Detlev Müller: "Monheims Finanzsituation hilft auch dem Kreis"

Detlev Müller : "Monheims Finanzsituation hilft auch dem Kreis"

Der Langenfelder Stadtkämmerer geht nach 50 Dienstjahren jetzt in den Ruhestand, arbeitet aber noch stundenweise.

Langenfeld Nach mehr als 50 Dienstjahren endet das Berufsleben des Stadtkämmerers Detlev Müller (65). Der Verantwortliche für einen jährlichen Haushalt von aktuell 170 Millionen Euro Haushalt gehört zu den "Vätern" der jetzt zehn Jahre währenden Schuldenfreiheit der Stadt Langenfeld. Die RP hat mit ihm zurück und in die Zukunft geschaut.

Die meisten Stadtkämmerer sind Beigeordnete, also politische Wahlbeamte, teilweise mit Hochschulabschlüssen. Sie begannen 1967 als Verwaltungslehrling, sind parteipolitisch unauffällig und Laufbahnbeamter geblieben. Wie war das möglich?

Müller Nach einer Aufnahmeprüfung begann ich die dreijährige Lehre, in der ich das Glück hatte, dass Vorgesetzte - heute würde man sagen - "mein Potenzial" erkannten und mich ermutigten, auch die Ausbildung zum mittleren und - unterbrochen von 15 Monaten Wehrdienst - gehobenen Dienst zu absolvieren. Das für die Inspektoren-Laufbahn notwendige Abitur konnte durch Wartezeiten im Mittleren Dienst ersetzt werden. In der ausbildungsbegleitenden Praxis arbeitete ich damals schon in der Steuer- beziehungsweise später in der Haushaltsabteilung. Das gefiel mir, zumal ich Interesse an mathematischen Fragen hatte.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

müller Ungewöhnlich und sicherlich hilfreich war, dass ich schon 1970 mit über 300 Silben pro Minute Kurzschrift als Protokollführer in Ausschüssen eingesetzt wurde. Dass ich dank meiner Aufzeichnungen Gesprächsinhalte auch viel später noch sehr präzise wiedergeben konnte, löste allerdings nicht nur Freude aus.

Dann kamen Sie in die Kämmerei . . .

müller In der Kämmerei arbeitete ich seit 1973, als Leiter ab 1986 intensiv mit meinen Mentoren, den früheren Kämmerern Paul Böhm (bis 1986) und Winfried Graw (bis 2004) zusammen. Mein Weg zu deren Nachfolge war damit für mich, aber auch für Verwaltungsleitung und Politik- vorgezeichnet; es gab keinen Grund, zusätzlich Beigeordneter zu werden. Politisch bin ich zwar festgelegt, aber die Aufgaben des Stadtkämmerers waren für mich nicht mit aktiver politischer Arbeit vereinbar. Nur mit Loyalität gegenüber allen Ratsmitgliedern konnte das notwendige Vertrauen entstehen.

Den politischen Etatberatungen gehen verwaltungsinterne Abstimmungen voraus. Dabei macht der Kämmerer sich wenig Freunde im Kollegenkreis, oder?

Müller Jein, mir hat geholfen, dass ich mich über die Jahre in viele Detailfragen eingearbeitet habe, um den Kollegen in den Ämtern fachlich auf Augenhöhe zu begegnen. Ich war nicht nur "Buchhalter", sondern wollte wissen, welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen. Auch lebensältere und in ihren Themen spezialisierte Kollegen akzeptierten das, auch wenn die Beratungen für sie nicht immer eine Spaßveranstaltung waren.

Störte es Sie, wenn der Stadtkämmerer in der öffentlichen Wahrnehmung gelegentlich als "Buhmann" dargestellt wurde, wenn sich Politiker bei Begehrlichkeiten von Interessenvertretern sich mit dem Hinweis, "der Kämmerer oder der Müller macht das nicht mit", herausredeten?

Müller Mit dem Image konnte ich gut leben, schließlich obliegt dem Kämmerer primär die langfristige Gesamtsicht auf die städtischen Finanzen. Ich ahne die Interessenkonflikte, wenn beispielsweise ein Beigeordneter sowohl Kämmerer als auch zusätzlich Jugend- oder Sozialdezernent ist. Der nicht auf Wahltermine blickende Kämmerer mit seinen Bedenken gegen die in der Regel finanziell folgenreichen Wünsche von einzelnen Vereinen, Gruppen oder Verbänden vertritt dabei oft die Meinung der schweigenden Gesamt-Bürgerschaft. Natürlich kann der Kämmerer auch den Entscheidern Ermessensspielräume aufzeigen, wenn es erforderlich wird.

Monheim mit seinem "Gewerbesteuerdumping" beschäftigt die Kreisgemeinschaft. Hat nicht Langenfeld diesen Wettbewerb angezettelt? Ich denke an die Plakate an der A 3, auf denen für die Steueroase Langenfeld geworben wurde.

Müller Das ist nicht vergleichbar. Wir haben 2007 auf dem langen Weg zur Entschuldung finanzielle Spielräume genutzt, und quasi aus vorhandenem Vermögen eine Art "Dividende" gezahlt, bei der wir nicht nur die Gewerbesteuer sondern auch Grundsteuer und Gebühren senkten. Mit der Gewerbesteuersenkung vom nivellierten Hebesatz von 403 auf 360 Punkte stehen wir am unteren Ende der Skala von Städten vergleichbarer Größe nicht nur in NRW, und es gelingt, den Hebesatz im zehnten Jahr beizubehalten. Die Monheimer senkten den Satz in kurzen Abständen von 435 auf jetzt 250 Punkte, unter deutlich anderen Vorzeichen. Festzuhalten bleibt: Die Monheimer Finanzsituation nutzt auch den übrigen Kommunen im Kreis.

Gerade beim Thema Gewerbesteuer wird von der Verwaltung das Steuergeheimnis ernst genommen. Auch als Ruheständler bleiben Sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Belasten Sie diese Geheimnisse?

Müller Nein, das war und ist keine Belastung; es war nur schade, dass man die Freude über gute Nachrichten nicht teilen konnte.

Wer wird Ihr(e) Nachfolger(in) ?

Müller Ich weiß es noch nicht, die nahtlose Wiederbesetzung ist leider nicht gelungen. Es wird an einer externen Lösung gebastelt. Zunächst vertritt mich Torsten Nilson, Leiter der Kämmerei.

Wie sieht der Ruhestand aus? Worauf freuen Sie sich?

Müller So ganz verschwinde ich nicht aus dem Rathaus. Ich bleibe für einige Wochenstunden Prokurist der Stadtentwicklungsgesellschaft, die auch Gewerbe- und Wohngebiete erschließt. Ansonsten finde ich mehr Zeit für die drei Enkel, will häufiger als bisher mit meiner Ehefrau durch die deutschen Mittelgebirge wandern, eine Fremdsprache lernen und weiter Volleyball spielen.

MARTIN MÖNIKES STELLTE DIE FRAGEN

(RP)
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