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Monheim: Monheimer Schulen rücken zusammen

Monheim : Monheimer Schulen rücken zusammen

Das Otto-Hahn-Gymnasium und die neue Gesamtschule am Berliner Ring kooperieren.

Die Schule, die sich abschottet, gar in Konkurrenz zu anderen Schulen tritt, war gestern, sagt Heinz Gniostko, Dozent an der Universität Duisburg-Essen in der Fakultät Bildungswissenschaften. „Heutzutage müssen Schulen kooperieren, sich als Teil einer Bildungslandschaft verstehen und gemeinsam die Verantwortung für die Schülerschaft übernehmen.“ Dies drückt sich schon jetzt in der gemeinsamen Nutzung des neuen Schulgebäudes am Berliner Ring durch Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) und  Gesamtschule (GBR) aus. Auch sollen OHG-Schüler künftig in der Mensa der GBR essen gehen können. Jetzt haben die beiden Schulen am Standort Berliner Ring einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, in dem weitere Projekte vereinbart werden.

 So kooperieren die Schulen bereits jetzt bei der Aufnahme, um zu verhindern, dass Eltern bei der Schulwahl eine Entscheidung gegen den pädagogischen Rat der Lehrer treffen. „Künftig wird die Durchlässigkeit des Schulsystems verbessert, indem ein Schüler bei einem unausweichlichen Schulwechsel seine Karriere an der Gesamtschule fortsetzen kann“, sagt Dr. Hagen Bastian, Leiter des OHG. Früher musste er dann in Langenfeld zur Realschule gehen.

Außerdem haben die Schulen bereits den Unterrichts-Rhythmus harmonisiert und verfolgen nun beide das 60-Minuten-Modell. Das vereinfache die Erarbeitung kooperativer Bildungsangebote. „So könnten künftig schon im Wahlpflichtbereich der Mittelstufe  solche Fächer gemeinsam angeboten werden, die wegen zu weniger Schüler drohen nicht zustande zu kommen, wie Informatik oder eine dritte Fremdsprache“, sagt Bastian.

Neu ist auch das Tutoriats-Konzept, wonach OHG-Schüler der Oberstufe Fünftklässlern der Gesamtschule im Rahmen des Ganztagsbetriebs Förderunterricht in den Fächern Deutsch, Mathe und Fremdsprachen erteilen: Einem ersten Aufruf folgten 34 Gymnasiasten. Die Auswahlkriterien „Sie müssen zuverlässig, verantwortungsbewusst, zur sozialen Interaktion fähig sein und über fachliche Kompetenz verfügen“, erklärt Annette Heintz, Lehrerin am OHG. Der Tutor unterrichtet eine Stunde pro Woche – gegen ein Entgelt, das der Förderverein aufbringt. Die Gesamtschüler werden jeweils an einem Nachmittag pro Woche gefördert. Das Material wird gestellt, die Tutoren müssen sich mit den Lehrern abstimmen, damit die von ihnen vermittelten Inhalte an den Unterricht angebunden sind. Langfristig sollen auch Oberstufenschüler der Gesamtschule in das Tutoriats-Modell einbezogen werden. Bürgermeister Daniel  Zimmermann lobte die Willkommensatmosphäre, die beim ersten Schultag der Gesamtschule entstanden sei, als die Tutoren die Erstklässler begrüßten. „Diese schulübergreifenden Kooperationen führen dazu, dass sich die Schüler ohne Vorurteile und Stigmatisierung kennenlernen“, fügte Gniostko hinzu.

In der Oberstufe könne dank der Kooperation einst ein breiteres Kursangebot dargeboten werden, wie etwa ein Leistungskursus Sport, den derzeit nur ein Gymnasium in Leverkusen anbiete. Insgesamt zögen diese innovativen Strukturen viele Lehrer an, sagte Martin Paeslack, kommissarischer Leiter der Gesamtschule. Es habe für die Stellen an seiner Schule deutlich mehr Interessenten als Plätze gegeben. Die Kooperation erfülle auch den Zweck, der Gesamtschule ihre Position innerhalb des zweigliedrigen Schulsystems zuzuweisen. „Früher versuchten die Gesamtschulen, Gymnasien zu sein, sie sollen aber Schule für alle sein“, betonte Gniostko.