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Monheim Wirte wünschen sich größere Terrassen

Unterwegs in der Altstadt : Wirte wünschen sich größere Terrassen

Die Altstadt ist ein touristischer Anziehungspunkt. Und sie bleibt im Fokus der städtischen Planer, die in dem Viertel zwischen Grabenstraße und Freiheit gerne mehr Wohnungen errichten würde.

Von D. Schmidt-Elmendorff

Die Altstadt ist das historische Herz Monheims. Sie ist neben den Rheinauen und Haus Bürgel das Aushängeschild des städtischen Tourismuskonzepts. Der Imagefilm der Tourismusförderung vermittelt mit einer speziellen Aufnahmetechnik das Bild einer putzigen, deutsche Gemütlichkeit ausstrahlenden Märklinmodellstadt mit vielen renovierten Fachwerkfassaden. Orientiert man sich am Geltungsbereich der Denkmalbereichssatzung, dann wird die Altstadt im Süden von der Kirche St. Gereon und dem Kirchgässchen, im Westen von der Kapellenstraße, wo früher ein Seitenarm des Rheins floss, im Norden von der Grabenstraße und im Osten von der Altstadtkirche und dem Schelmenturm begrenzt. „Genau genommen lag der Kradepohl aber schon außerhalb der Befestigung“, sagt Stadtarchivar Michael Hohmeier.

Alte Freiheit: Als der Stadtrat mit seiner Peto-Mehrheit Ende 2016 das Integrierte Handlungskonzept Innenstadt auf den Weg brachte, gerieten die Anwohners des Quartiers zwischen Freiheit und Grabenstraße, Turmstraße und Poetengasse in helle Aufruhr. Die Stadt plante dort eine Quartiersgarage und führte als Argument für eine Neuordnung an, dass viele der Hinterhofbauten illegal seien. „Das Integrierte Handlungskonzept hängt wie ein Damoklesschwert über uns“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir haben richtig Angst, dass das Thema wieder aufpoppt“, sagt der Unternehmer. Im Wahlprogramm von Peto zumindest steht, dass man „die innenliegende Fläche in den Hinterhöfen…für eine behutsame Bebauung öffnen“ wolle. 2016 habe der Bürgermeister die Anwohner beschwichtigt, sie sollten sich keine Sorge vor Enteignung machen, so der Monheimer. Gleichzeitig habe er aber gesagt, wer in der Innenstadt wohne, habe kein Recht auf einen Garten. Wenn seine Nachbarn ihre Gärten verkaufen wollten, nehme er das hin. Er selber möchte aber nicht unter Druck gesetzt werden, wenn er lieber „in Ruhe im Garten sitzen“ wolle. Deshalb habe er sich auch mittels alter Bauakten rückversichert, dass alle Anbauten auf seinem Grundstück an der Grabenstraße genehmigt waren.

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Die Stadt hat mit dem alten Postgebäude an der Freiheit 8 selber eine Immobilie erworben, auf deren Grundstück etliche Schwarzbauten errichtet wurden, die illegal zu Wohnzwecken genutzt wurden. „Die Leute wohnten da auf engstem Raum, die Nebengebäude müssen abgerissen werden“, erklärt Stadtplaner Thomas Waters. „Wir wollen dieses relativ weit in den Innenbereich hineinragende Grundstück zusammen mit anderen einer Wohnbebauung zuführen“, sagt er. Die Stadt habe auch einen halben Garten in der Mitte dazugekauft. „Wir kaufen uns den nötigen Baugrund wie Puzzleteile zusammen“, so Waters. Die Stadt plane eine Neuordnung im Sinne einer Entdichtung, es gebe dort Gärten, aber auch hoch verdichtete Grundstücke. Die Quartiersgarage habe man verworfen, man plane eine Wohnbebauung mit Tiefgarage.

