Monheimer Bibliothek hilft beim Abi

Monheim : Schüler büffeln abends in der Bibliothek

Mehr Ruhe, mehr Konzentration und Austausch – Jungen und Mädchen freuen sich über das Angebot vor den Abi-Prüfungen.

Sie büffeln Philosophie, Mathe und Deutsch, und zwar am Abend nach der Schule. Afra (20) will eine Aufnahmeprüfung an einer Elite-Uni in Istanbul bestehen und dort ab Anfang Juni Psychologie studieren. Dazu muss sie schwere Mathe-Aufgaben lösen. Alle anderen, die an diesem Abend in der Bibliothek an der Tempelhofer Straße sitzen, bereiten sich aufs Abitur vor. Warum sie das nicht zu Hause machen? „Hier kann ich mich besser konzentrieren. Und wir haben Hilfe“, sagt Mark (18), der fürs Abi am Otto-Hahn-Gymnasium arbeitet. Dass er das seit drei Wochen abends in der Stadtbibliothek gemeinsam mit anderen kann, findet er einfach klasse.

20 Schüler sind heute gekommen. Das freut die Bibliotheksangestellte und Bildungskoordinatorin Anna Henhöfer besonders. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nadja Kläsges hat sie das Projekt für die Wochen vor der Abi-Prüfung in der Stadtbücherei installiert. „Allein Bücher ausleihen, reicht nicht mehr“, sagt sie. „Wir müssen Lernort sein.“ Nachdem in der ersten Woche zehn Schüler, in der zweiten 16 und in der dritten 20 gekommen sind, zweifelt sie nicht mehr am Erfolg.

Zur Seite stehen ihr Daniel Braune und Annika Raue, die bei Mathe, Spanisch und Englisch unterstützen können. Daniel hat Informatik studiert und ist IT-Berater, Annika hat sechseinhalb Jahre in Mexico gelebt und spricht perfekt Spanisch und Englisch. „Das ist hier keine Nachhilfe“, klärt Henhöfer auf, „es geht nur darum, so kurz vor dem Abi noch ein paar offene Fragen zu klären. Außerdem finden die meisten hier mehr Ruhe als zu Hause. Und das gemeinschaftliche Lernen treibt an.“ Lange genug habe sie die Schüler abends um 18 Uhr aus der Bücherei treiben müssen. „Das hat mich auf die Idee gebracht, an einem Abend in der Woche bis 22 Uhr zu öffnen.“

 Michelle (18), Laura (18) und Irfan (19) gehen alle zur Peter-Ustinov-Gesamtschule und sitzen an diesem Abend über einer Interpretation der „Marquise von O“. Eine Schülerin hat sogar ihr Laptop mitgebracht. Die anderen arbeiten konventionell mit Stift und Papier. Sie finden es gut, sich hier in entspannter Atmosphäre über den Text austauschen zu können und über das, was jeder einzelne geschrieben hat, zu reden. Auf dem Tisch stehen Knabberzeug und Getränke. Zwei oder drei sind das erste Mal dabei. Vom Lernort Bibliothek haben sie von ihren Mitschülern und Freunden gehört. „Hier hat man einfach mehr Platz“, sagt einer. Und Afra findet es gut, direkt auf Lehrbücher hinter ihrem Platz zugreifen zu können. „Eine wirklich gute Idee hier“, sagt Mark.

Geplant sind diese Sonderöffnungszeiten in der Monheimer Bibliothek mit jungen Tutoren als Unterstützer immer ein paar Wochen vor den Zeugnissen und den Abi-Prüfungen. „Sozusagen als Last-Minute-Hilfe“, sagt Henhöfer. „Vielleicht können wir das auch mal für Zehntklässler machen.“

Dass sie aufgrund dieser Idee abends länger arbeiten muss, ist für sie kein Thema. „Das macht ja sehr viel Spaß hier“, sagt sie ein bisschen stolz über den Erfolg des neuen Projektes.

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