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Monheimer Bibliotheksleiter übergibt an Dürener Kollegin

Monheim : Bücherei-Chef geht in den Ruhestand

Nach 35 Jahren verabschiedet sich Martin Führer von der Monheimer Bibliothek.  Ab Juni übernimmt Diana Baur (43) aus Düren.

Jetzt, wo die Monheimer Bibliothek mit farbigen Retro-Sesseln im Foyer, einem Kaffeeautomaten und einem abgetrennten, ruhigen Bereich für Zeitungsleser so richtig gemütlich geworden ist, verabschiedet sich der Leiter Martin Führer (65) in den Ruhestand. Weil er gerne hier gearbeitet hat, will er aber „bestimmt oft“ als Privatmann zum Schmökern vorbeischauen. Schließlich wohnt er in Monheim und ist mit dem Fahrrad in wenigen Minuten in der Bücherei. Sie ist mit der Zeit quasi sein zweites Zuhause geworden, denn bei seinem Abschied hat er „auf den Tag genau“ 35 Jahre an der Tempelhofer Straße gearbeitet und nicht nur die jüngste Umgestaltung maßgeblich begleitet, sondern auch den digitalen Ausbau vorangetrieben und sich für neue Terminals zur Selbstverbuchung eingesetzt. „Bald bekommen die Nutzer außerdem die Möglichkeit, ihre Gebühren per Karte zu bezahlen“, sagt Führer. Der Ausweis werde in die neue Monheim-Card integriert. „Wir sind dann die einzige Stadt, in der alle Bürger automatisch Bibliotheksmitglieder sind“, meint er schmunzelnd.

45.000 Medien stehen auf 1127 Quadratmetern Fläche. Sie werden pro Jahr etwa 110.000mal ausgeliehen. Es gibt kostenlose Internetplätze und einen zeitlich begrenzten Hotspot. So ist auch das Schülercenter in der ersten Etage gut nutzbar. Die Führungen für Grundschüler werden bereits mit Tablets durchgeführt. Ein Medienpädagoge (Honorarkraft) betreut das „Gaming“. Kinder spielten zu festgelegten Zeiten nachmittags auf Tablets oder Konsolen miteinander. Das sei besser, als wenn jeder alleine zu Hause am Computer sitze. „Wir können aber noch digitaler werden“, sagt Martin Führer. Eine Aufgabe, die seine Nachfolgerin Diana Baur (43) aus Düren ab Juni übernehmen wird.

Die Bibliothek wirkt mit ihren großen Fenstern hell und geräumig. 1974 bezog sie die Räume an der Tempelhofer Straße 13. Martin Führer, der seit 1984 erst als Stellvertreter, Archivar und später als Bibliotheksleiter dort arbeitete, mag das Gebäude. „Es hat eine klare Struktur und erinnert etwas an den Bauhausstil.“ Ob die Bücherei zukünftig am Standort bleiben wird, ist ungewiss. Das Konzept sei zwar auf das Berliner Viertel und die Bildung der Drei- bis 17-Jährigen ausgerichtet, doch eine Öffnung oder Verschiebung zum Berliner Ring hin sei durchaus denkbar. Zusammen mit den weiterführenden Schulen und der Musikschule bekämen die Bildungseinrichtungen dann einen „Campus-Charakter“.

Bevor Martin Führer seine Liebe für das Bibliothekswesen entdeckte, machte er eine Ausbildung zum Diplom-Finanzwirt und arbeitete sieben Jahre im Finanzamt Remscheid. „Ich war für Betriebsprüfungen zuständig und sehr gefordert, den Leuten etwas wegzunehmen.“ Viel schöner sei es jedoch, ihnen etwas zu geben. Führer beschreibt sich selber als „kommunikativ und vermittelnd“. So hat er sein Hobby schließlich zum Beruf gemacht und auf Bibliothekar umgesattelt. Nach der Ausbildung in Köln arbeitete er von 1983 bis 1984 zunächst in der Bibliothek Remscheid, bevor er nach Monheim kam.

Hier lebt er mit seiner Frau und den beiden Kindern – die Tochter ist 21, der Sohn 15 Jahre alt. „Die beiden halten mich jung.“ Und so wird er auch im Ruhestand gefordert sein. Eventuell lässt er die Filmabende mit französischen Kino-Streifen im Garten der Bücherei noch einmal aufleben. „Die wurden sehr gut angenommen. Am letzten der drei Abende kamen 80 Leute. Wir hatten aber nur 40 Stühle aufgestellt.“ Lesen wird sein Hobby bleiben. Der Gesellschaftsroman „Unter Leuten“ von Juli Zeh über die Zeit der Wende in Deutschland ist eines seiner Lieblingsbücher. Martin Führer rät allen, ein Buch das nicht gefällt, sollte man keinesfalls zu Ende lesen.