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Die schwere Geburt des Kreises Mettmann: Monheimer werden zu Düsseldorfern

Die schwere Geburt des Kreises Mettmann : Monheimer werden zu Düsseldorfern

Der Landtag hat 1974 die Eingemeindung beschlossen. Eine Verfassungsklage brachte die Selbstständigkeit für Monheim und Baumberg zurück. Denn Karlsruhe urteilte: Die Auflösung Monheims sei unverhältnismäßig hart gewesen.

Mit dem Neujahrstag 1975 wurden Monheim und Baumberg Stadtteile von Düsseldorf, Hitdorf kam zu Leverkusen. So hatte es der Landtag im Rahmen einer großangelegten Gesetzgebung beschlossen. Die Neugliederung von Kreisen und Kommunen spaltete seit Beginn der 1970er-Jahre weite Teile Nordrhein-Westfalens. Die Landesregierung war der Auffassung, durch größere Gebietskörperschaften werde die Verwaltung gestrafft und die Regionalplanung erleichtert. Die betroffenen Gemeinden sahen das jedoch ganz anders, vielerorts regten sich Widerspruch und Widerstand. Besonders heftig war der Protest von Anfang an in Monheim, wo sich unter dem Motto "Monheim muß ungeteilt selbständig bleiben" Ende 1972 eine Bürgerinitiative gründete.

Doch das Engagement blieb zunächst ohne Wirkung. Am 10. Juli 1974 beschloss der Landtag die Eingemeindung von Monheim und Baumberg nach Düsseldorf. Ein Alternativantrag des Langenfelder SPD-Abgeordneten Hans Lauber, Monheim und Baumberg mit Langenfeld zu verschmelzen, wurde hingegen mit nahezu Zweidrittel-Mehrheit abgelehnt.

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Jetzt konnte die Selbstständigkeit allenfalls noch durch eine Klage vor dem Landesverfassungsgerichtshof gerettet werden. Mit großer Mehrheit stimmte der Rat am 30. September 1974 für den Gang nach Münster. Dass man freilich keinen schnellen Erfolg erwarten durfte, zeigte sich am 20. Dezember: Das Verfassungsgericht verwarf die von der Stadt Monheim beantragte Einstweilige Anordnung, mit der sie die Eingemeindung in letzter Minute hatte abwenden wollen. Durch diesen herben Dämpfer ließen sich die Monheimer freilich nicht entmutigen.

"Eine Stadt vergeht. Trotzdem schlagen die Herzen weiter. Jetzt heißt es trotz allem vorwärts schauen", bewahrte sich der damalige Bürgermeister Heinrich Häck (SPD) einen Kern von Optimismus. Unter seinem Vorsitz formierte sich ein Prozessausschuss, der die juristische Auseinandersetzung weiter vorantrieb.

Die Ausdauer machte sich letztlich bezahlt: Am 6. November 1975 entschied der Verfassungsgerichtshof, die Auflösung der Stadt Monheim sei eine unverhältnismäßig harte Maßnahme gewesen und daher nicht verfassungskonform.

Das Urteil am Nikolaustag brachte die Bürgerinnen und Bürger zu Hunderten auf die Straßen - und sie hatten wirklich Grund zum Jubeln, auch wenn das Urteil nur ein Etappensieg war. Denn jetzt musste der Landtag ein neues Gesetz zur Zukunft Monheims beschließen.

Es bedurfte allerdings noch einmal vieler Mühen, bis das Parlament nach turbulenten Debatten am 19. Mai 1976 endlich beschloss: Monheim wird wieder selbstständig. Das ging insbesondere auf den Einsatz der 1975 erstmals gewählten Landtagsabgeordneten Ingeborg Friebe (SPD) zurück. Dafür erhielt sie nicht nur den ehrenvollen Beinamen "Mutter Courage", sondern wurde auch Bürgermeisterin der am 1. Juli 1976 wiederauferstandenen Stadt Monheim.

Von den mehr als hundert gegen Neugliederungsmaßnahmen angestrengten Verfassungsklagen waren - einschließlich der aus Monheim - lediglich fünf erfolgreich. Großen Anteil am Monheimer Erfolg hatte der Münsteraner Verfassungsrechtler Prof. Dr. Werner Hoppe (1930-2009), den die Stadt als Berater verpflichtet hatte.

(RP)