Alter Markt: Zum 1. August soll die neue Altstadtmanagerin ihre Arbeit aufnehmen. „Ich erhoffe mir von ihr, dass sie die Altstadt nach außen als Einheit vertritt, daraus eine Marke macht und diese in die Welt hinaus trägt“, erklärt Spielmann-Betreiber Markus Preukschat. Auch wenn die Wirte schon gemeinsam viel auf die Beine stellten, wünscht sich Simone Windges vom Café Liebevoll, dass die Altstadtmanagerin die gemeinsamen Aktivitäten zentral steuert und noch mehr Know-how einspeist. „Auch der Bekanntheitsgrad der Altstadt in der Region soll gesteigert werden.“ Die Pläne der Stadt, die Turmstraße zu einer Fußgängerzone zu machen, um mehr Flächen für Außengastronomie zu gewinnen, begrüßen die Wirte sehr. „Eine hervorragende Idee“, sagt Preukschat. Das würde auch das gefährliche Posing von Auto- und Kradfahrern unterbinden. „Und wir brauchen einfach mehr Terrassenfläche, um genauso viele Leute wie vor Corona bewirten zu können, sonst sind wir bald nicht mehr da.“ Die Corona-Zeit hat der ehemalige WDR-Mann überbrückt, indem er Online-Tastings mit dem jeweiligen Markenbotschafter der Spirituose auf einem Youtube-Kanal produzierte.

Autonomer Bus: Man kann keinen Fuß in die Altstadt setzen, ohne in die vordefinierten Route des autonomen Busses zu geraten. Ein „Geisterbus“, munkeln Anwohner. Seitdem er den Betrieb am 15. Mai wieder aufgenommen hat, fährt der autonome Bus die Strecke Altstadt Busbahnhof 67 Mal am Tag, berichtet Detlef Hövermann, Geschäftsführer der BSM. Seine maximale Auslastung läge derzeit bei 200 Fahrten. Im Mai habe der Bus 50 Fahrgäste pro Tag chauffiert, im Juni 64. Das entspreche einer Auslastung von derzeit 32 Prozent. Vor Corona konnte der Bus maximal elf Gäste pro Fahrt aufnehmen. Das wären – bei maximaler Auslastung – 737 Fahrgäste pro Tag. In den ersten Wochen seines Betriebs lag die Auslastung bei 240 Gästen pro Tag, also 33 Prozent. „Wir hätten heute also – unter den begrenzten Betriebsbedingungen – die Auslastung der Vor-Corona Zeit erreicht“, sagt Hövermann. Unter der Woche werde der Bus von im Schnitt 75 Gäste pro Tag genutzt, am Wochenende von 60 pro Tag. tagsüber wird er vor allem vom späten Vormittag bis Mittag gut genutzt. Für den Bus wurde sogar die Einbahnstraßenregelung für die Poetengasse geändert.

Kradepohl: Mit der Altstadtkirche ist die evangelische Kirchengemeinde Anliegerin des Kradepohls. Der evangelische Pfarrer Falk Breuer findet die Gestaltung des Altstadtplatzes sehr gelungen. Der Beschluss des Kirchenvorstands, alle Zäune abzureißen und den Kirchvorplatz optisch anzugleichen, habe sich als richtig erwiesen. Die Sitzangebote in dem Park würden gut angenommen. Besonders gegenwärtig ist ihm die Corona-Aktion „So schallt es heraus”, als sich viele Bürger auf dem Platz versammelten, um der Musik zu lauschen, die aus dem Innern der Kirche erklang. Kritisch sieht er allerdings das Altstadtpflaster: Für Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen und Gehbehinderte sei die buckelige Oberfläche schwer zu bewältigen, auf dem Kirchvorplatz seien die Steine daher abgeschliffen worden. Auch die Kurve um die Verkehrsinsel mit Traditions-Baum und Brunnen sei zu eng bemessen, lange Fahrzeuge wie Busse scherten auf den Bürgersteig aus. „Ein verkehrstechnisches Nadelöhr“, sagt Breuer. Da auf der Kirchstraße gerade gebaut werde, seien dort auch Baufahrzeuge unterwegs.