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Monheim / Wuppertal: Streit nach Huperei auf Feldweg endet vor Gericht

Monheimer in Berufungsverhandlung : Streit nach Huperei auf Feldweg endet vor Gericht

Auf dem Weg zu einem Pferdehof in Erkrath war ein Monheimer Autofahrer vor drei Jahren einem Spaziergänger mit freilaufendem Hund begegnet. Jetzt saß der 45-Jährige in einer Berufungsverhandlung auf der Anklagebank und wäre beinahe seinen Führerschein losgeworden. Denn der Hundehalter hatte ihn wegen Körperverletzung und Unfallflucht angezeigt.

Aber was war überhaupt passiert an jenem Septembertag 2017, das der Spaziergänger damals zur Anzeige gebracht hatte? Der Monheimer schilderte im Wuppertaler Amtsgericht die Sache so: Er sei beruflich bedingt auf einem Feldweg zu einem Pferdehof in Erkrath gefahren. Schon von weitem habe er den Spaziergänger gesehen – und auch dessen Hund. Er habe gehupt, um auf sich aufmerksam zu machen. Das soll der Spaziergänger zum Anlass genommen haben, ihm auf die Motorhaube zu schlagen. Als er  aus dem  stehenden Auto habe aussteigen wollen, soll der Fremde zu ihm gesagt haben, dass er auf dem Weg nichts zu suchen habe und zugleich gegen die Tür gedrückt haben. Wochen später fischte der Monheimer Gerichtspost aus seinem Briefkasten – der Hundehalter hatte sich augenscheinlich sein Kennzeichen notiert und ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und dazu auch noch wegen des Verlassens eines Unfallortes angezeigt. Verletzungen gab es nicht zu beklagen – und dennoch hatte der Spaziergänger behauptet, der Monheimer habe ihn mit seinem Auto am Bein berührt.

Das Mettmanner Amtsgericht hatte den 45-Jährigen deswegen zur Zahlung einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. Was jedoch schwerer wog, war der Entzug der Fahrerlaubnis. Als Selbständiger sei er auf den Führerschein angewiesen – nicht nur deshalb war der Angeklagte gegen das Urteil in Berufung gegangen. Er selbst sei sich keiner Schuld bewusst. Und da er öfters auf dem Pferdehof in Erkrath sei, wisse er, dass der vermeintliche „Unfallgegner“ dort wegen seines Querulantentums längst bekannt sei.

Auch von der Berufungsrichterin war zu hören, dass die Polizei allenfalls ein Ordnungsgeld von 40 Euro gegen beide Beteiligte verhängt hätte – wenn man sie denn zum angeblichen Tatort gerufen hätte. So aber war der Monheimer weitergefahren zum Pferdehof, während der Spaziergänger wutentbrannt zur Polizei ging.

Das Berufungsgericht empfahl die Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung von 400 Euro an die Verkehrswacht. Der 45-Jährige nahm den Vorschlag zähneknirschend hin, um die Sache vom Tisch zu bekommen. Auch von seinem  Verteidiger war zu hören: „Ich sehe hier überhaupt keine Tat – weder eine Körperverletzung, noch eine Unfallflucht.“ Allerdings erlebe er es in seiner Kanzlei nahezu jeden Tag, dass jemand zu Unrecht zum Angeklagten in einem angeblichen  Verkehrsdelikt werden könne. „Aus dem Betätigen der Lichthupe wird dann auch schon mal versuchter Mord“, so der Anwalt. Wenn etwas angezeigt werde, müsse die Justiz ermitteln – so etwas könne jeden treffen.