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Monheim Wie geht man in Monheim mit kultureller Vielfalt um?

Monheim interkulturelle Bildung : Wer bestimmt, was „normal“ oder „fremd“ ist?

Analyse Das Handlungskonzept Interkulturelle Bildung befasst sich mit Themen wie Formen der Diskriminierung, mit Leitkultur, dem Umgang mit Rechten und gibt Empfehlungen, wie etwa die Stadt Monheim gesellschaftliche Beteiligung von Migranten noch besser ermöglichen kann.

von D. Schmidt-Elmendorff

Noch n‘ Konzept: Das Institut So.con der Hochschule Niederrhein hat im Auftrag der Stadt ein Handlungskonzept für interkulturelle Bildung entwickelt. Die Autoren, darunter Institutsleiterin Prof. Beate Küpper, haben in ihrer ausführlichen Situationsbeschreibung festgestellt, dass es bereits eine Vielzahl von Konzepten unter dem strategischen Ziel der „Stadt für alle“ gibt. Viele der darin enthaltenen Ideen seien noch nicht umgesetzt. Bei vielen Akteuren zeigten sich daher „Ermüdungserscheinungen“. Es bestehe insgesamt eine gewisse „Übersättigung“ in Hinblick auf Themen wie „Inklusion und „Integration“. Auch die Bürger haben auf dem Mitmach-Portal erklärt, dass das Zusammenleben eigentlich gut funktioniert, es gebe keinen Handlungsbedarf. Warum also? Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) hat im Integrationsrat dazu erklärt, dass die AfD bei der Bundestagswahl in Monheim das zweitstärkstes Ergebnis im Kreis Mettmann erreicht habe. Man müsse sich darauf gefasst machen, dass demnächst ein AfD-Mitglied im Stadtrat sitze, wenn man nicht gegensteuere. Integrationsratsvorsitzender Abdelmalek Bouzahra kommentiert: „Einige Parteien und Vereine werden an dem Konzept zu knabbern haben.“

Was heißt eigentlich interkulturelle Bildung? Menschen sollen befähigt werden, „achtungsvoll, einfühlsam und kundig“ mit lebensweltlichen Unterschieden umgehen. Interkulturell kann sich auf Unterschiede in der Nationalität, Ethnie, Religion, das Alter, Geschlecht oder die sexuelle Identität beziehen. Interkulturelle Begegnungen sind demnach durch Gruppenzuweisungen geprägt, wobei der Mensch mehr als Mitglied einer Gruppe mit bestimmten Eigenschaften gesehen wird und nicht als Individuum. Das führe schnell zu einer Unterscheidung in „wir“ und „die“, oder „vertraut“ und „fremd“, womit auch gleich eine „Abwertung“ und Ausgrenzung“ begründet sei.

Was ist das Ziel interkultureller Bildung? Zunächst wird festgestellt, dass dies ein Prozess des ständigen kritischen Hinterfragens der eigenen Wahrnehmung und Einschätzungen ist, bei dem man sich seinen eigenen „gruppenbezogenen Egozentrismus“ bewusst machen soll, dass nämlich „die eigenen Selbstverständlichkeiten und lieb gewonnenen Gewohnheiten“ auch dem gegenüber „fremd“ erscheinen mögen. Es geht darum, wer eigentlich bestimmt, was „anders“, „fremd“ oder „unnormal“ ist? Wem das Mitmachen erleichtert, wem erschwert wird? Von wem verlangt wird, sich umzustellen und etwas Neues zu lernen? Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, ob eine Mehrheitsgesellschaft das Recht hat, zu bestimmen, was „normal“ und was „anders“ ist. Als Beispiel für eine typisches interkulturelles Konfliktthema wird das Thema Müll genannt: Als Gegenmittel gegen achtlos abgeladenen Müll wird gesagt, man müsse Migranten eben besser über das deutsche Müllsystem informieren.

Rassismus und Rechtspopulismus: Im Umgang mit Rechtspopulisten sagen die Autoren: „Dialog ist hier der falsche Weg“, Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, sei „verschwendete Energie“.  Die Autoren erteilen der Position, sich im demokratischen Sinne dem Dialog mit Rechten zu stellen und die Gelegenheit zu nutzen, die Gegenseite mit guten Argumenten zu wiederlegen, eine Absage. Sie bieten damit den argumentativen Unterbau für die Linie des Bürgermeisters, der im April 2019 eine AfD-Politikerin von einer Diskussionforum der VHS ausgeladen hatte. So heißt es: „Würde, Vielfalt und Gleichwertigkeit“ seien nicht verhandelbar und den Rechten ginge es ja nur um „Agitation“. Das sei sogar eine ganz bewusste Ausgrenzung.

Konkrete Empfehlungen zur Konfliktbewältigung in Monheim: Da auch Monheim nicht frei von Konflikten ist, empfehlen die Autoren, eine Anti-Diskriminierungstelle im Rathaus zu schaffen, Krisenpläne zu entwerfen, um auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können, regelmäßige runde Tische mit Schlüsselpersonen aus Polizei, Schule, Sozialarbeit zu etablieren und Angsträume zu identifizieren. Allerdings sei die Stadt zu all diesen Themen bereits „sehr gut ausgestattet“. Es fehlten nur Aktivitäten gegen die Abwertung von  Schwulen und Lesben. Was die Forderung nach Teilhabe für Migranten angeht, so berichten die Autoren, hätten viele Akteure beklagt, dass ihre bereits vielfältigen Beteiligungsangebote nicht nachgefragt werden, Veranstaltungen nicht besucht werden. Der Versuch, Kontakte aufzubauen, binde viel Energie und sorgt für viel Frust. Die Autoren empfehlen, auf Multiplikatoren zu setzen oder bei den  Bildungsinstitutionen anzusetzen, was aber nicht neu ist.

Am Ende ihres Handlungskonzeptes kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass der Begriff „interkulturelle Bildung“ bereits so negativ besetzt sei, dass sie davon abraten, Aktivitäten „mit diesem Label zu bewerben“. Sie empfehlen, „auf jeden pädagogischen Impetus zu verzichten“.