Monheim : Die Kämpe leidet unter Baumsterben

Nur wenige Baumarten wie Ulme und Esche vertragen viel Wasser. Ihr Bestand wird durch Krankheiten dezimiert.

Wie beeinflusst die EU den Naturschutz in unseren Städten und Gemeinden? Die wichtigste europäische Regelung ist die „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, die 1992 von der EU verabschiedet wurde. Sie soll den Lebensraum (Habitat) von – aus europäischer Sicht – seltenen und bedeutenden Tieren (Fauna) und Pflanzen (Flora) schützen. Zudem soll sie dafür sorgen, dass die einzelnen Lebensräume nicht isoliert werden, sondern miteinander verbunden sind und so ein europaweites Netz bilden.

Gibt es FFH-Gebiete in Monheim?

Das FFH-Gebiet Urdenbach-Kirberger Loch-Zonser Grind, insbesondere die Hartholzauenwälder südlich von Haus Bürgel, wo der Pirol lebt. In der Weichholzaue kommen verschiedene Weidearten und die seltene Schwarzpappel vor.

Wie hat es sich entwickelt? Die Biologische Station hat die Aufgabe, die Tier- und Pflanzenbestände zu kartieren und zu erfassen und alle sechs Jahre eine Folgeuntersuchung anzustellen. „Im FFH-Gebiet gilt ein Verschlechterungsverbot“, sagt deren Leiterin Elke Löpke. In den Auenwäldern hat sie aber mit der Einwanderung nicht-heimischer Pflanzen zu kämpfen, dazu zählen das indische Springkraut, der Riesenbärenklau und der Japanknöterich. „Außerdem zeigt die Überdüngung durch die Landwirtschaft auch hier Folgen: Die schützenswerten Pflanzenarten werden sukzessive durch so genannte Stickstoffzeiger, wie Klettenlabkraut, Brennnesseln und Knoblauchsrauke, verdrängt“, so Löpke. Am Kirberger Loch gerate das Schilf durch den Riesenbärenklau in Bedrängnis, man kann ihm nur händisch zu Leibe rücken, indem man ihn ausgräbt.

Sorge bereitet der Biologin auch das vom Entomologischen Verein Krefeld auch in der Aue nachgewiesene Insektensterben. „Auch hier ging der Bestand um zwei Drittel zurück“, so Löpke. Dafür wanderten in Folge des Klimawandels Arten aus den wärmeren Weinanbaugebieten des Oberrheins ein, wie das Weinhähnchen und die blauflügelige Ödlandschrecke.

Gibt es Konflikte zwischen Land- wirtschaft und Naturschutz-Interessen?

Die Hartholzauen sind Privatwald und werden von der Leyen-Nesselrode GbR in Grevenbroich verwaltet. Auch hier kämpft Förster Karl Zimmermann mit dem verbreiteten Eschentriebsterben, was durch eine bestimmte Pilzart ausgelöst wird. „Die schöne Naturverjüngung, die wir unter den Pappeln hatten, wird jetzt immer weniger“, so der Förster. Das Problem sei, das damit zwei der typischen Auenbaumarten, die mit den teilweisen Überschwemmungen zurechtkämen, also Esche und Ulme, von Pilzen oder Krankheiten befallen seien. Auch 20 Eichen seien durch unterschiedliche Gründe zugrunde gegangen. Bei den Hybridpappeln habe ihm der Sturm Ela die Aufgabe abgenommen, den Bestand sukzessive zu dezimieren. Infolge der vom Wind geschlagenen Schneisen „bröckelt es jetzt weiter.“ 50 Bäume habe er jüngst abtransportiert. Ein Ersatz durch die heimische Schwarzpappel komme aber nicht in Frage, weil das Holz nicht brauchbar sei. „Sie wächst völlig krumm und schief.“ Seine Aufforstungsmaßnahmen versuche er nunmehr breiter anzulegen, indem er den Stileichenbeständen Bergahorn und Vogelkirschen beimischt, auch wenn es keine typischen Auenarten sind. Er wolle mit der Biologischen Station demnächst über den Anbau der nordamerikanischen Schwarznuss diskutieren, die vertrage zumindest eine zeitweilige Überschwemmung gut.

Der Monheimer Landwirt Robert Bossmann, der im FFH-Gebiet 20 Hektar Acker von der Stadt Düsseldorf gepachtet hat, muss inzwischen nach den Vorgaben der Stadt auf den Einsatz von Glyphosat verzichten. Er baut Ackerbohnen – als Alternative zu Sojabohnen – als Viehfutter an, sowie Wiesenfuchsschwanz, um das Saatgut zu ernten. Er selbst lege in der Aue seit 2018 freiwillig Blühstreifen an, als Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und Vögel.

Das Glyphosat-Verbot sieht er kritisch, denn jetzt müsse er andere Mittel in größerem Umfang versprühen. Zur Bekämpfung von Altunkraut (der Zwischenfrüchte als Nährstoffbinder) müsse er zudem den Boden stärker bearbeiten. „Dadurch zerstöre ich mehr Bodenlebewesen, wie Regenwürmer, und verursache mehr Erosion“, so der Landwirt.

Mehr von RP ONLINE