während für den ersten Warnstreik Anfang September Verständnis herrschte, sehen die das Karl-Schröder-Haus betreibenden Awo-Verantwortlichen den jetzt angezettelten Streik sehr kritisch. "Eine Re-Inszenierung von Klassenkampf-Ritualen" wirft Jürgen Otto, Geschäftsführer des Awo-Bezirksverbandes Niederrhein mit Sitz in Essen, der Gewerkschaft vor.

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Mit Schreiben vom 7. Oktober hatte Otto den Verdi-Fachbereichsleiter Wolfgang Cremer in Düsseldorf eingeladen, sich vor Ort zu informieren, "welche Folgen ein Tarifabschluss in der Nähe der Verdi-Forderungen bis zu 10 Prozent hätte". Im Detail könne er aufzeigen "wie viele Arbeitsplätze so ein Abschluss kosten würde, welche Einrichtungen nicht mehr überlebensfähig werden und wie viele Menschen, die jetzt diese Angebote nutzen, betroffen wären". Otto, selbst langjähriges Verdi-Mitglied, fordert eine Diskussion über die Rolle der Gewerkschaft in der Wohlfahrt.

Er erinnert an die gemeinsamen Wurzeln von Awo und Verdi im Kampf um die sozial gerechte Gesellschaft. Verdi habe sich von dieser gemeinsamen Verantwortung weitgehend verabschiedet. "Den Mitgliedern kurzfristige Erfolge verkaufen zu können, habe offenbar Priorität." Zur Sache selbst betont der Awo-Geschäftsführer, dass, anders als beim öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft, die Awo-Löhne aus Entgelten bestritten werden müssen, die mit der öffentlichen Hand und den Sozialkassen auszuhandeln sind. "Es ist unseriös und populistisch, die Gewerkschaftsforderung mit Vergleichen aus dem öffentlichen Dienst zu begründen."

Klagen über den Streik kommen auch aus dem Umfeld betroffener Heimbewohner. Helmut Hoyer aus Langenfeld, jahrelang aktiver Gewerkschaftler, ist pflegender Angehöriger und fragte in einem Schreiben an Verdi, "wie die Notversorgung, die keinerlei individuelle Betreuung Schwerkranker zulasse, mit dem Verdi-Anspruch auf "soziale Fürsorge" vereinbar sei. Die Rechte der Bewohner werden seines Erachtens durch den Streik missachtet.

Wolfgang Cremer ließ im Gespräch die RP wissen, dass er den Brief aus Essen kennt. Ottos Einladung zum Ortstermin werde er nicht folgen. "Ich kenne als Gewerkschaftler die Einrichtungen und die Situation." Vielmehr wirft er dem Awo-Geschäftsführer vor, die Situation zu verkennen und zu versuchen, "das Betriebsrisiko auf die Beschäftigen zu verlagern". Statt Verdi anzugreifen, solle sich Otto "mit der Politik über die betriebswirtschaftlichen Zwänge streiten".

(RP)