Monheim: Monheimer feiern mit Kirmes und Kochkunst

Monheim : Monheimer feiern mit Kirmes und Kochkunst

Drei Tage lang feierten die vielen Nationen des Berliner Viertels miteinander ein Septemberfest.

Mehr Multikulti als beim Septemberfest im Berliner Viertel geht einfach nicht: Lahmacun neben Thai-Ente, Wiener Mandeln neben Baklava, schrille künstliche Rastazöpfe neben Tupperdosen, Wasserpfeifen neben selbst genähten Dirndl-Kleidchen für Puppen. Letztere selbst genäht von Gudrun Dyja, einer älteren Dame, die davon offenbar Hunderte in Heimarbeit herstellt. "Statt fernsehen", sagt sie schlicht und hofft, dass die vielen kleinen Mädchen mit ausländischen Wurzeln Interesse an der bayerischen Puppen-Tracht auf dem Trödelmarkt finden.

Es scheint an diesem Wochenende, als seien wirklich alle Bewohner des Berliner Viertels auf den Beinen, um zu essen, Trödel zu kaufen und zu verkaufen, Musik zu hören, Riesenrad zu fahren oder einfach nur im Sonnenschein auf einander zu treffen und zu reden. Araber, Asiaten, Türken, Osteuropäer und Deutsche, schöne junge Frauen mit und ohne Hidschab, durchtrainierte junge Männer mit dem Handy am Ohr - lebhaftes Sprachengewirr dringt ans Ohr. Und alle sind fröhlich.

Aileen, Emily und Celina, drei Freundinnen, die im gleichen Haus wohnen, sitzen nebeneinander auf Decken und verkaufen, was im Kinderzimmer nicht mehr gebracht wird. Die drei Elfjährigen warten noch auf Abnehmer ihres einstigen Lieblingsvideos "Die Hexe Lilli". "Gregs Tagebuch" ging da schon besser weg, sagt Celina. Die Mädels sind zufrieden mit ihrem Verkauf. "Der Erlös wird gespart", sagt Emily für alle anderen. "Vielleicht gehen wir mal auf die Raupe oder das Riesenrad", sagt Aileen. "Aber nur für einen kleinen Teil des Geldes."

Mit ihnen sitzen noch zig anderen Jungs und Mädchen vor Barbie-Puppen, rosa Bärchen oder gesammelten Kabeln und Trafos, die nicht mehr gebraucht werden. Eine türkische Mutter verkauft Festkleidchen mit Schleifen und Applikationen für Mädchen. Ak und Aydin, zwei freundliche türkische Frauen, sammeln für die Moschee in Monheim. Die Spenden in der durchsichtigen Sparbüchse können sich nach einer Stunde schon sehen lassen. Die Beiden sind stolz und freuen sich.

Nebenan backen die Töchter bergische Waffeln. Wahrlich keine türkische Spezialität. "Aber wir mögen das alle sehr gern", sagt Aydin. Und die Deutschen stehen Schlange vor Stand der Islamischen Gemeinde, die sich mal wieder kräftig ins Zeug gelegt und tausendundeine Leckereien gezaubert hat.

So bunt wie das Angebot auf Trödel und Kirmes war auch die musikalische Melange an den drei Festtagen. Rund um die Altstadt lag der musikalische Schwerpunkt auf so genannter Weltmusik. In Zusammenarbeit mit dem Kameruner Künstler und Musiker Etienne Eben richtete das Sojus ein zweitägiges Festival aus, das gut besucht war. Eben und einige Freunde wollten mit dem Konzert einen Beitrag zur Völkerverständigung und Integration leisten. Jazz, Funk, Blues und Rock, gemixt mit traditionellen Rhythmen, waren ein durchaus hörenswertes Erlebnis. Im krassen Gegensatz dazu standen alte BAB-Songs im Berliner Viertel. So bekam jede Nationalität die schönsten Seiten der anderen zu hören.

(RP)