Fußball-Fan-Streit in Leverkusen: Monheimer empört über Schmierereien

Fußball-Fan-Streit in Leverkusen : Monheimer empört über Schmierereien

Die Gruppe "Monheimer Urgesteine" hat angeboten, die Farbe abzuwaschen. Die Stadt nimmt das selbst in die Hand.

Das Derby zwischen Fortuna Düsseldorf und Bayer 04 Leverkusen schlug am Osterwochenende hohe Wellen. Das lag allerdings nur teilweise an dem Geschehen auf dem Platz. Rund um die brisante Partie in der Fußball-Bundesliga gab es mehr oder weniger ernste Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Fangruppen. 600 Leverkusener Fans, die am Samstag auf einem gecharterten Schiff den Rhein hinunter zum Spiel in Düsseldorf reisten, sind in Höhe der Kardinal-Frings-Brücke mit Obst, Gemüse, Eiern Farbbeutel beworfen worden.

Weit gefährlicher fiel am Abend die zweite Attacke aus: Von der Leverkusener Autobahnbrücke regnete es Steine auf das Schiff. Die Täter konnten bisher nicht identifiziert werden. Vielleicht waren es Rachegelüste, die einige Fans von Bayer 04 dazu brachten, die Mauer des Monheimer Deichs mit einem mehr als 25 Meter langen Schriftzug zu beschmieren. Seit Samstag können Spaziergänger und Radfahrer die unschöne Botschaft, die auch von der anderen Rheinseite deutlich erkennbar ist, lesen — sehr zum Ärger von Peter Kreuer und vielen anderen Bürgern.

"Ich war mit meinem Hund unterwegs, als mir diese Schmiererei aufgefallen ist", sagt der Bestattungsunternehmer, "und da habe ich mir überlegt, was man dagegen machen könnte." Als Mitglied der ersten Stunde in der Facebook-Gruppe "Monheimer Urgesteine" startete Kreuer einen Aufruf für eine freiwillige Putzaktion am kommenden Samstag. Immerhin 16 Bürger haben danach spontan zugesagt, mit Reinigungsmitteln und Schrubbern anzutreten, um die Schmiererei zu beseitigen. Doch daraus wird nun aus verschiedenen Gründen nichts.

"Nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung habe ich die Aktion abgesagt", meint der Monheimer. "Die ganze Sache war doch etwas komplizierter, als ich zuerst gedacht hatte." Das liegt vor allem an einer Besonderheit der etwa 800 Meter langen Mauer, die 2002 im Rahmen der Deichsanierung fertiggestellt wurde.

Das Bauwerk ist komplett von beiden Seiten mit einer Anti-Graffiti-Schicht überzogen, die verhindert, dass die Steine die Farbe voll aufnehmen. "Das macht die Entfernung zwar einfacher, doch nach der Reinigung muss die Mauer wieder entsprechend versiegelt werden", erklärt Rainer Fester, der im Bereich Bauwesen für Abwasser und Hochwasserschutz zuständig ist — und damit auch für die Deichanlage. Aus seiner Sicht ist es besser, wenn die Reinigung öffentlicher Gebäude von der Stadt durchgeführt wird: "Wir haben im Moment mehrere Stellen, an denen Graffiti entfernt werden sollen. Es macht Sinn, das alles in einem Abwasch von Experten erledigen zu lassen."

Zuständig ist die Firma Gratch International mit Sitz in Düsseldorf. Fester rechnet damit, dass die Reiniger im Mai anrücken werden, um unter anderem auch die Deichmauer auf Vordermann zu bringen. Bis dahin müssen sich Spaziergänger und Radfahrer wohl mit der unflätigen Parole abfinden, die gleich neben dem Schild "Monnem am Rhing" auf Höhe der Anlegestelle des Piwipper Böötchens zu sehen ist.

Im Stadtgebiet sind weitere Bauwerke gegen Schmierereien geschützt. "Das betrifft vor allem Klinkerbauten, die frei zugänglich sind", sagt Fester. Die Kosten seien zwar etwas höher, aber dafür gehe die Reinigung deutlich einfacher von der Hand. "Im Grunde reicht heißes Wasser und ein Hochdruckreiniger. Das Engagement aus der Bürgerschaft ist sicherlich begrüßenswert, aber unnötig. Die Stadt kümmert sich darum."

Die Stadt Monheim hat routinemäßig Anzeige erstattet — gegen Unbekannt. Auf Aufklärung setzt die Verwaltungsspitze dabei nicht, sagt der Stadtsprecher Michael Hohmeier.

(RP/ila/top)
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